Prozessauftakt Landgericht Waldshut-Tiengen

Motiv für Messerangriff auf Tankstellenkunde bleibt im Dunkeln

Ein Mitarbeiter einer Tankstelle muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen verantworten. Warum er einen Kunden mit dem Messer angriff ist unklar.

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Stand

Von Autor/in Petra Jehle

Versuchter Mord: So lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen gegen einen 25 Jahre alten Mitarbeiter einer Tankstelle in Dogern (Kreis Waldshut). Im April 2025 soll der Beschuldigte einen ihm völlig unbekannten Kunden mit einem Messer mehrfach angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Zum Prozessauftakt kamen erstmals auch mögliche Hintergründe der Tat zur Sprache.

Angeklagt wegen versuchten Mordes
Hier an der Tankstelle soll der Mitarbeiter unvermittelt auf seinen Kunden eingestochen haben. Petra Jehle

Bislang hatte sich der 25 Jahre alte Afghane geweigert, über die Gründe seiner Tat zu sprechen. Auch auf die Fragen des Gerichts antwortete er nur zögerlich oder gar nicht. Über seine Flucht als Minderjähriger, über seine Familie und die Kriegserlebnisse in Kabul wollte er ebenso wenig reden, wie über die Stimmen in seinem Kopf. Erst auf Nachfrage des psychiatrischen Gutachters sprach der Angeklagte davon, dass er seit Jahren Stimmen höre. Hunderte. Auch an dem Tag der Tat hätten sie seinen Kopf "ganz voll gemacht".

Ich kann das Chaos in meinem Kopf nicht erklären

Wegen Suizidgefahr wurde er inzwischen in eine Psychiatrie verlegt. Seine Anwältin las für ihn eine Erklärung vor: Er empfinde Schuld, aber er könne das Chaos in seinem Kopf nicht erklären. Ein Gutachter ist im Prozess anwesend, um die Schuldfähigkeit des Angeklagten zu beurteilen.

Staatsanwaltschaft sieht Mordmerkmale erfüllt

Der 38 Jahre alte Tankstellenkunde war offenbar ein Zufallsopfer. Beide kannten sich nicht. Drei Mal soll der Tankstellenmitarbeiter auf seinen Kunden eingestochen haben. Zuerst nach dem Bezahlen, mit einem Angriff über den Kassentresen. Die Videoüberwachung zeigt, wie der Kunde überraschend zusammenzuckt und zurückweicht. Dann habe er den Mann mit "anhaltender Tötungsabsicht" nach draußen verfolgt und dort zwei weitere Male auf ihn eingestochen, so Staatsanwaltschaft Michael Lorenz.

Kollegin des Täters kann ihn kurz aufhalten

Erst als eine Kollegin, die ebenfalls nach draußen geflohen war, ihn angeschrieben habe, habe er innegehalten und sei zurück in den Tankstellenshop gegangen. Dort wurde er wenig später widerstandslos von der Polizei festgenommen.

Angeklagt wegen versuchten Mordes
Für den Prozess sind insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird Mitte Oktober erwartet. Petra Jehle

Opfer schwebte in Lebensgefahr

Die Messerstiche, die dem Opfer zugefügt wurden, waren lebensgefährlich und haben Folgen: Das Opfer leidet bis heute unter schweren psychischen Folgen der Tat. Der Angeklagte war emotionslos und wollte mich umbringen, schilderte der Mann den Vorfall im Gerichtssaal.
An die Stiche in Bauch, Rücken und Oberkörper kann er sich bis heute nicht mehr genau erinnern. Seine Erinnerung an die Tat seien schwammig, so der Zeuge. Trotz der schweren Verletzungen konnte er sich in sein Auto retten und einige Meter fahren. Dann setzte er einen Notruf ab. Erst im Auto habe er gemerkt, dass Blut aus seinem Pulli dringe, so der 38 Jährige. Sein Notruf wurde im Gerichtssaal abgespielt: Elf lange und nur schwer zu ertragende Minuten sind zu hören. Zu hören ist, wie das Opfer unter den Schmerzen langsam zusammenbricht.

Er war emotionslos, zeigte keine Reaktion. Er wollte mich umbringen.


Für den Prozess sind insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Zwei Sachverständige sind geladen. Ein Urteil wird Mitte Oktober erwartet

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