Pflanzen, die von irgendwo auf der Welt zu uns eingeschleppt wurden und heimische Arten verdrängen, sind eine echte Plage. Im Kampf gegen diese invasiven Neophyten wie der Japanische Staudenknöterich oder das Indische Springkraut setzt Freiburg auf Tausende Freiwillige. Die machen die Eindringlinge insbesondere an Flüssen und Bächen ausfindig und gehen ihnen an die Wurzeln. Dazu braucht es einen langen Atem und viele Hände.
Mit vereinten Kräften rupfen und reißen - Schülerinnen und Schüler des Freiburger Berthold-Gymnasiums packen das Indische Springkraut tief unten am Stängel und ziehen es aus dem Boden am Ufer der Dreisam. Säckeweise schleppen sie es weg. Immerhin wurzelt das Springkraut nicht so tief wie der Japanische Staudenknöterich.
Es ist unsere Stadt. Wir wohnen hier und es gehört halt auch einfach dazu, wenn man hier wohnt, dass man seine Stadt, die Plätze, wo man ist, auch einfach pflegt.
Japanischer Staudenknöterich wächst einem schnell über den Kopf
Der Japanische Staudenknöterich wächst Meter hoch, an einem Tag bis zu 30 Zentimeter. Er breitet sich gerne an Flüssen aus, insbesondere am Oberrhein. In Freiburg wuchert er unter anderem am Ufer der Dreisam. Seine herzförmigen Blätter rauben anderen Gewächsen das Licht und seine Wurzeln unterwandern und verdrängen heimische Nachbarpflanzen.
Die Wurzeln des Japanischen Staudenknöterichs reichten Meter tief, erklärt die Biologin Ann Zirker vom Freiburger Garten- und Tiefbauamt. Er bilde Rhizome, sagt sie, also unterirdische Austriebe, die problemlos auch mal unter einem Weg hindurchwachsen könnten. Über Flüsse und Bäche würden Rhizom- und Sprossteile weitergetragen, sodass sich der Japanische Staudenknöterich immer mehr ausbreite. Sie können auch Gebäude schädigen oder Straßenbeläge anheben.
Japanknöterich: Kaum wegzukriegen, aber eindämmen geht
Auch wenn seine tiefen Wurzeln schwer zu bekämpfen seien, lasse sich seine Verbreitung durchaus eindämmen, erklärt Zirker. Das ist allerdings mühsam. Man müsse den Eindringling immer wieder ausrupfen, wenn er erneut austreibt. Das schwächt den Japanischen Knöterich auf Dauer. So habe man ihn in Freiburg an einigen Stellen über die Jahre schon erfolgreich zurückgedrängt, sodass dadurch heimische Pflanzen wie Beinwell und Mädesüß wieder nachkämen, so Zirker
Freiburger Bachpaten erhalten die Artenvielfalt
2.500 Menschen sind in Freiburg als Bachpatinnen und Bachpaten unterwegs, koordiniert werden sie von Ann Zirker. Sie sind in ihrer Nachbarschaft an mehr als 20 kleineren Gewässern regelmäßig im Einsatz und kämpfen dort unter anderem gegen die ungewollten invasiven Pflanzenarten, sogenannte Neophyten. Für die Dreisam ist eigentlich das Regierungspräsidium zuständig. Aber auch dort sind immer wieder Freiburger Sondergruppen aktiv: Firmen oder Schulen, wie jetzt das Berthold-Gymnasium.
Diese Woche haben mehr als hundert Schülerinnen und Schüler vom Berthold-Gymnasium an der Dreisam Jagd auf eingeschleppte Pflanzen gemacht. Die Freiwilligen haben an zwei Tagen große Container mit ausgerupftem Staudenknöterich und Springkraut gefüllt.
Problem-Pflanzen bloß nicht auf den heimischen Kompost schmeißen
Die ausgerissenen Pflanzen sollten hinterher keinesfalls einfach auf den Kompost geschmissen werden. Denn darüber würden sie nur weiterverbreitet, warnt die Biologin. Bis vor einigen Jahren seien die Problem-Pflanzen in Freiburg daher tatsächlich noch verbrannt worden. Inzwischen hat die Stadt eine Heißkompostieranlage, die verhindert, dass die Pflanzen erneut keimen. Dort können die Containerladungen ausgerupfter Neophyten zu unproblematischem Kompost recycelt werden.
Nicht alle Pflanzen aus anderen Ländern machen Probleme
Nur zehn Prozent der ursprünglich gebietsfremden Pflanzen, sagt Ann Zirker, machen bei uns wirklich Probleme. "Auch Kamille, Tomate, Kartoffeln sind mal eingeführt worden, die nutzen wir wunderbar ohne Probleme", erinnert sie. Aber es gebe einen kleinen Prozentsatz von Pflanzen, die wirklich Probleme machen, dazu zählten eben das Indische Springkraut und der Japanische Staudenknöterich.