Sie ist schwarz-weiß gestreift, deutlich kleiner als ihre einheimischen Artgenossen und sehr flink – die Rede ist von der Asiatischen Tigermücke. Im Rheingraben ist sie schon seit einigen Jahren unterwegs, aber auch am Bodensee wurde sie schon gesichtet. Die Stechmücke plagt nicht nur die Menschen, sondern kann sogar gefährlich werden. Denn die Asiatische Tigermücke kann tropische Virenkrankheiten übertragen - zum Beispiel das Dengue-Fieber.
SWR-Reporterin Paulina Flad hat den Tigermückenjäger Andreas Grünwald bei einer Gartenbegehung in Rust begleitet:
Mitarbeit der Bevölkerung entscheidend im Kampf gegen die Tigermücke
Damit es so weit nicht kommt, beauftragen Gemeinden Mitarbeiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS), gegen die Stechmücke vorzugehen. In Rust (Ortenaukreis) leitet Andreas Grünwald die Tigermücken Task Force der KABS. Er und sein Team verteilen an Schnaken-Hotspots das biologische Mittel Bti und stellen Fallen auf, um die Ausbreitung der Tigermücke zu erfassen. Entscheidend bei der Bekämpfung der Tigermücke sei aber die Mitarbeit der Bevölkerung, sagt Grünwald. Denn am liebsten lege die Mücke ihre Larven in kleinen Gefäßen ab, wie man sie vor allem in Gärten findet.
Uns interessieren kleine Gewässer, die in Gefäßen mit einem steilen Seitenrand sind. Da findet die Eiablage statt, das ist die Biologie der Mücke. Deswegen sind wir auch nicht auf den Äckern unterwegs, sondern vorrangig in den Gärten, wo genau diese Gefäße vorkommen.
Schon kleinste Gefäße im Garten können als Brutstätte dienen
Auf der Suche nach Tigermücken-Brutstätten geht Andreas Grünwald bei seiner Gartenbegehung in Rust fast detektivisch vor. Der Schnakenjäger schaut genau hin, wo sich Wasser ansammeln könnte. Da gibt es die offensichtlichen Orte: Regentonnen, Untersetzer von Blumentöpfen oder Gießkannen. Aber manchmal ist auch Wasser dort, wo man es gar nicht erwartet, erzählt Grünwald: "Das kann auch mal ein abgebrochener Zaunrohrpfahl sein aus Metall, wo innen drin das Wasser steht." Schon die Wassermenge eines Kronkorkens reiche aus, um von der Tigermücke als Brutstätte angenommen zu werden.
Wir haben schon an den unmöglichsten Stellen Larven gefunden. Mitgebrachte Muscheln oder Schnecken aus dem Urlaub, da reicht schon eine ganz kleine Wassermenge.
Tipps vom Experten für Gartenbesitzer
Der KABS-Experte empfiehlt Gartenbesitzern: "Aufmerksam durch den Garten gehen und schauen, wo Brutgebiete vermieden werden können." Gefäße im Garten sollten wenn möglich so gelagert werden, dass sich kein Wasser darin ansammeln kann. Alternativ sollten sie einmal wöchentlich vollständig ausgeleert werden. Sollte das nicht gehen, dann sollten die Behälter lückenlos abgedeckt werden. Über eine Regentonne zum Beispiel kann ein engmaschiges Moskitonetz gespannt werden. Es gehe darum, eine Eiablage am Wasserrand zuverlässig zu verhindern, sagt Grünwald.
Wir wünschen uns, dass die Leute verinnerlichen, Wasser nicht länger als sechs Tage stehen zu lassen im Garten.
Tigermücken mögen gerne ruhiges Wasser, erklärt Grünwald weiter. Ein kleiner Brunnen, der das Wasser in Bewegung hält, könne dafür sorgen, dass die Tigermücke keine Eier am Rand ablegt. Auch Fische in einem Teich helfen, erklärt der KABS-Experte: "Da muss man sich um Mückenlarven keine Sorgen machen, die werden zuverlässig gefressen."
Außerdem weist Grünwald darauf hin: Wer im Garten von einer Tigermücke gestochen wird, kann sich sicher sein, dass die Schnake in der Nähe geschlüpft ist. Denn die asiatische Stechmücke fliegt nicht weit. Ihr Bewegungsradius liege bei 150 bis 200 Metern, so der Experte.
Wann kommt Bti zum Einsatz?
Wenn eine Wasseransammlung nicht beseitigt werden kann - zum Beispiel weil ein Blumentopf zu schwer ist, um den Untersetzer jede Woche zu leeren - gibt es die Möglichkeit, das Wasser mit dem biologischen Mittel Bti zu behandeln. Der Stoff tötet die Mückenlarven ab. Bti-Tabletten dürfen unter anderem in Rathäusern von Sachkundigen ausgegeben werden. Eine Tablette reiche für eine Regentonne à 50 Liter, so Grünwald. Alle 14 Tage sollte das dann von April bis Oktober wiederholt werden, wenn Mückenlarven in der Regentonne sind.
Unverständnis über neue Biozid-Verordnung Frust in Au am Rhein: Verordnung bremst Mückenbekämpfung aus
Stechmücken sind in Au am Rhein ein Dauerthema. Damit Schnaken nicht im Garten brüten, setzen Gartenbesitzer auf BTI-Tabletten. Doch die kostenlose Abgabe ist gerade erschwert.
Um herauszufinden, wo die Tigermücke bereits verbreitet ist und, wo sie ihre Eier ablegt, stellen Andreas Grünwald und sein Team außerdem Fallen auf. Aber auch dabei ist die KABS auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, um neue, bisher noch unbekannte Populationen zu entdecken.
Tigermücken können gefährliche Krankheiten übertragen
Das Ziel der KABS sei es, eine exponentielle Massenvermehrung der Tigermücke zu verhindern, so Andreas Grünwald. Denn die Tigermücke ist nicht nur eine Belästigung. Sie kann auch gesundheitsgefährdende Viren wie Chikungunya, Dengue und Zika auf den Menschen übertragen.
Bisher wurde in Deutschland zwar noch keine Übertragung gemeldet, aber das Risiko nimmt zu. Denn der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung der Stechmücke, auch in Deutschland. Bereits jetzt könnten laut Umweltbundesamt die in den Sommermonaten auftretenden Tigermücken-Populationen ausreichen für den Ausbruch kleinerer Epidemien.
In Straßburg musste bereits eine Chemiekeule zum Einsatz kommen
Nicht weit von Rust entfernt, auf der anderen Seite des Rheins in Straßburg, musste bereits ein chemisches Insektizid versprüht werden. Eine Person hatte dort den Dengue-Virus aus einem Tropenland eingeschleppt. In einer Nacht-Aktion wurde eine Fläche im Stadtzentrum abgesperrt und der Wirkstoff Deltamethrin als kalter Nebel versprüht. Laut der Gesundheitsbehörde ARS (Agence Régional de Santé) tötet dieser nicht nur Tigermücken, sondern auch andere Insekten. "Das wollen wir nicht", sagt Andreas Grünwald von der KABS. Deswegen sei die Prävention von Brutgebieten, etwa in Gärten, durch die Bevölkerung so wichtig. "Nur so bekommen wir das in den Griff", so Grünwald.