Mit dem ersten Federweißen beginnt der Herbst, zumindest für Martina Bläsi. Sie arbeitet auf dem Weingut Löffler in Staufen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Das heißt aber auch: Für sie beginnt der Herbst in diesem Jahr im August. Denn am Montag startete am Weingut Löffler die erste Weinlese des Jahres in Deutschland.
So früh waren sie mit der ersten Lese noch nie dran. Der ganze Wein sei etwa zwei Wochen früher als üblich reif, sagt Kellermeister Wolfgang Löffler. Im vergangenen Jahr begann die Lese am 18. August - immer noch früh, aber eine Woche später als in diesem Jahr.
Um der Hitze des Tages zu entgehen, trifft sich Familie Löffler schon morgens am Hang. Mit dabei sind alle Generationen, von den Großeltern bis hin zu den Enkelkindern. Die Erwachsenen können sich noch gut daran erinnern: Früher trug man bei der Lese noch Schal und Mütze. Eine Weinlese bei diesem Wetter fühlt sich für Bläsi komisch an. Heute sind Shorts und T-Shirt angesagt.
Eine besonders frühe Ernte
Den Beginn für die Federweißer-Ernte macht die Sorte "Solaris". Diese Sorte ist früh reif und besonders pilzresistent. Auf einer Fläche von etwa einem Viertel Hektar wachsen die Trauben für den Federweißen. Der Großteil wird mit dem Vollernter eingefahren.
Noch auf dem Feld messen die Winzer mit einem Refraktometer das Mostgewicht der Trauben - etwa um die 100 Grad Oechsle. Die braucht es auch, um die Trauben zu ernten. Später im Hof messen sie erneut. "114 Oechsle" ruft Andreas Löffler, der Kellermeister. Jetzt, nach dem Pressen, hat Löffler einen höheren Oechsle-Grad gemessen als zuvor. Nicht nur der Federweiße ist in diesem Jahr früh dran, sondern alle Rebsorten. In etwa zwei Wochen, schätzt Wolfgang Löffler, sei dann auch der Müller-Thurgau reif zur Lese.
Geringere Ernte auch aufgrund des Klimawandels
Dass die Ernte in diesem Jahr so früh ist, liegt auch am Wetter der vergangenen Wochen. Die hohen Temperaturen haben dazu geführt, dass die Trauben schneller reif wurden. Gleichzeitig leidet der Wein aber unter der Dürre. Wegen der Trockenheit sind die Trauben relativ klein: "Normal sind 76 bis 78 Prozent Ausbeute.
Wir werden sehen. Ich denke wir werden bei 70 Prozent oder sogar etwas darunter liegen," sagt Wolfgang Löffler. Für den Federweißen rechnet Andreas Löffler mit deutlichen Einbußen. Am Montag haben sie rund zwei Tonnen Trauben gelesen - knapp ein Drittel weniger als sonst.
Weinbau: Anpassung an den Klimawandel
Die Solaris-Trauben sind einigermaßen gut durch die Hitze gekommen. An anderen Hängen musste Familie Löffler die Weinreben gießen. Denn ohne das zusätzliche Wasser hätten besonders die Reben an den Steilhängen und die jungen Pflanzen den Sommer nicht überstanden. Auch viele andere Winzer aus der Region arbeiten derzeit mit der sogenannten Tröpfchenbewässerung, bei der die Pflanzen konstant mit einer geringen Menge Wasser besprüht werden.
Die frühe Ernte in diesem Jahr liegt aber nicht nur allein an der Hitze der vergangenen Wochen. Im Winter ist es nicht mehr so kalt, sodass auch die Böden nicht mehr durchfrieren. Deshalb treibe der Wein auch ein paar Monate früher aus, so Löffler. In der Vergangenheit habe als Faustregel gegolten, dass am 3. Oktober noch einmal große Mengen an Trauben gelesen werden. Denn am Feiertag hatten alle Zeit. In diesem Jahr werden sie dann mit der Lese wahrscheinlich schon durch sein, wie auch im vergangenen Jahr.
Am Geschmack ändert sich nichts
Auch wenn die Ernteerträge beim Federweißer in diesem Jahr geringer ausfallen sollten: Am Geschmack und der Qualität ändert sich laut Familie Löffler trotz der Trockenheit nichts. Dennoch beeinflusst das Wetter den Federweißer: Es ist so warm, dass die Trauben besonders schnell gären. Am Dienstag könnte schon der erste süße Federweiße fertig sein. Er wird dann in Flaschen gefüllt und soll bereits am Mittwoch zu kaufen sein.