Kompetenz, Kooperation, KI: Wie der Wissenschaftsstandort Deutschland gegen die USA bestehen kann

Wie behauptet sich die deutsche Forschung im weltweiten Wettbewerb? Die Frage wird in der Nobelpreiswoche wieder aktuell. Trotz harter Konkurrenz aus den USA setzt Wissenschaftsrat-Chef Wolfgang Wick auf Netzwerke, Nachwuchsförderung und KI. Was heimische Institute jetzt brauchen, sagte er im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Jonathan Hadem.

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Anlässlich der aktuellen Nobelpreis-Verleihungen zieht Wolfgang Wick eine positive Bilanz für den deutschen Forschungsstandort. Zwar haben viele deutsche Nobelpreisträger ihre Entdeckungen in den USA gemacht, doch deutsche Wissenschaftler seien weltweit sehr erfolgreich. Zudem betont er, dass die „Spitzenforschung bei Max Planck und Helmholtz auch keinen internationalen Vergleich zu scheuen“ brauche. Die deutschen Universitäten in den „oberen 10, 20 Prozent“ seien international führend oder hochkompetitiv.

Exzellenz als Verbund und nicht immer nur für einzelne

Wick sagt, durch Initiativen wie die Exzellenzstrategie hätten sich die Rahmenbedingungen an den Hochschulen spürbar weiterentwickelt. Es gehe längst nicht mehr nur um einzelne Ranking-Plätze, sondern darum, das Gesamtniveau zu heben. Entscheidend sei dabei „ein gutes Verhältnis zwischen Kooperation und Kompetition“. Die Universitäten haben ihre Strategiefähigkeit gestärkt und die Talentförderung ausgebaut. Nur durch einen moderneren Diversitätsbegriff könne man „den Pool der Talente insgesamt ausreizen“, während zugleich auch neue Technologien wie die „KI eine immer wesentlichere Rolle“ einnehmen.

Ich glaube, dass die USA weiterhin die führende Wissenschaftsregion sind.

Trotz der Stärke des deutschen Wissenschaftssystems bleiben die USA unangefochten der weltweit wichtigste Forschungsraum. Dennoch sieht Wick in der Politik von US-Präsident Trump langfristige Risiken für den dortigen Standort. Faktoren wie eine „fehlende Berechenbarkeit“ sowie „Einschränkungen in der freien Wissenschaft“ schadeten einem System zwar nicht von heute auf morgen, aber nachhaltig über die Jahre. Vor allem in globalen Feldern wie Klima, Energie oder Biomedizin geraten Kooperationen unter Druck, wenn verlässliche Partner oder Datenbanken wegfallen.

Wir sollten aufpassen, dass wir nicht als Krisengewinner erscheinen.

Die politischen Unsicherheiten in den USA wirken sich bereits auf den wissenschaftlichen Nachwuchs aus: Vor allem jüngere Forschende, „sogenannte Postdocs“, zögerten zunehmend, für Engagements in die USA zu gehen. Für Deutschland entsteht daraus die Chance und Aufgabe, die eigenen „Arbeits- und Strukturbedingungen wirklich zu verbessern“. Dennoch mahnt Wick zur Zurückhaltung: Deutschland dürfe nicht opportunistisch auftreten, sondern müsse die internationale Vernetzung aufrechterhalten, da große globale Aufgaben nur gemeinsam gelöst werden können.