Digitaler Personalausweis: Kennt die Behörde wirklich nur unser Passbild-Gesicht?

Die Digitalisierung in der deutschen Verwaltung kommt nur sehr schleppend voran. Das hat viele Gründe. Aber es gibt zum Beispiel in den Ausweisbehörden offenbar auch viel zu lachen, meint Peter Knetsch in seiner Kolumne. Feedback? Gerne! Kolumne@swr.de

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Von Autor/in Peter Knetsch

Es ist immer wieder erstaunlich, wie langsam sich die bürgerfreundliche Digitalisierung in deutschen Behörden dahinschleppt. Gerade mal 15 von 100 Deutschen schaffen es, ihrem neuen Perso die digitale Ausweisfunktion beizubringen. Diese ist eigentlich sehr nützlich, wenn man zum Beispiel sein Auto von zu Hause aus und ohne Termin zulassen will. Wie gesagt, eigentlich. Die restlichen 85 Deutschen scheitern zum großen Teil schon daran, die Digital-Funktion freizuschalten.

Ich gehöre dazu, und es fühlt sich gut an, nicht allein blöd zu sein. Wobei es weniger am IQ des Einzelnen als vielmehr an dem Verfahren selbst liegt. Der private Verein NExT hat das untersucht. Darin engagieren sich Menschen, die der digitalen Verwaltungs-Trägheit in Deutschland auf den Grund gehen. Demnach verzweifeln die meisten Nutzer daran, dass sie sich in einem Labyrinth aus Log-Ins, Authentifizierung-Codes, Anmelde-Pins und Registrierung-Formularen verlaufen. Andere geben auf, weil ihr Smartphone den im Ausweis eingebauten Chip nicht lesen kann oder die notwendige Ident-App den Vorgang irgendwann abbricht.

So war’s bei mir. Selbst diese App scheint zu verzweifeln, in dem Antwort-Textfeld entschuldigte sie sich für einen Zitat "unerklärlichen Fehler". Irgendwann hat mich dann die Motivation verlassen - und schließlich ist das Leben auch ohne digitale Ausweisfunktion ganz schön.

Stutzig hat mich allerdings das Begleitschreiben zu meinem Perso gemacht. Man bekommt nämlich von seiner Ausweisbehörde ein persönliches Sperr-Kennwort für den digitalen Ausweis zugeschickt. Falls der echte geklaut wird oder verloren geht. Mein mir zugewiesenes Kennwort lautet: "BAUCHANSATZ", kein Witz! Dabei habe ich dem zuständigen Amt bei Antragstellung nur ein Passbild geschickt, keine Ganzkörperaufnahme, da bin ich mir sicher. "BAUCHANSATZ"!! - Soll nochmal jemand sagen, dass die auf dem Amt alle spaßbefreit sind. Da sitzt irgendein kichernder Verwaltungsfachangestellter in seinem Büro und darf auf diese Art seinen aufgestauten Kundenfrust abreagieren?

Was bekommen andere als Sperr-Kennwörter zugewiesen? "BOTOX-UNFALL"? "HUNGERHAKEN"? "GESICHTSGÜNTHER"? Wenn man Glück hat, aber vielleicht auch - je nach Passbild - ein "ABERHALLO"! Bei mir also "BAUCHANSATZ". Unverschämtheit! Also nicht wegen der Bedeutung oder Zuschreibung, sondern dass das Kennwort ausschließlich aus Großbuchstaben besteht, und weder Zahlen noch Sonderzeichen enthält! Das lernt man schon in der digitalen Grundschule, von wegen Datenschutz und Passwortsicherheit. Statt "BAUCHANSATZ" wäre "MeGa-6-PaCK" angemessen gewesen.

Da ich aber ohnehin auf die digitale Ausweisfunktion verzichten werde, kann ich jetzt auch das Sperr-Kennwort in den Mülleimer werfen. So einfach kann man sich ganz analog von seinem "BAUCHANSATZ" trennen.