- Datum
- Beginn
- / 19:00 Uhr Konzerteinführung
- Adresse
- Stuttgart, Liederhalle
- Tickets
- Programm
- Joseph Haydn
Sinfonie C-Dur Hob. I:82 ("Der Bär")
York Höller
Konzert für Viola und Orchester
Joseph Haydn
Sinfonie g-Moll Hob. I:83 ("Die Henne") - Mitwirkende
- Tabea Zimmermann, Viola
SWR Symphonieorchester
François-Xavier Roth, Dirigent
Hier Joseph Haydn, dort York Höller: Es ist eine spannungsvolle Begegnung, die einen orchestralen Bogen spannt vom späten 18. bis zum frühen 21. Jahrhundert. York Höller schreibt sein Konzert der Bratschen-Solistin und Neue Musik-Expertin Tabea Zimmermann auf den Leib. Sie kennt das Werk gut, schließlich spielte sie auch die Kölner Premiere im Jahr 2018 – unter der Leitung von François-Xavier Roth. Zumindest eine "Prise Haydn" schimmert in Höllers beeindruckendem Konzert durch. Klassisch dreisätzig ist es konzipiert, noch dazu in der traditionellen Form von schnell, langsam, schnell. Just als Höller mit der Arbeit beginnt, stirbt sein einstiger Lehrer und Förderer Pierre Boulez. Den zweiten Satz, ein getragenes Tombeau, widmet er dem im 20. Jahrhundert so einflussreichen französischen Komponisten und Dirigenten.
"L´ours et la poule", (der Bär und die Henne): Das sind schon merkwürdige Beinamen der zwei "Pariser" Sinfonien von Joseph Haydn. Sie kamen nicht von Haydn selbst, sondern vom Pariser Publikum. Im ersten Satz der "Henne", also in der Sinfonie g-Moll Hob. I:83, hörte es ein keckes Gegackere. Der "Bär" hingegen taucht im letzten Satz der Sinfonie in C-Dur Hob. I:82 auf – in Form einer dumpfen, fern an einen Dudelsack erinnernden Brummbewegung. Haydn konnte sich geradezu austoben in seinen insgesamt sechs "Pariser" Sinfonien, denn der Auftrag kam von einer sehr reichen Freimaurerloge, die ein zur damaligen Zeit ungewöhnlich großes Orchester unterhielt. Die vielen neuen Effekte und die anno 1786 so besonders subtilen und neuartigen Holzbläser-Passagen wussten die Pariser Hörerinnen und Hörer jedenfalls sehr zu schätzen.
Haydn kam wohl auch zu Gute, dass seine Sinfonien oft gespielt wurden. Angesichts einer derartigen Aufführungs- und Wiederholungsdichte kann ein heutiger Komponist nur vor Neid erblassen. Schade eigentlich, denn Einhören muss geübt sein – gerade in der zeitgenössischen Musik, die Joseph Haydn ja auch schrieb. Damals, vor 240 Jahren.