Karriere nach der Karriere

Verena Bentele: Was ohne Sehkraft alles möglich ist

Verena Bentele ist vierfache Weltmeisterin und zwölffache Paralympics-Siegerin im Biathlon und Langlauf. Seit 2018 leitet sie als Präsidentin den größten deutschen Sozialverband VdK.

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Von Autor/in Inken Pallas

Als erfolgreiche Sportler sorgten sie für Begeisterung, Emotionen und ziemlich viele Titel und Medaillen. Was machen diese Menschen nach der sportlichen Karriere? Dieser Frage gehen wir in unserer Serie "Karriere nach der Karriere" auf den Grund.

Verena Bentele ist vierfache Weltmeisterin und zwölffache Paralympics-Siegerin im Biathlon und Langlauf. Die 44-Jährige wurde blind geboren. Seit 2018 (nach dem Ende ihrer aktiven Karriere) leitet sie als Präsidentin den größten deutschen Sozialverband VdK (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands).

Sie braucht ein bisschen Hilfe beim Anziehen des Sicherungsgurtes, lässt sich dann zum Kletterfelsen führen und ist danach auf sich alleine gestellt. Überhaupt kein Problem für die blinde Verena Bentele, sie fühlt mit den Händen und auch mit den Füßen, wo sie greifen, wo sie stehen kann. Prompt klettert sie sehr schnell nach ganz oben. Auch bei diesem ungewohnten Ausflug zeigt sie Entschlossenheit, Ausdauer, Mut.

Ich habe sehr wenig Schiss, ehrlich gesagt. Ich mag Geschwindigkeiten, mag Radtouren. Mit 70, 80 km/h den Berg herunterfahren auf einem Tandem.

Zu viele Medaillen für den Hals

Verena Bentele lacht und zieht als "Botschafterin" des Münchner Sportfestivals mit ihrer Managerin und Freundin Heidi Willmann in einem ordentlichen Tempo über den Königsplatz Richtung Bühne. Eine paralympische Medaille hat sie mitgebracht, insgesamt wären es mit zwölf Medaillen einfach zu viele Kilo um den Hals, denn sie hat bei dieser Veranstaltung viel zu tun.

Gefragte Para-Athletin Bentele: Zwischen Fans und Fotosessions

Bentele möchte Leuten Mut machen. Ihr Motto: Sport vermittelt Werte und zeigt, was Menschen erreichen können, wenn sie sich etwas zutrauen. Auf der Bühne hilft sie bei Siegerehrungen, beantwortet viele Fragen, wechselt dann für eine Fotosession zu einem anderen Zelt, immer wieder fragen Fans nach Autogrammen und Fotos mit der erfolgreichen Parasportlerin. Als Präsidentin des Sozialverbandes VdK ist sie auch sonst viel unterwegs, nicht nur in Berlin, am Hauptsitz des Verbandes, sondern in ganz Deutschland.

Meine Tage sind immer unterschiedlich. Ich bin viel in Terminen, in Gesprächen mit der Bundesregierung, mit dem Parlament, mit anderen Verbänden. Aber egal was ansteht, ich versuche entweder vor oder nach der Arbeit Sport zu machen.

Mit ihrem ebenfalls blinden Bruder Michael ist Bentele schon den Berlin-Marathon gelaufen, beide lieben Radfahren, Wandern, Schwimmen. Ihre Zeit als Sportlerin, so sieht es nicht nur ihr Bruder, ist eine wichtige Basis für ihre jetzige Karriere: "Das, was sie jetzt macht, macht sie einfach 100-prozentig. Das hat sie aus ihrem Sport einfach noch ein bisschen mit rübergenommen. Verena ist immer noch genauso ehrgeizig, auch in der Politik möchte sie gewinnen, sich bei Entscheidungen durchsetzen", so Michael Bentele über seine Schwester.

Politische Karriere nach der aktiven Karriere

Die politische Karriere von Verena Bentele ist gut vorbereitet, das Geschäft kennt sie seit 2010. Damals wurde sie von der SPD in Baden-Württemberg als prominente Delegierte für die 14. Bundesversammlung nominiert. 2014 wurde sie mit 32 Jahren die jüngste Behindertenbeauftragte der Bundesregierung und die erste, die selbst behindert ist.  

Seit 2018 kümmert sie sich als Präsidentin des Sozialverbandes VdK um soziale Gerechtigkeit. Eine schwierige, aber schöne Aufgabe, so Verena Bentele: "Was mir absolut gefällt und was ich liebe an dem Job: es ist ein Langstreckenrennen und man muss zäh bleiben, dran bleiben, es braucht hohe Resilienz, um aus Krisen oder Niederlagen wieder aufzustehen und weiterzumachen."

Verena Bentele hat noch viele Ziele

Es gibt auch jetzt noch Ziele, die sie unbedingt erreichen will, zum Beispiel soziale Sicherungs-Systeme, private und gesetzliche Krankenversicherungen zusammenführen. Daran arbeite sie weiterhin, auch wenn es noch Jahre und vielleicht Jahrzehnte dauern würde, um das zu erreichen.

Es war irgendwie einfacher mit einer Goldmedaille auf dem Siegertreppchen zu stehen, in der Politik sind Erfolge schon extrem selten.

Wer ganz nach oben will, brauche Kampfgeist, Hartnäckigkeit und Ausdauer. Und ein gutes Team. Sie arbeite mit Menschen zusammen, denen sie vertraut. Deshalb, so Verena Bentele, könne man die seltenen Erfolge in der zweiten Karriere auch richtig genießen.

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Autor/in
Inken Pallas
Onlinefassung
Martin Bromber