Karriere nach der Karriere

Vom Biathleten zum Problemlöser: Benedikt Doll hat Spaß daran, "den Fehler zu finden"

Als Biathlet wurde Benedikt Doll 2017 Weltmeister, holte zwei Mal Olympia-Bronze. 2024 beendete der Schwarzwälder seine Karriere – und macht nun eine Ausbildung zum Elektroniker.

Teilen

Stand

Von Autor/in Nikolaus Rhein

Ein prüfender Blick auf den Plan. Voller Fokus, um auch ja keinen Fehler zu machen. Dann legt Benedikt Doll los. Hochkonzentriert steckt er die Kabelenden in seiner Hand an die richtigen Stellen, eines nach dem anderen. In der Werkstatt seines Ausbildungsbetriebs in Freiburg bastelt Doll an dem Schaltschrank für eine Lüftungsanlage, die demnächst in einem Schwimmbad installiert werden soll.

Vom Profi-Biathleten zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik

Im Herbst 2024 ist der Ex-Biathlet in sein zweites Berufsleben gestartet. Seitdem absolviert er eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Hier kann Doll seiner Leidenschaft nachgehen: Rumtüfteln und Probleme lösen. "Wenn bei einer Anlage irgendetwas nicht mehr funktioniert, sieht man den Fehler manchmal nicht sofort. Ihn dann zu finden – das macht mir am meisten Spaß", sagt Doll und strahlt dabei übers ganze Gesicht.

Sein Finde-den-Fehler-Faible kommt nicht von ungefähr: Schon als Kind baute Doll, der in Titisee-Neustadt geboren wurde, im Hotel seiner Eltern Drucker und Computer auseinander, "um zu schauen, was da alles drin ist, wie was funktioniert." Für den 36-Jährigen war früh klar: Nach der sportlichen Karriere will er etwas völlig anderes machen und sich herausfordern. Das Gewehr auf dem Rücken und die Langlaufski hat er eingetauscht – gegen den Werkzeugkoffer und das Drücken der Berufsschulbank.

Benedikt Doll
Nicht nur am Schießstand hochkonzentriert: In der Azubi-Werkstatt seines Betriebs verdrahtet Benedikt Doll einen Schaltschrank für eine Lüftungsanlage.

Problemdiziplin Stehendschießen: "War psychisch sehr belastend"

Im Alter von sieben Jahren fing Doll, der aus einer Sportlerfamilie kommt, mit dem Biathlon an. Er schafft den Sprung in den Hochleistungssport, nimmt unter anderem zwei Mal an den Olympischen Winterspielen teil und holt 2018 in Südkorea zwei Mal die Bronzemedaille. Seinen größten Erfolg feiert er allerdings ein Jahr zuvor: Im österreichischen Hochfilzen wird Doll 2017 Weltmeister im Sprint – auch weil er an diesem Tag seine Problemdisziplin, das Stehendschießen, in den Griff bekommt.

"Das Stehendschießen war im Wettkampf schon eine andere Herausforderung als jetzt hier einen Schaltschrank zu verdrahten", sagt Doll. In seinem neuen Job habe er nicht "diesen Zeitdruck und diese psychische Komponente" wie als Profisportler.

Am Ende habe ich schon gemerkt, dass es einfach psychisch sehr belastend ist. Das war mit ein Grund, warum ich irgendwann gesagt habe: 'Jetzt reicht’s mit dem Biathlonsport. Immer dieses Aufreibende, dieser Wettkampf und so…'

Die zweite Karriere: Benedikt Doll blickt nach vorne

Seine neue Berufsbezeichnung ließe es vielleicht vermuten, aber: Als Elektroniker steht Doll nicht mehr so unter Strom wie am Schießstand. Ob er die Zeit im Biathlon vermisst? "Die Bauchpinselei und dass man so hofiert wird als Sportler, das vermisse ich nicht." Klar, an seinen Erfolgen wie dem WM-Titel 2017 könne er sich immer noch erfreuen, meint Doll – nur um nüchtern nachzuschieben: "Ich bin generell jemand, der nach vorne blickt. Unterm Strich bringen mir die sportlichen Erfolge hier nichts. Da fängst du bei Null an."

Ganz bei Null steht der Azubi Benedikt Doll nicht mehr. Im Frühjahr 2027 will er seine Ausbildung abschließen. Und dann? In seinem Betrieb fühle er sich wohl, könne sich vorstellen, erstmal dort zu bleiben. Einen konkreten Traum will sich Doll, der mit seiner Frau und den zwei Kindern in Kirchzarten unweit von Freiburg lebt, aber schon irgendwann erfüllen: "Ein eigenes Haus bauen, da hätte ich Lust drauf." Dann natürlich so energieeffizient wie möglich – versteht sich ja von selbst, wenn man Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik ist.

Lindau

Karriere nach der Karriere Verena Bentele: Was ohne Sehkraft alles möglich ist

Verena Bentele ist vierfache Weltmeisterin und zwölffache Paralympics-Siegerin im Biathlon und Langlauf. Seit 2018 leitet sie als Präsidentin den Sozialverband VdK.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Stuttgart, Saarbrücken

Karriere nach der Karriere Vom Bundesligastar zum Alltagshelfer - Silvio Meißner und seine zweite Karriere

Silvio Meißner wurde im Jahr 2007 Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart. Heute leitet er eine Agentur für "Alltagshelfer".

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!