Die Weltmeisterschaft im Geräteturnen steht bevor. Geturnt wird vom 17. bis zum 25. Oktober in Rotterdam. Für die deutschen Athletinnen und Athleten ist es der wichtigste Wettkampf des Jahres. Das Frauen-Team von Bundestrainer Gerben Wiersma steht fest. Unter den sechs nominierten Turnerinnen ist wenig überraschend auch Helen Kevric vom MTV Stuttgart. Die aktuelle Europameisterin am Stufenbarren wird in den Niederlanden ihr WM-Debüt feiern.
Ich habe ein gutes Gefühl, dass wir mit einem starken Team auflaufen werden.
Mit der 16-jährigen Madita Mayr (TSV Jetzendorf) steht neben Kevric eine weitere Turnerin und WM-Debütantin im Kader, die am Kunst-Turn-Forum in Stuttgart trainiert.
Nicht mit dabei ist hingegen Janoah Müller. Die 19-jährige Athletin hatte sich bis zuletzt realistische Chancen auf einen Platz im Kader ausgerechnet. Auch aufgrund ordentlicher Leistungen in den letzten Wettkämpfen. Für Müller, die am DTB-Stützpunkt in Mannheim trainiert, wäre es die erste WM-Teilnahme gewesen. Die Turnerin aus der Vorderpfalz war bei den Europameisterschaften 2024 und 2025 noch Teil des deutschen Turn-Teams.
Verletzungspech und Turn-Skandal
Die vergangenen Jahre waren für Müller nicht leicht. Die vergangene WM verpasste sie verletzungsbedingt und musste zuschauen: "Es waren auf jeden Fall ein paar Herausforderungen in der Vergangenheit, sowohl der Turn-Skandal mit der Suspendierung meiner Trainerin, die wir uns alle wieder zurückwünschen, als auch ein paar Verletzungen, aber ich versuche das Beste daraus zu machen," sagte Müller im Interview mit SWR Sport.
Müller: "Eine Turnerin ohne Angst"
Nach einem sechsten Platz im Mehrkampf bei der zweiten WM-Qualifikation am vergangenen Wochenende in Stuttgart zeigte sich auch der Bundestrainer beeindruckt: "Ich gucke immer nach dem Potential. Also, was kannst du im Training und was zeigst du dann heute. Und das hat sie sehr gut gemacht," lobte Wiersma.
Müller ist dafür bekannt, hohe Schwierigkeiten in ihren Übungen zu turnen. "Ich bin eine Turnerin ohne Angst. Ich turne einfach drauf los, so kannst du viele neue Dinge erlernen und ausprobieren," sagte Müller.
Bundestrainer Wiersma: "Sie arbeitet jeden Tag"
Ihre spektakulären Elemente an den Geräten setzten allerdings auch eine starke Ausführung voraus. In diesem Aspekt möchte sich die Pfälzerin noch verbessern. "Die Ausführung ist nicht meine Stärke. Da muss ich viel dran arbeiten. Das merke ich auch an Hand der Punkte, dass ich an meiner Ausführung noch abreiten muss," erklärte Müller.
Cheftrainer Wiersma schätzt ihre Schwierigkeit in den Elementen und teilt seinen Eindruck nach dem sechsten Platz in Stuttgart: "Das Ergebnis hat sie sich glaube ich höher gewünscht und das ist schade. Sie arbeitet jeden Tag, um höhere Werte zu erzielen und wenn das nicht klappt, ist das schade."
Trotz der Nicht-Nominierung für den diesjährigen WM-Kader kann die junge Athletin auch in schwierigen Zeiten auf eins immer zählen: Die Unterstützung ihrer Eltern. "Egal, wie ich mich fühle, trösten oder freuen sie sich mit mir," sagte Müller.