Normann Stadler zählt ungeduldig die Tage, der Countdown für sein unwirklich erscheinendes Kona-Comeback läuft auf null zu. "Dankbar" sei er, schreibt der Triathlet bei Instagram. Die große Narbe auf seiner Brust versteckt er in den Videos von seinen letzten Trainingseinheiten auf Hawaii nicht.
"Von schön bis böse und hart": Hawaii-Comeback für den "König von Kona"
Kurz vor seinem Start im Triathlon-Mekka fühlt sich Stadler, der selbst ernannte "Norminator", der Triumphator von einst, "blessed", vom Leben beschenkt. Denn: 20 Jahre nach seinem zweiten und letzten Sieg am Sehnsuchtsort aller Triathleten tritt der gebürtige Wertheimer wieder an. Mit Vorfreude, Nervosität, Demut und Dankbarkeit. "Das ist mein Lieblingsort. Als 13-Jähriger habe ich schon gesagt: Da will ich hin", erinnert sich Stadler. "Ich weiß genau, was mich da erwartet. Von schön bis bitter und böse und hart. Ich liebe die Insel, die Atmosphäre, die Leute dort und das lockere Leben."
Natürlich wird Stadler mit dem Sieg diesmal nichts zu tun haben. Die heutigen Stars wie der dreimalige Champion Patrick Lange oder Aufsteiger Jonas Schomburg sind in einer anderen Liga unterwegs, doch für die großen Emotionen dürfte am Samstag (10. Oktober) auch und vor allem der frühere König von Kona sorgen. "Ich weiß, wie viel Glück ich habe, dass ich noch lebe", sagte der 53-Jährige kürzlich im Welt-Interview. "Ich sage jeden Tag danke, seit 2011. Dass ich meine Kinder sehe, denn es hätte auch alles anders ausgehen können", weiß Stadler.
Herz-OP und Karriereende
2011 war Stadlers Leben aus den Fugen geraten. Der Ausnahmeathlet brach zusammen, die Diagnose, die auf seinen Schwächeanfall folgte, war niederschmetternd. Die Ärzte entdeckten ein 6,8 cm großes Aortenaneurysma und eine defekte Aortenklappe. Mehrere Stunden operierten sie ihn am offenen Herzen in Heidelberg, Stadler nennt es sein "Herzschlagfinale".
Die Karriere war schlagartig vorbei, zurück blieb eine Narbe auf der Brust, die Stadler daran erinnert: "Leben plant man nicht, Leben ist!" Im Kreise seiner Familie erholte er sich, im Jahr seiner Reha kam sein zweiter Sohn zur Welt. Stadler nahm neue Ziele in den Blick, wurde Motivationscoach, Trainer, doch der Ironman auf Hawaii ließ ihn nicht los.
Triathlon Zwischen Klinikalltag und Trainingsstunden: Triathlon-Weltmeisterin Janina Krug
Erst seit drei Jahren ist die Assistenzärztin Janina Krug Triathletin. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme holte sie den Titel über zwei km Schwimmen, 80 km Radfahren und 18 km Laufen.
"Das ist der Profi in mir und das ist auch das Schlimme, weil man natürlich oft an Zeiten und Trainingswerten hängt von früher. Das hat sich nun mal alles verschoben", weiß der 53-Jährige. Bereut habe er zu keinem Zeitpunkt, das Projekt angegangen zu sein, aber sehr wohl hinterfragt: "Es ist sehr hart, nach so einer langen Zeit wieder eine Struktur rein zukriegen, Familie und Arbeit einzubetten und richtig Gas zu geben", erklärt Stadler.
Norman Stadler: "Hawaii war mein Wohnzimmer"
Für die Hawaii-Vorbereitung habe er das Go seines Sport-Kardiologen und des Operateurs von damals bekommen. Er hatte "wunderschöne, aber auch furchtbare Tage" auf der Insel, nun "kribbelt" es: "Wenn ich an Hawaii denke, habe ich Magengrummeln. Es war mein Wohnzimmer. Ich freue mich auch darauf, die aktuellen Profis und einige Athleten von einst wiederzusehen – das ist wie ein Klassentreffen", freut sich Stadler.
Vor 20 Jahren war Stadler der härteste aller Eisenmänner. Auf Hawaii gewann er nach 2004 seinen zweiten WM-Titel. Nach Thomas Hellriegel 1997 war er der zweite Deutsche, der beim legendären Rennen mit dem 3,86 km langen Schwimmen im Pazifik, der 180,2 km langen Radstrecke an der hügeligen Küste und dem abschließenden Marathon (42,195 km), triumphierte.
Lebenslanges Startrecht beim legendärsten Ironman
Heute, bei seiner Rückkehr auf die Insel, sei sein Ansatz ein anderer. "Das Herz-Thema begleitet mich natürlich. Ich habe meine Vorgaben und werde nichts riskieren, ich möchte mein Grab nicht auf Hawaii, ich habe noch ein paar Jahre vor mir", lacht Normann Stadler. Dank eines lebenslangen Startrechts darf er am Wochenende tatsächlich noch einmal mitmischen. Die Platzierung in der Altersklasse AK 50-54 sei ihm egal. "Ich möchte einfach ein tolles Rennen erleben", sagt er. Der Countdown läuft, Stadler kann es kaum erwarten.