Kanuslalom | WM

Pech für Ricarda Funk geht weiter: Ersatzpaddel für WM verschollen

Bei der Vorbereitung auf die WM ging ein Paddel von Kanutin Ricarda Funk in Australien kaputt. Papa Funk fertigte ein neues an - doch auf dem Weg nach Down Under verschwand es.

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Stand

Ist die Mission WM-Medaille von Kanuslalom-Olympiasiegerin Ricarda Funk in Gefahr? Ein extra für sie gefertigtes Ersatzpaddel ist auf dem Weg nach Australien verschollen. In der Vorbereitung auf die WM, die in Penrith vom 29. September bis 4. Oktober stattfindet, war ihr Arbeitsgerät kaputt gegangen. "Das Paddel liegt in ein paar Teilen unreparierbar, die Fläche ist locker", sagte die 33-Jährige vom KSV Bad Kreuznach, die allerdings auch ein Ersatzpaddel vor Ort hat.

Funk hat aber sofort Hilfe angefordert: "Mein Papa hat ein neues Paddel gebaut." Seit zwei Wochen trainiert die Medaillenhoffnung auf der Olympiastrecke von 2000 - rund 60 Kilometer von Sydney entfernt - zusammen mit der deutschen Mannschaft.

Paddel in Frankfurt bei Umbuchung nicht auffindbar

Das neue Stück trat am Donnerstag mit der Pressesprecherin der Kanuten den Weg von Dresden nach Australien an. Doch der Flug von Frankfurt nach Singapur wurde wegen eines Schadens an der Maschine über Baku zurück nach Frankfurt beordert. In der darauffolgenden Hektik mit Umbuchungen verschwand das als Sperrgepäck aufgegebene Paddel spurlos. Singapore Airlines wollte eine Verlustmeldung nicht aufnehmen, weil der erste Flug von Lufthansa durchgeführt wurde. Und bei der deutschen Fluggesellschaft war niemand in der Kürze der Zeit bis zum neuen Einchecken der Pressesprecherin erreichbar. Für die Athletin ist dieses neue Paddel sehr wichtig, um auch bei der WM Erfolge einzukalkulieren.

"Ich bin sehr sensibel, was Winkel, Einstellungen oder die Fläche betrifft. Wenn es um Medaillen geht, muss alles stimmen. Mein Papa gibt mir Vertrauen ins Material", sagte Funk, die beim Weltcupfinale auf ihrer Heimstrecke in Augsburg erstmals auch im Kajak-Cross siegte. So kämpft sie in dieser Disziplin nun auch gegen Paris-Olympiasiegerin Noemie Fox. 

WM-Aus für Olympiasiegerin Jessica Fox

Zum Aufeinandertreffen mit ihrer Dauerrivalin Jessica Fox, die sie bei ihrem olympischen Gold-Triumph 2021 in Tokio schlagen konnte, wird es nicht kommen. Die Australierin, der ein Tumor aus ihrer linken Niere entfernt worden war, musste für ihre Heim-WM absagen. "Zum ersten Mal seit 15 Jahren werde ich bei der WM nicht an der Startlinie sein. Ich muss meine Gesundheit und Genesung an erste Stelle stellen. Ich bin total am Boden zerstört, dass ich diese WM auf meinem Heim-Kurs verpasse", postete die dreimalige Olympiasiegerin vor einigen Tage auf Instagram.

Auch Funk vermisst ihre Konkurrentin und adelt die Australierin: "Jessica Fox steht für Kanuslalom. Jetzt hatte sie die Chance, in ihrer Heimat zu fahren. Für mich ist es komisch, mit der Nummer Eins an den Start zu gehen. Sie gehört einfach Jess."

Training mit französischem Team: Funk geht neue Wege

Für die WM in Australien ist Slalomkanutin Ricarda Funk vom KSV Bad Kreuznach erstmals einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Raus aus den bequemen Verbandsstrukturen, weg von bekannten Gesichtern und hinaus ins Unbekannte.

Im Februar reiste die Tokio-Olympiasiegerin allein mit ihren beiden Booten nach Down Under, mietete sich ein Auto und schloss sich beim Training auf der WM-Strecke in Penrith gut 60 Kilometer von Sydney entfernt dem französischen Team an. Sie erlebte sechs Wochen hartes Training, neue Sichtweisen und auch Rückschläge. Funk wurde unverschuldet in einen Autounfall verwickelt. Das alles machte sie noch stressresistenter und selbstbewusster.

Funk mit starkem Auftritt bei den Australian Open

Bei den Australian Open auf der WM-Strecke dominierte sie das Rennen und gewann das Finale vor der einheimischen Noemie Fox. Deren Schwester, die dreimalige Olympiasiegerin Jessica Fox, wurde nur Zehnte. "Wow, da war es wieder, dieses Wettkampffeeling", meinte Funk, die nach ihrem Tor-Patzer im Finale bei Olympia in Paris neue Impulse brauchte. 

Tanz auf dem Wasser: Risiko oder Kontrolle?

Trotz 17 Jahren Erfahrung braucht die 33-Jährige die Anspannung. Der Tanz auf den Wellen im Stangenlabyrinth ist immer auch eine Abwägung von Risiko und Kontrolle. So stellt sich Funk bewusst die Frage: "Werde ich das Wasser kontrollieren – oder umgekehrt?" Vor ihrem ersten WM-Start am 1. Oktober im Teamwettbewerb möchte sie sich im Penrith Whitewater Stadium wieder in den Flow reinarbeiten. "Ich weiß, wie welche Stelle zu fahren ist. Aber ich bin nicht die Einzige, die das weiß. Die anderen wissen das genauso", betonte die Weltmeisterin von 2021 und 2022. 

Mit ihren rund 53 Kilogramm gehört sie im Feld zu den leichtesten Athletinnen. Doch am Paddel entwickelt sie enorme Kräfte. "Es ist natürlich cool, wenn man so ein Kraft-Last-Verhältnis hat. Das ist bei dieser Sportart auch ein Vorteil, wenn man ein paar Leute ärgern kann", sagte Funk.

Erstmals publiziert am
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Michi Glang