Da war doch was, vor inzwischen mehr als 33 Jahren: Junioren-Fußballweltmeisterschaft im März 1993 im fernen Australien. Mit dabei unter den 16 Teams war auch Deutschland. Und im DFB-Kader mittendrin: Torsten Lieberknecht, 19-jähriger talentierter Mittelfeldspieler des 1. FC Kaiserslautern.
Lange her, aber wenn man Lieberknecht, inzwischen 53, ein wenig anschubst und nachhakt, dann kommt der Quell der Erinnerung doch wieder Stück für Stück zum Vorschein: "Langer Flug hin, langer Flug zurück" - das ist das Erste, was dem damaligen Juniorennationalspieler im Gespräch mit SWR Sport in den Sinn kommt, "in der Tiefe bin ich aber nicht mehr drin."
Frank Schmidt und das Foto mit dem Känguru
In jedem Fall aber ist bei dieser Junioren-WM eine tiefe Fußball-Freundschaft entstanden: Mit Frank Schmidt (52), dem heutigen Coach des 1.FC Heidenheim. Auch der stand damals in Australien im DFB-Kader. Schmidt, robuste und großgewachsene Abwehr-Kante aus Heidenheim, trug seinerzeit als Nachwuchstalent das Trikot des 1.FC Nürnberg.
Darauf angesprochen, kommen Lieberknecht dann doch wieder Bilder in den Sinn. Vor allem eins von Frank Schmidt: "Er stand damals neben einem Känguru, das Känguru war größer als er", erzählt der FCK-Trainer mit einem Schmunzeln im Gesicht, "aber Frank konnte höher springen als das Känguru."
Vielleicht war es genau diese knitze Art und dieser spezielle Witz, der auch Frank Schmidt eigen ist, der die beiden Junioren-Nationalspieler von 1993 als Freunde zusammengebracht hat: "Zu jedem Trainer hat man eine respektvolle Beziehung", beschreibt Torsten Lieberknecht das Verhältnis zu Frank Schmidt, "aber bei uns gibt es durch die Vergangenheit auch eine freundschaftliche Basis. Jeder kann jeden anrufen, wenn er eine Nachfrage hat oder Hilfe braucht".
Kennen sich seit der U15-Nationalmannschaft
Keine Selbstverständlichkeit im sonst so kurzlebigen, hektischen, oft auch emotionalen Trainergeschäft im Profifußball. Wobei sich Lieberknecht und Schmidt nicht erst seit Australien kennen: "Wir haben schon zusammen in der U15-Nationalmannschaft gespielt", erinnert Schmidt an die gemeinsame Vergangenheit schon als hochbegabte Jugendspieler, "auch als Trainer hatten wir schon unzählige Duelle."
Vor drei Jahren gemeinsam in die Bundesliga
Auch nach der Zeit als Profispieler ist der Kontakt zwischen Torsten Lieberknecht und Frank Schmidt "nie abgerissen" (Lieberknecht). Vor drei Jahren sind die Beiden als Trainer sogar gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegen: Der eine mit Darmstadt 98, der andere mit seinem Leib- und Magenverein 1. FC Heidenheim. Gegen keinen anderen Trainer gab es für Lieberknecht so viele Duelle wie gegen Schmidt.
Viele Trainerduelle zwischen Schmidt und Lieberknecht
Mehr als 20 Mal standen sich Lieberknecht und Schmidt in der 3. Liga, der 2. Bundesliga und der Bundesliga an der Seitenlinie gegenüber. "Irgendwann war ich mal mit meinen Mannschaften sein Angstgegner", verweist der FCK-Trainer auf die sportliche Bilanz gegen den Dauertrainer der Heidenheimer, "das hat sich dann aber in den letzten Jahren leider gedreht. Ich hoffe, dass sich das wieder ändert." Schmidt wiederum erinnert sich an die Zeit von Lieberknecht als Braunschweig-Trainer, "da haben ich neun oder zehn Spiele nicht gegen ihn gewonnen."
Frank Schmidt: "Bei uns knallt`s auch mal"
Der Freundschaft tat die jahrelange ausgeprägte Konkurrenz jedenfalls keinen Abbruch. "Wir haben nicht jede Woche Kontakt. Das ist wie bei guten Freunden die man nicht so oft sieht", zieht Frank Schmidt einen privaten Vergleich, "aber wenn wir uns sehen, dann freuen wir uns."
Viele Nettigkeiten also zwischen den Trainerfreunden, aber es gab auch hitzige Auseinandersetzungen der beiden Emotionsbolzen: "Beim letzten Spiel hier mit Darmstadt, da hat`s richtig geknallt. Das gehört bei uns auch dazu, aber keiner ist nachtragend und danach nehmen wir uns wieder in die Arme."
Dauerschläfer Didi Hamann
Zurück ins Jahr 1993, zurück nach Australien. Wie aus der Pistole geschossen kommt bei Torsten Lieberknecht die Antwort auf die Nachfrage nach dem damaligen Nationaltrainer: "Rainer Bonhof"...und nach weiteren Mitspielern im DFB-Team: "André Breitenreiter, Dimo Wache, Didi Hamann."
Ach ja, der Didi vom FC Bayern: "Der hat damals auf dem Hinflug eine halbe Schlaftablette genommen und 24 Stunden geschlafen, der hat vom Flug gar nix mitbekommen", lacht Lieberknecht. Auch Max Eberl, Carsten Jancker oder Carsten Ramelow waren in Brisbane mit dabei.
"Nicht erfolgreich, aber schön war`s in Australien"
Übrigens, das Abenteuer Australien von 1993 brachte dem DFB-Nachwuchs wenig Ruhm und Ehre. Torsten Lieberknecht (ein WM-Spiel), Frank Schmidt (zwei Einsätze) & Co. scheiterten an Uruguay und Ghana und schieden mit nur einem Sieg gegen Portugal bereits nach der Vorrunde aus. U20-Weltmeister wurde Brasilien.
Geblieben ist jedoch eine Fußball-Freundschaft, die bis heute Bestand hat: "Wir haben damals eine schöne Zeit in Australien verbracht", schätzt Torsten Lieberknecht auch jetzt noch die Erlebnisse in Down Under. "Nicht super erfolgreich, aber schön war`s." So soll`s bleiben. In der Erinnerung und in der Gegenwart..