Heimsieg gegen Schalke

"Richtig stolz" - Freiburgs Wahnsinnslauf geht auch in Unterzahl weiter

Der SC Freiburg bleibt in der Bundesliga das Team der Stunde. Nach dem Spiel gegen den FC Schalke 04 spricht Trainer Julian Schuster über den "größten Trumpf" im Breisgau.

Teilen

Stand

Von Autor/in Michi Glang

Nach dem Schlusspfiff hallten "Spitzenreiter, Spitzenreiter"-Sprechchöre durch die Freiburger Arena. In der Tat: Nach den Unentschieden der Konkurrenz grüßt der SC Freiburg nach dem 2:1 (1:1) gegen Aufsteiger Schalke 04 erneut von der Tabellenspitze. Maximilian Eggestein (10. Minute) und Keisuke Goto (85.) schossen die Mannschaft von Trainer Julian Schuster an die Spitze, Yuito Suzuki (64.) flog mit Gelb-Rot vom Platz. Die Schalker schlugen zwischenzeitlich durch das erste Bundesligator von Adrian Gantenbein (30.) zurück.

Freiburg als Tabellenführer, wie fühlt sich das an? "Sehr, sehr gut", sagte Derry Scherhant nach dem Spiel im Sportschau-Interview. "Wir wissen aber, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Also hoffentlich nicht, aber man darf sich nicht zu früh freuen. Wir müssen weiter Gas geben." Die Freiburger spielten gegen die defensivstarken Schalker nach einer guten, dominanten ersten Halbzeit zwar nicht die Sterne vom Himmel, feierten aber trotzdem den siebten Sieg im achten Pflichtspiel. Nur beim 2:2 in Frankfurt vor der langen Länderspielpause war das Schuster-Team nicht als Gewinner vom Feld gegangen.

Joker stellen Freiburgs Sieg sicher

Gegen Schalke zahlte sich erneut der ausgeglichene Kader der Breisgauer aus. Nachdem Suzuki vom Platz geflogen war, igelten sich die Gastgeber nicht etwa ein, sondern versuchten weiter nach vorne zu spielen. Dass Schuster mit Vincenzo Grifo und Goto die Protagonisten des Siegtreffers von der Bank gebracht hatte, war Ausdruck der starken Breite im Aufgebot des Sport-Clubs. Flanke Grifo, Kopfball Goto, fertig ist der Heimsieg. Vor allem der Assistgeber kassierte viel Lob für die Vorarbeit. "Eine tolle Flanke", hatte Scherhant gesehen. "Wir wissen, was wir an ihm und seinem Füßchen haben", ergänzte Eggestein. "So eine Flanke wird er wahrscheinlich auch noch mit 60 bringen."

"Das ist unser größter Trumpf, diese Kabine. Die Jungs, die eben nicht von Anfang an spielen, wie die das tragen. Heute sind viele Kameras da. Aber es würde sich auch mal lohnen, beim Training dabei zu sein und zu sehen, wie diese Jungs sich verhalten", sagte Schuster über den Teamgeist bei den Freiburgern. "Die Jungs, die heute reingekommen sind, haben den anderen nochmal richtig viel Energie geschenkt. Es ist unsere Aufgabe als Verantwortliche, diesen Trumpf zu bewahren."

SC-Trainer Schuster "richtig stolz" auf das Team

Wo andere Teams in Unterzahl passiv und destruktiv werden, zog der Sport-Club sein Spiel mit frischer Energie von der Bank durch. Man kann durchaus sagen: im Stile einer Spitzenmannschaft. Dabei waren die Schalker bereits vor dem Platzverweis gut aus der Kabine gekommen, wie Scherhant feststellte: "Wir wussten, dass sie ihr Herz auf dem Platz lassen und alles geben. Aber wir haben dagegengehalten und zum Glück hat es funktioniert." Das Kollektiv gab einmal mehr den Ausschlag zugunsten des Sport-Clubs.

So sah das auch Eggestein, der als Man of the Match ausgezeichnet worden war. Stolz auf die persönliche Auszeichnung verspürte er nicht. "Das ist nicht so wichtig. Aber dass wir es nach der Roten Karte noch erzwungen haben, da bin ich schon stolz drauf", sagte der 29-Jährige. Paradoxerweise schien der Platzverweis den Gastgebern eher zu helfen als zu schaden. "Fußballerisch war es vielleicht keine Top-Leistung, aber kämpferisch war es schon sehr gut", stellte Eggestein zufrieden fest. "Das ist das, was man erwarten kann. Und das haben wir gebracht."

"Natürlich darf das Yuito nicht passieren, das war eine unnötige Gelb-Rote Karte. Aber ich bin richtig stolz und ein großes Kompliment an die Jungs, wie sie das in Unterzahl ausspielen", fand Schuster lobende Worte für sein Team. Auch für die Phase wollte nach der Pause keine Kritik aussprechen, sondern deutete eine Qualität daraus: "Wir haben davon gesprochen, dass es in diesem Spiel Phasen geben wird, wo wir nicht diese Kontrolle haben", sagte Schuster. "Dann ist es wichtig, diese emotionale Balance und Kontrolle zu wahren." Umso höher rechnete der Coach seinen Schützlingen an, "weiter mutig gewesen zu sein und gepresst" zu haben.

SC Freiburg auf dem Weg zur Spitzenmannschaft?

Das Gesamtpaket der Freiburger in dieser Saison beeindruckt: spielerische Klasse gepaart mit maximalem Willen und defensiver Ordnung. Sind die Breisgauer womöglich schon dauerhaft ein Kandidat für die Top 5 der Bundesliga? "Ich werde jetzt sicher hier kein Ziel ausgeben. Wir versuchen einfach jedes Spiel zu gewinnen. Aber natürlich haben wir Qualität im Kader", sagte Neu-Nationalspieler Scherhant. "Wir wissen, dass es das wahrscheinlich nicht so bleiben wird, aber für den Moment ist es schön", sagte Eggestein zum erneuten Sprung an die Tabellenspitze.

Am kommenden Donnerstag sind die Freiburger erneut auf internationalem Parkett gefordert. Dann empfängt der Sport-Club am ersten Spieltag der Conference League den tschechischen Club FK Jablonec (21 Uhr). Drei Tage später gastiert das Schuster-Team in der Bundesliga zum Spitzenspiel bei Bayer Leverkusen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Michi Glang
Michi Glang