Ruhig und beschaulich geht es im Breisgau zu. Das allerdings gilt nicht mehr, wenn beim SC Freiburg Fußball gespielt wird. Dann brennt es auf dem Platz. Das bewiesen nicht zuletzt Philipp Treu und Derry Scherhant, die in der XXL-Länderspielpause mächtig Eigenwerbung bei Bundestrainer Jürgen Klopp betrieben.
Mit Yannik Engelhardt und Max Rosenfelder standen zwei weitere Freiburger im Aufgebot des DFB-Teams. Es ist Ausdruck einer Entwicklung, die im Breisgau seit dem Wiederaufstieg 2016 nur eine Richtung kennt: nach oben. Und zwar nicht wie eine Rakete steil nach oben, sondern kontinuierlich und jedes Jahr ein bisschen. Mit diesem gesunden Wachstum gehört der Sport-Club mittlerweile zum festen Kandidatenkreis für einen Platz im internationalen Geschäft.
SC Freiburg - ein Millionen-Club im besten Sinne
Auch am Donnerstagabend wird es wieder Grund zur Freude geben. "Wir werden einen Umsatzrekord und auch ein mehr als erfreuliches Jahresergebnis bekanntgeben", hatte Finanz-Vorstand Oliver Leki bereits im August gesagt. Seit Jahren wächst der Sport-Club finanziell, mittlerweile verfügt der Club über ein Eigenkapital in dreistelliger Millionenhöhe. Selbst erwirtschaftet, wie Leki betont.
Finanziell läuft es also prima im Breisgau. Und auch sportlich verläuft die Entwicklung seit Jahren positiv. Zunächst unter Christian Streich, seit 2024 mit dem Cheftrainer Julian Schuster. Wer nach dem Abgang des Kult-Trainers vor zwei Jahren gedacht hatte, dass es bei den Freiburgern zu einem Bruch kommen könnte, wurde aus zwei Gründen eines Besseren belehrt.
Top-Trainer und Top-Kader
Zum einen übernahm mit Schuster ganz offensichtlich ein Trainer, der sein Handwerk versteht und sowohl intern als auch extern geschickt kommuniziert. Der Ex-Profi, der mit einigen aktuellen Kickern noch selbst auf dem Platz gestanden hatte, spricht die Sprache der Spieler und ist gleichzeitig absolut akzeptierte Führungsfigur.
Zum anderen kann der 41-Jährige dabei mittlerweile auf einen Kader bauen, der auf sämtlichen Positionen doppelt besetzt ist, ohne groß an Qualität einzubüßen, wenn mal Spieler B statt A ran darf. Schuster ist es zudem gelungen, Profis wie Igor Matanovic oder Derry Scherhant weiterzuentwickeln. Der Generationswechsel geht dabei geräuschlos vonstatten. Erfahrene Spieler wie Christian Günter oder Vincenzo Grifo haben zuletzt weniger Spielzeit bekommen, weil die junge Generation Druck macht. Dennoch haben die "Alten Helden" weiter einen großen Stellenwert. Zumal beim Kampf in drei Wettbewerben alle Kadermitglieder gebraucht werden.
Ein wenig Träumerei muss erlaubt sein beim SC Freiburg
Entwickeln ist ohnehin ein zentraler Baustein im Erfolgsmodell des SC Freiburg. Denn neben einer umsichtigen Kaderplanung baut der Club immer wieder Talente aus der eigenen Fußballschule ein. Diese genießt einen hervorragenden Ruf und feierte zuletzt 25-jähriges Jubiläum. Neun Spieler aus dem Kader des Sport-Clubs sind ehemalige "Fußballschüler". Eine Erfolgsgeschichte, von der mittlerweile auch das DFB-Team profitiert.
Die sportliche Reise des Sport-Clubs hat in den letzten Jahren viele Highlights geboten. Einen Einzug in die Finals des DFB-Pokals und der Europa League können so viele andere Vereine nicht bieten. In der aktuellen Saison stehen die Freiburger auf Rang drei der Bundesliga, zogen in die Conference League ein und stehen in der zweiten Runde des Pokals - ein fast perfekter Saisonstart.
Wenn man sich die Entwicklung der Breisgauer anschaut, muss man zu dem Schluss kommen: Der Sport-Club gehört längst zu den großen Klubs in Deutschland - sportlich und finanziell. Und auch, wenn Bodenständigkeit im Breisgau zu den Grundtugenden gehört, muss den Fans ein wenig Träumerei gestattet sein. Schließlich wird es mit jedem Jahr schwieriger werden, in der Bundesliga vier Klubs zu finden, die noch besser sind und in die Champions League einziehen.