Es ist ein bekanntes Phänomen im Fußball, dass die Offensivkräfte, die Edeltechniker und Goalgetter, besondere Aufmerksam genießen, während die Defensivspezialisten, die Wadenbeißer und Zweikampfmonster, selten im Rampenlicht stehen. So war das auch nach dem 1:0-Sieg des VfB Stuttgart gegen RB Leipzig.
Deniz Undav erzielte den Siegtreffer, sein 16. Saisontor, wurde als "Man of the Match" ausgezeichnet und unter anderem von seinem Trainer Sebastian Hoeneß hymnisch für seine Einsatzbereitschaft gelobt. "Heute ist er für uns der entscheidende Mann. Er hat wieder 90 Minuten gespielt, bis zum Schluss gefighted wie ein Löwe." Überhaupt bestimmt der Name Deniz Undav die Diskussionen rund um den VfB Stuttgart. Undav ist der beste deutsche Torjäger. Ob er zur Weltmeisterschaft fahren darf oder nicht ist für viele zum Politikum geworden.
Ramon Hendriks kam als No-Name zum VfB
Während Undav strahlt, schuftet etwas weiter hinten auf dem Rasen Ramon Hendriks. 24 Jahre alt, Niederländer, im Juli 2024 als No-Name von Feyenoord Rotterdam zum damaligen Vizemeister VfB Stuttgart gewechselt. Beim Traditionsklub aus Holland trat er wenig in Erscheinung, wurde an Vitesse Arnheim ausgeliehen. VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth überwies für ihn rund 700.000 Euro, was in der heutigen Fußball-Welt als Kleingeld bezeichnet werden darf. Für Hendriks war im Stuttgarter Ensemble eine Nebenrolle vorgesehen, an ihm haftete zunächst das Fragezeichen, ob er die Klasse haben würde, in der Bundesliga mitzuspielen.
Hendriks ist zur Stammkraft aufgestiegen
Eindrucksvoll hat er diese Rolle angenommen und ist auf der linken Abwehrseite und in der Mitte erst zum verlässlichen und geschätzten Lückenfüller, danach zum Hauptdarsteller aufgestiegen. In der laufenden Bundesliga-Saison stand er in 23 von 26 Spielen auf dem Rasen und zeigte nahezu ausnahmslos gute Leistungen. Der VfB selbst hat ihn nach dem Spiel gegen RB als "RaMONSTER" getauft, was angesichts seines Willens, seiner Statur (1,89 Meter groß) und seiner Geschwindigkeit keine Übertreibung ist. Mit 35,07 Kilometer pro Stunde war er der schnellste Spieler auf dem Feld, schneller sogar als sein hochgelobter Gegenspieler Yan Diomande. Der 19-jährige Flügelstürmer ist mit zehn Bundesliga-Toren und sechs Vorlagen momentan einer der Fußballer, denen in der Liga am meisten Beachtung geschenkt wird.
Von Diomande war Dank Hendriks wenig zu sehen
Doch gegen den VfB waren Diomandes Dribbelkünste nur in der Anfangsphase zu bewundern, danach hatte Hendriks ihn im Griff, lief ihm mit 19 Sprints den Rang ab und gewann insgesamt 60 Prozent seiner Zweikämpfe. Klar, Undav erzielte das entscheidende Tor, aber ohne Hendriks Abwehrleistung hätte der VfB das Topspiel wohl nicht gewonnen. "Gemeinsam haben wir uns in jeden Zweikampf hereingeworfen, ich bin stolz auf das gesamte Team", sagte Hendriks hinterher.
Rasante Entwicklung Immer noch "unter dem Radar"? Das gibt Ramon Hendriks dem Spiel des VfB Stuttgart
Ramon Hendriks hat in seinen rund eineinhalb Jahren beim VfB Stuttgart eine steile Entwicklung hingelegt. Der Niederländer gehört bei Sebastian Hoeneß zu den "Unverzichtbaren".
Eine typische Aussage für einen Spieler, der nicht mit großem Getöse, sondern mit getimten Grätschen auffällt. Vereine in Europa haben schon Interesse angemeldet, aber der VfB wird alles tun, um den bis 2028 laufenden Vertrag von Hendriks möglichst rasch zu verlängern.