An der Donau weht ein neuer Wind: Mit ruhigen Worten aber klarer Kante übernimmt der erfahrene Alois Schwartz den SSV Ulm 1846 Fußball im Tabellenkeller der Fußball-Regionalliga. Im SWR-Interview spricht er am Tag seiner offiziellen Vorstellung offen über den Kampf um den Klassenerhalt - und darüber, was sich in der Mannschaft, im Kopf und in der Kabine ändern muss, damit dieser gelingt.
Zurück zu den Basics: Nur Punkte zählen jetzt
Und wieder grüßt ein neuer Trainer. Das ist man in Ulm aus der jüngeren Vergangenheit schon gewohnt. Was diesmal anders ist: Alois Schwartz ist gleichzeitig Sportdirektor und hat damit alle Zügel in der Hand. Diese will er jetzt anziehen, um mit dem SSV aus dem Tabellenkeller zu klettern.
Die Ausgangslage beim SSV Ulm 1846 Fußball ist klar. Während Schwartz' Vorgänger Daniel Jungwirth vor gut zwei Monaten im Interview noch vom Ziel "Top fünf“ gesprochen hatte, wurde die Richtung nun klar korrigiert. Es gehe darum, "die Klasse zu halten, egal wie". Da sind sich der neue Cheftrainer und Ulms Aufsichtsratsvorsitzender Philipp Utz einig. "Es wird ein langer Weg, es wird ein harter Weg, da brauchen wir langen Atem. Aber ich bin sehr zuversichtlich", sagte Schwartz, der sich beim Amtsantritt fokussiert zeigte.
Harte Arbeit bedeutet für ihn vor allem: Basics. Der SSV Ulm hatte zuletzt eher auf Ballbesitz und spielerische Lösungen gesetzt, steht nun aber weit unten in der Tabelle. Für Schwartz ist daher klar: Erst müssen die Köpfe frei werden. Statt komplexer taktischer Vorgaben brauche es Grundlagen wie Laufbereitschaft, Mentalität, sich gegenseitig zu helfen und als echte Mannschaft aufzutreten. Für ihn ist eine Mannschaft "eine Einheit mit einer Führungscrew, die ein Ziel hat. Das Ziel heißt, Spiele zu gewinnen - das ist kurzfristig. Und die Liga zu halten - das ist langfristig.“
Es geht um die A-Note, die B-Note ist erstmal egal
Auch wenn Fußball kein Eiskunstlaufen ist, unterscheidet Schwartz strikt zwischen A-Note und B-Note. Die B-Note beschreibt die Spielweise: "Die spielen aber toll, die spielen aber schön. Noch mal ein Doppelpass und schöne Seitenverlagerung", sei zwar Teil des Spiels, bringe aber erstmal nichts. Die A-Note dagegen ist für ihn das blanke Ergebnis. Das Einzige, das jetzt zähle, seien Ergebnisse.
"Die Tabelle sagt gerade fünf Punkte. Da steht nicht drin, wie viele Pässe ich gespielt habe oder wie schön es aussah, das sind nur nackte Zahlen. Die müssen erstmal stimmen, bevor wir über die B-Note sprechen.“ Damit die A-Note endlich passt, müsse die Mannschaft Selbstvertrauen sammeln, wieder an sich und aneinander glauben.
"Warm anziehen" und "Arsch aufreißen"
Der Trainer findet deutliche Worte für die Einstellung seiner Spieler: Sie müssten "sich die Hosen warm anziehen" und "den Arsch aufreißen". Wer im Tabellenkeller steht, kennt die Unterschiede zur Tabellenspitze. Oben laufe vieles wie von selbst, ein Ball an den Pfosten gehe eher hinein. Unten gehe derselbe Ball eben nicht rein. Die Konsequenz für den SSV Ulm: "Deswegen müssen wir hart arbeiten. Das heißt, sich warm anziehen, alles abliefern." Dann werde der Tüchtige auf Dauer auch das Glück zurückkommen.
Und was passiert, wenn sich in der Kabine einer nicht "warm anzieht“? Schwartz lässt durchblicken, dass er unterschiedliche Seiten zeigen kann: "Kommt drauf an. Ich kann alles, so, so oder so.“ Grundsätzlich gelte für ihn: "Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Aber die müssen erst mal geben.“
Training mit dem Schwiegersohn
Eine Besonderheit gibt es für den neuen Coach. In seinem Team spielt mit Marcel Seegert sein Schwiegersohn. Für den erfahrenen Fußballlehrer spielt das keinerlei Rolle: "Der muss sich die Hosen genauso warm anziehen, wie die anderen auch", sagte Schwartz. Seegert müsse seine Leitung ebenso bringen.
Alois Schwartz will an der Donau nach vorne schauen. Er will dieses Team, das nach zehn Ligaspielen immer noch kein Spiel gewonnen hat, wieder zu einer Siegertruppe machen. Die erste Chance dazu haben die Spatzen am Samstag, im Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von Eintracht Frankfurt.