Drei Bundesliga-Spiele in Folge hat der 1. FSV Mainz 05 zuletzt gewonnen. Nach dem 2:0 gegen den FC Augsburg durch zwei verwandelte Elfmeter von Nadiem Amiri gelang den 05ern nach einer gefühlten Ewigkeit wieder der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz.
Wenn es nach Trainer Urs Fischer geht, soll diese Serie auch bei Borussia Dortmund fortgesetzt werden, wo die Mainzer am Freitagabend antreten (20:30 Uhr im Liveticker und Audiostream auf sportschau.de). "Du brauchst eine Kompaktheit und musst gut organisiert sein. Du darfst ihnen nicht zu viele Räume lassen", sagte der Trainer der Pressekonferenz, der sich jedoch keineswegs nur auf die Defensive verlassen will. "Aber es gibt ja auch noch ein Spiel ohne Ball. Ich glaube schon, dass du sehr mutig in Dortmund auftreten und den Ball behaupten musst."
Fischer mit der richtigen Balance
Dass das Spiel parallel zur traditionellen TV-Fastnachtssitzung "Mainz bleibt Mainz" angesetzt ist, wird Fischer - anders als mancher Fan der Mainzer - gewohnt stoisch zur Kenntnis genommen haben. Wem stoisch zu negativ klingt, der kann sich vielleicht mit pragmatisch anfreunden.
Denn Pragmatismus ist das, was Fischer seit seiner Amtsübernahme im Dezember auszeichnet. Der Schweizer markiert nach Siegen wie dem 2:1-Überraschungscoup in Leipzig weder den dicken Max, noch malt er nach Rückschlägen wie der tristen Nullnummer gegen den FC St. Pauli oder der Niederlage in Köln alles schwarz.
Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, beschäftigen den Trainer, der am 20. Februar seinen 60. Geburtstag feiert, nicht mehr allzu groß. Nach dem 2:0 gegen Augsburg war Fischer gefragt worden, ob er die Szene, die zum vieldiskutierten ersten Elfmeter für Mainz geführt hatte, noch einmal angeschaut habe. "Der Schiedsrichter hat entschieden, also muss ich mir die Bilder nicht anschauen. Spiel ist vorbei", sagte der Schweizer Coach. Nicht mehr zu ändern, also weiter geht's.
Fußball-Bundesliga Mainz 05: Sheraldo Becker nach "sehr schönem" Debüt voll fokussiert
Sheraldo Becker hat ein erfolgreiches Debüt für Mainz 05 gefeiert. Im Interview mit SWR Sport spricht er über seinen Wechsel, Ziele und darüber, dass Rosenmontag völliges Neuland ist.
Fischers starke Zwischenbilanz bei Mainz 05
Bei aller Routine und Erfahrung, die von der Trainerbank ausgestrahlt wird, geht es auf dem Platz bei den 05ern dafür umso hitziger zur Sache. Die bewusste Entscheidung der Mainzer, keinen "Bo Henriksen 2.0" zu verpflichten, hat paradoxerweise dazu geführt, dass die Mannschaft statt verunsichert nun voller Selbstvertrauen und wie angezündet auftritt.
Fischers Unaufgeregtheit in seinem ganzen Wirken hat der Mainzer Mannschaft sichtlich gut getan. Mit 15 Punkten und 14:9 Toren aus den letzten acht Spielen haben die 05er einen Zwischensprint hingelegt, der für eine deutlich bessere Ausgangslage im Kampf um den Klassenerhalt sorgt.
Dabei setzt auch Fischer auf Erfahrung: Gegen Augsburg schickt er die älteste Startelf aufs Feld, die jemals für Mainz 05 aufgelaufen ist. Wie die "Bild"-Zeitung zuletzt ausrechnete, könnte in Dortmund mit wenigen Umstellungen sogar die älteste Bundesliga-Startelf überhaupt seit der Gründung im Jahr 1963 auflaufen.
Mainzer Neuzugänge tun den 05ern gut
Zugegeben: Der Mainzer Aufschwung liegt nicht alleine am neuen Trainer. So stellten Sportvorstand Christian Heidel und Sportdirektor Niko Bungert dem Schweizer auch vier namhafte Neuzugänge zur Verfügung, die allesamt als Verstärkung angesehen werden dürfen. Stefan Posch, Phillip Tietz und Silas haben das schon gezeigt, Sheraldo Becker bei seinem Debüt gegen den FCA zumindest angedeutet.
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Mit dem Rückenwind der letzten Spiele wollen die Mainzer jetzt auch beim BVB - dem einzigen Konkurrenten des FC Bayern um die Meisterschaft - punkten. Fischer, der Statements auf Pressekonferenzen und Antworten in Interviews gerne mit den Worten "Ja, logisch" einleitet, traut seiner Mannschaft eine Menge zu, warnt aber auch vor zu früher Euphorie: "Ich glaube schon, dass dieses Selbstvertrauen und Selbstverständnis zurückgekommen ist aufgrund der Resultate, die wir erzielt haben. Da entsteht etwas im Kopf beim Spieler, wenn du dir auf einmal Sachen zutraust, wo du vielleicht vorher etwas zögerlich warst. Aber: Es ist noch nichts erreicht." Klingt logisch, oder?