Nadiem Amiri war im Partymodus. Zweimal stand der Spielmacher für Mainz 05 am Elfmeterpunkt. Zweimal hämmerte er den Ball in die Maschen. Es waren die Treffer zum 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg und der Auftakt der Narren zur großen Fastnachtssause. Denn mit seinem Elfmeter-Doppelpack schoss Amiri die Mainzer zu nun 21 Punkten und vom Relegationsplatz auf Platz 13.
Wilde Elfmeter-Diskussion
So sicher, wie Nadiem Amiri seine Elfer verwandelte, so unsicher war sich Schiedsrichter Patrick Ittrich, ob er den ersten Strafstoß überhaupt geben sollte. Der Mainzer Stefan Bell fiel spektakulär. Doch das Foul von Augsburgs Elvis Rexhbecaj ließ sich mit bloßem Auge kaum ausmachen. Auch in der Zeitlupe sah es eher nach einem Luftloch aus. Fakt ist aber auch: Falls es eine Berührung gab, gibt es an dem Elfmeter nichts zu rütteln.
"Ich habe es im Spiel selbst nicht mal wahrgenommen", sagte der Übeltäter im Interview mit SWR Sport. "Und dann pfeift der halt ganz schnell, als hätte ich ihn glasklar getroffen. Dann hofft man natürlich, dass der Videobeweis einschreitet."
Mainz-05-Trainer Urs Fischer pocht auf "Wettkampfglück"
Nach knapp drei Minuten ausgiebigem Video-Studium im Kölner Keller blieb Ittrich bei seiner Entscheidung. "Wenn es so lange dauert, kann es ja nicht so klar gewesen sein", ärgerte sich Rexhbecaj. "Und wenn du dann wirklich nur danach suchst, findest du wahrscheinlich irgendwo was. Wenn du heranzoomst, heranzoomst und nochmal heranzoomst, dann sieht man vielleicht eine minimale Berührung. Aber wenn das jetzt Elfmeter gibt, dann wird es jedes Wochenende spaßig."
Mainz-05-Trainer Urs Fischer blieb hingegen gelassen: "Der Schiedsrichter hat entschieden, da brauche ich mir die Bilder nicht anschauen. Das Spiel ist vorbei, was soll ich darüber diskutieren. Aber Wettkampfglück und Spielglück brauchst du natürlich. Aber ich glaube, dass man etwas dafür tun muss. Geschenkt bekommst du so was nicht."
Schiedsrichter Patrick Ittrich: "Keine Zweifel"
Schiedsrichter Patrick Ittrich schilderte direkt nach Spielende seine Perspektive: "Ich stand auf dem Platz und habe gesehen, dass der Spieler Bell ganz klar den Ball spielt und der Spieler Rexhbecaj voll durchzieht und es zu einem ganz klaren Kontakt am Fuß kommt. Und ich höre ihn auch. Auch die Spieler drumherum haben den 'Knall' wahrgenommen. Das war für mich dann glasklar ein Elfmeter, ich habe da gar keine Zweifel gehabt."
Der Video-Assistent im Kölner Keller war in dieser Situation für Ittrich keine große Hilfe: "Sie konnten es weder widerlegen noch belegen". Im Zweifel galt daher die auf dem Platz getroffene Entscheidung. Erst als er sich selbst die Bilder später angeschaut hatte, kam er zu dem Schluss: "Ist eher dünn. Im Nachhinein muss man wahrscheinlich sogar sagen, dass es eher kein Elfmeter ist."
Auch am Tag danach war Ittrich nicht glücklich mit seiner Strafstoß-Entscheidung. "Als ich die Bilder angesehen habe, ist mir schnell bewusst geworden, dass sie nicht zu dem passen, was ich wahrgenommen habe. Da haben wir keine Argumente mehr. Natürlich bin ich überhaupt nicht zufrieden damit", sagte der Referee im "Doppelpass" bei "Sport1" und ergänzte: "Ich kann den Frust des FC Augsburg verstehen."
Nadiem Amiri schießt Mainz 05 ins Glück
Beim zweiten Elfmeter gab es dann aber nichts zu diskutieren. Amiri kochte Anton Kade ab. Der 22-Jährige foulte Amiri im Strafraum. Da gab es kein Zögern, da gab es keinen Videobeweis - da gab es nur Amiri vom Punkt, und das ist in dieser Saison eine sichere Sache. "Der Elfmeter kam zum richtigen Zeitpunkt", sagte Trainer Urs Fischer.
Daniel Batz rettet Mainz 05 den Sieg
Daniel Batz hatte derweil mehr zu tun, als ihm lieb sein konnte. "Augsburg war ein sehr unangenehmer Gegner", sagte der Keeper. Zwar war im Mainzer Strafraum für Augsburg nur wenig zu holen. Doch Alexis Claude-Maurice und Mert Kömür bereiteten der Mainzer Abwehr um Stefan Posch, Stefan Bell und Dominik Kohr immer wieder größere Sorgen.
Der 35-Jährige Torwart war bei den Distanzschüssen von Claude-Maurice (10. & 19.) und den zwei Durchbrüchen von Kömür (26. & 77.) zur Stelle. Sein einziger kleiner Blackout, als er Rodrigo Ribeiro im eigenen Strafraum anschoss, blieb ohne Folgen (61.). "So einen Torwart brauchst du immer", sagte Fischer. "Er war hellwach, und wenn es ihn gebraucht hat, war er da." Batz sagte lapidar: "Aktuell läuft es ganz gut."
Mainz 05 will nun den BVB stolpern lassen
Wie gut es läuft, kann Mainz 05 am kommenden Freitag bei Borussia Dortmund zeigen (20:30 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de). Nach dem Auswärtssieg vor einer Woche in Leipzig wollen die Rheinhessen nun auch den Tabellenzweiten stolpern lassen. "Wir fahren nach Dortmund, um da etwas zu holen", sagte Keeper Batz selbstbewusst.
"Das muss das Ziel sein", ergänzte sein Coach, "sonst wäre es besser, wir bleiben in Mainz". Die Details erklärte er jedoch zu einem Nächste-Woche-Problem." Jetzt genießen wir erstmal den Sieg und werden uns der Aufgabe Dortmund ab Dienstag annehmen."