Meinung

Begabung statt Erfahrung - der eingeschlagene Weg des Karlsruher SC ist mutig, aber naiv

Nach der 0:2-Niederlage beim FC St. Pauli und sechs Spielen ohne Sieg stürzt der Karlsruher SC in der 2. Liga auf einen direkten Abstiegsplatz ab. Für SWR-Sportredakteur Daniel Günther ist das nicht nur eine sportliche Momentaufnahme, sondern auch das Resultat einer riskanten Kaderplanung.

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Von Autor/in Daniel Günther

Die Spieler des KSC haderten zurecht nach der Pleite beim FC Pauli. Ein regulärer Treffer zum 1:0 wurde ihnen aberkannt und höchstwahrscheinlich wäre das Spiel bei einer eigenen Führung anders verlaufen. Doch so etwas passiert nun mal immer wieder in einer Saison und hat mit der sportlichen Talfahrt der Badener auch nichts zu tun.

Die Spieler des Karlsruher SC sind nach der Niederlage beim FC St. Pauli enttäuscht

Gastspiel beim FC St. Pauli "Reguläres Tor" aberkannt, nächste Pleite und Horror-Zahlen für den Karlsruher SC

Die sportliche Talfahrt des Karlsruher SC in der 2. Liga hält an. Beim FC St. Pauli verlieren die Badener und ärgern sich vor allem über einen aberkannten Treffer.

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Spieler mit der Erfahrung von mehr als 1.000 Zweitligaspielen sind weg

Der Umbruch im Sommer war gewaltig. Es endete die Ära des Trainers Christian Eichner, der die 2. Liga so gut kannte wie kaum ein anderer seiner Kollegen. Mit ihm gingen erfahrene Spieler wie Fabian Schleusener, Nicolai Rapp oder Dzenis Burnic von Bord. Addiert man die Zweitligaeinsätze aller Akteure, die den KSC verlassen haben, kommt eine Zahl von mehr als 1.000 Spielen zusammen. Ein Riesenpfund an Erfahrung also, das den Badenern in der neuen Spielzeit fehlt.

Alle Neuzugänge ohne Zweitliga-Erfahrung

Sicherlich ist so ein Umbruch auch mal nötig. Auch nach sieben Jahren mit Christian Eichner frische Impulse durch einen neuen Trainer setzen zu wollen, ist nachvollziehbar. Dabei aber komplett auf Zweitligaerfahrung zu verzichten, ist hochriskant. Stattdessen setzte der KSC auf Spieler mit Perspektive wie Kevin Wiethaup, Noel Eichinger oder Tim Civeja. Die Erfahrung jedoch zeigt, dass selbst gestandene Bundesligaspieler sich in der 2. Liga durchaus schwer tun.

Christian Eichner hat während seiner Amtszeit in Karlsruhe immer wieder betont, worauf es in dieser knallharten 2. Liga ankommt. Nämlich vor allem auf Robustheit, Widerstandsfähigkeit und Kompaktheit. Dem Wunsch der Vereinsführung, mehr auf Talente zu setzen, kam Eichner nur bedingt nach, weil er wusste, wie schnell diese in dieser knüppelharten Liga an ihre Grenzen stoßen würden.

Maximilian Senft musste die 2. Bundesliga erst kennenlernen

Sein Nachfolger Maximilian Senft kam mit vielen guten Ideen und viel Energie nach Karlsruhe. Auch für ihn war die 2. Liga völliges Neuland.

Der Start war mit vier Punkten aus den ersten zwei Spielen vielversprechend. Doch dann stieß die Mannschaft schnell an ihre Grenzen. Bei der Heimniederlage gegen Nürnberg kam der KSC auf gerade einmal 20 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit und war hoffnungslos unterlegen. Dem Team fehlt es spürbar an Durchschlagskraft und Stabilität. Kommt dann noch hinzu, dass ein Unterschiedsspieler wie Marvin Wanitzek schwächelt, reicht es nicht mehr.

Noch ist der Weg des KSC nicht gescheitert

Hinter der Personalpolitik des Clubs steckt die Idee, junge Talente aufzubauen und dann im Idealfall gewinnbringend zu verkaufen. Junge Spieler sollen in der 2. Liga spielen und die Möglichkeit bekommen, sich zu entwickeln. Es ist halt eine Frage der Dosis. Aktuell halte ich den eingeschlagenen Weg für etwas naiv.

Ich glaube, dass im Kader des Karlsruher SC ganz sicher genügend Qualität steckt, um in der 2. Liga zu bestehen. Aber die Mannschaft muss sich ganz schnell die Wettkampfhärte aneignen, die es in dieser Liga einfach braucht, sonst droht ein ungemütlicher Herbst.

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Daniel Günther