Bundesliga

Dieter Hoeneß: "Natürlich wird Sebastian irgendwann kein VfB-Trainer mehr sein"

Unter Trainer Sebastian Hoeneß hat sich der VfB Stuttgart phänomenal entwickelt. Sein Vater und Manager Dieter Hoeneß hat die Entwicklung verfolgt und zieht in SWR Sport eine Zwischenbilanz.

Teilen

Stand

Von Autor/in Michael Richmann

"Die Bayern spielen in einer anderen Liga", sagte der ehemalige Stuttgart- und Bayern-Spieler Dieter Hoeneß am Sonntagabend als Studiogast bei SWR Sport. Daher sei die deutliche Niederlage gegen den FC Bayern München am Samstag auch allenfalls "ärgerlich". "Der VfB hat nach anfänglichen Schwierigkeiten schon Augenhöhe erfahren - also sie sind wirklich fast gleichwertig gewesen und hätten das 1:1 verdient gehabt. Aber als Kane das 2:0 gemacht hat, war das Spiel gelaufen." Der VfB Stuttgart habe die Punkte jedoch nicht gegen die Bayern liegen lassen: "Noch viel ärgerlicher war die Niederlage in Hamburg. Die war vermeidbar - komplett vermeidbar."

Der VfB Stuttgart hat "Anschluss zur Spitzengruppe bekommen"

Dennoch hätte sich Dieter Hoeneß trotz seiner acht überaus erfolgreichen Jahre beim FC Bayern München gewünscht, dass die Bayern in Stuttgart stolpern: "Die Bayern werden eh Meister. Da hätten sie die Punkte auch hier lassen können." Der wichtigste Grund für den latenten Loyalitätskonflikt des 72-Jährigen sitzt auf der Bank des VfB Stuttgart: Sohnemann Sebastian Hoeneß. Der sei ihm dann doch näher.

Und so hat er die Entwicklung der Schwaben in den vergangenen Jahren mit Argusaugen verfolgt: "Der VfB hat sich im einstelligen Bereich etabliert. Vielleicht kann man schon sagen, dass er Anschluss zur Spitzengruppe bekommen hat", sagte Hoeneß, der nicht nur Vater sondern auch Manager des aktuellen VfB-Trainers ist. "Aber zu den ersten Vier ist noch ein bisschen Luft - zumal der VfB gezwungen war, in den vergangenen drei Jahren die besten Spieler aus wirtschaftlichen Gründen zu verkaufen."

Sebastian Hoeneß "hat ein Händchen für Mannschaften"

Dass aus Sebastian Hoeneß ein erfolgreicher Bundesliga-Trainer wird, habe Dieter Hoeneß schon bei dessen Zeit bei Bayern München II gesehen, als er die Mannschaft nicht nur in die 3. Liga, sondern dort auch gleich zur Meisterschaft geführt hat - mit Talenten wie Angelo Stiller, Jamal Musiala, Alphonso Davies und Josip Stanišić. "Er hat wirklich einen ganz neuen Fußball für Drittliga-Verhältnisse geprägt. Da war schon erkennbar, dass er einfach ein gutes Händchen für eine Mannschaft, für eine Spielerentwicklung und für eine Spielidee hat."

Dieses Händchen hatten ihm die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim auch in der Bundesliga zugetraut und warben ihn 2020 von Bayern München ab. Zunächst sah es nach einer erfolgreichen Zusammenarbeit aus. Nach einer Spielzeit auf Platz elf machte sich Hoffenheim augenscheinlich auf dem Weg in den Europapokal. Doch nach einer völlig missglückten Rückrunde mit neun sieglosen Liga-Spielen in Serie musste Hoeneß gehen.

Hoeneß' Erfolge machen ihn zu einem begehrten Mann

Für den VfB Stuttgart war das jedoch ein Glücksfall: Nachdem Pellegrino Matarazzo, Michael Wimmer (interimsweise) und Bruno Labbadia vergeblich versuchten, den Absturz der Schwaben zu verhindern, gelang Hoeneß letztlich die Rettung in der Relegation. Es folgten die Vizemeisterschaft und der DFB-Pokalsieg.

Erfolge, die Sebastian Hoeneß zu einem begehrten Trainer machten. So galt er unter anderem als heißer Kandidat für die Nachfolge von Xabi Alonso bei Bayer 04 Leverkusen. Die Bayern haben angeblich ebenfalls an Sebastian Hoeneß gedacht, als sie 2024 einen Nachfolger für den scheidenden Thomas Tuchel suchten.

Wie lange bleibt Hoeneß noch beim VfB Stuttgart?

Vertraglich ist Sebastian Hoeneß bis 2028 an den VfB Stuttgart gebunden. Ein Wechsel sei im Moment ohnehin kein Thema: "Zum jetzigen Zeitpunkt macht es überhaupt keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen: Der Sebastian fühlt sich hier pudelwohl und ist gerade erst umgezogen, hat ein neues Domizil - also darüber verlieren wir im Moment keinen Gedanken."

Sebastian Hoeneß wird die Entwicklung des VfB Stuttgart also noch eine Weile vorantreiben. Es gebe auch keinen Karriere-Plan, "weil sich im Fußball nichts planen lässt". Und so sagt auch der Manager und Vater des Trainers: "Natürlich wird Sebastian irgendwann kein VfB-Trainer mehr sein. Und kann durchaus sein, dass er dann bei einem anderen Topclub ist." Stellt sich nur die Frage, wie weit sich der VfB Stuttgart bis dahin angenähert hat - an die Top Vier und den Überflieger FC Bayern München. Aber die spielen laut Hoeneß ja eh in einer anderen Liga.