Diant Ramaj hat sein Glück gefunden. Obwohl der 1. FC Heidenheim nach dem 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach auf dem letzten Tabellenplatz der Bundesliga festhängt. Aber für Diant Ramaj zählt, dass er in der Bundesliga spielt, als Nummer eins, und dass er sich Woche für Woche beweisen kann. Denn nach Jahren als Nummer zwei hinter Kevin Müller in Heidenheim und dann hinter Kevin Trapp bei Eintracht Frankfurt zog es Ramaj ins Ausland. Er machte 23 Spiele für Ajax Amsterdam in der niederländischen Eredivisie und, als Leihspieler von Borussia Dortmund, nochmal zwölf für den FC Kopenhagen in der dänischen Superliga. Nicht schlecht für einen 24-Jährigen.
Diant Ramaj erfüllt sich seinen Bundesliga-Traum mit Heidenheim
Doch eigentlich wollte er etwas anderes: "Ich bin ein Suchender, um in der Bundesliga irgendwann mal anzukommen. Das war für mich ein langer Weg. Es hat ja jeder seine eigene Geschichte, aber für mich war es dieser Weg, um am Ende in der Bundesliga sein zu dürfen, was mein großer Traum als kleiner Junge war, Und jetzt darf ich bei Heidenheim in der Bundesliga zwischen den Pfosten stehen", erzählt er in der TV-Sendung SWR Sport.
Die vielen Stationen haben Diant Ramaj geprägt: "Jede Station hat ihre eigene Geschichte und aus jeder dieser Geschichten ist irgendwas hängen geblieben. Sich im Ausland zu zu behaupten, ist das Schwierigste für mich gewesen - zum ersten Mal Englisch reden, auch außerhalb der Interviews in der Kabine, sich an neue Kulturen anzupassen. Aber ich glaube, ich habe das ganz gut gemeistert."
Wurzeln in Bad-Cannstatt
Die fußballerischen Wurzeln des gebürtigen Stuttgarters sind bei der SpVgg Cannstatt. Dort kickte Diant Ramaj als Kind täglich mit seinem Bruder Dijon und seinen Cousins. Dass der heutige Heidenheimer mal Torhüter werden würde, war damals nicht abzusehen. "Diant war als kleiner Junge immer offensiv. Er wollte Tore schießen, anstatt Tore zu verteidigen", erzählt sein älterer Bruder Dijon im Gespräch mit SWR Sport. "Das sieht man jetzt noch in seinem Spiel, weil er relativ offensiv spielt. Das hat ihn nie losgelassen. Er wollte immer Teil vom Spiel sein und nicht nur der Torwart, der hinten drin steht", erzählt Dijon Ramaj weiter.
Dion war auch derjenige, der Diant Ramaj zu dessen spielerischen Qualitäten getriezt hat: "Mein großer Bruder war mein großes Vorbild als kleiner Junge, ich habe immer zu ihm aufgeschaut und da habe ich die ersten Schritte auf dem Platz draußen gemacht."
Diant Ramaj hat aber nicht nur zu seinem Bruder aufgeschaut: "Meine Eltern haben mir beigebracht, in erste Linie Mensch zu sein. Immer auf dem Boden bleiben und nie vergessen, wo man herkommt. Das sind so die Punkte, die sie mir beigebracht haben und ich auch meinem Kleinen weitergeben möchte."
Erst Klassenerhalt, dann Nationalmannschaft?
Auch das hat geprägt. "Ich bin ein Arbeiter. Ich mag es da zu sein und für meine Position zu arbeiten und sich das alles zu erarbeiten." Das verbindet ihn mit mit seinem Club: "Heidenheim hat alles durch Zusammenhalt und harter Arbeit geschafft - mit wenig Infrastruktur, zumindest im Vergleich zum Rest der Bundesliga. Trotzdem haben wir es immer geschafft, da zu sein."
Und so hat er sich Anfang Oktober beim Auswärtsspiet gegen den VfB Stuttgart einen Traum erfüllt: Einmal im Leben in der Stuttgarter Arena spielen, "Auf der Tribüne habe ich immer geschaut. Damals war Sven Ulreich im Tor - auch so ein Vorbild von mir. Ich habe immer mal gesagt, irgendwann werde ich mal dort drin stehen. Jahrelang hat es gedauert, mit Ausland und allem. Von daher war es sicherlich ein sehr besonderer Moment für mich." Dass der Cannstatter mit dem FCH in seiner Heimat eine 0:1-Niederlage hinnehmen musste, dürfte die Erinnerung indes ein wenig trüben.
Ramaj will deutscher Nationalkeeper werden
Dennoch hat Ramaj in seinen 13 Bundesliga-Spielen (zwei davon für Eintracht Frankfurt) gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Ob er sich nach seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund, von denen er derzeit an Heidenheim ausgeliehen ist, erneut hinter Stammkeeper Gregor Kobel einreiht, scheint daher trotz seines bis Sommer 2029 datierten Vertrags offen. "Momentan versuche ich mich auf meinen Job und unser Ziel mit Heidenheim, nämlich den Klassenerhalt zu schaffen, fokussieren. Klar hat man so ein Auge auf die Zukunft, aber das ist momentan für mich kein Thema", sagt der Torwart, der insgesamt zehn Länderspiele für die deutschen Junioren absolviert hat, aber auch für den Kosovo auflaufen könnte. "Ein klares Ziel für mich ist, mit meinen Leistungen international zu spielen und dann auch in die Nationalmannschaft - die deutsche Nationalmannschaft - reinzukommen."
Doch auch das ist ein Zukunftsthema. Denn vorerst hat Diant Ramaj sein Glück ja gefunden.