DFB-Pokal

Lucky Punch im Skandalspiel: FCK siegt bei Waldhof Mannheim

Der SV Waldhof Mannheim und der 1. FC Kaiserslautern liefern sich einen echten Pokal-Fight - bis die Partie vor dem Abbruch steht. Am Ende jubelt der FCK spät.

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Stand

Von Autor/in Michi Glang

Der FCK hat sich in der ersten Runde des DFB-Pokals im Südwest-Derby bei Erzrivale und Drittligist Waldhof Mannheim mit 1:0 (0:0) nach Verlängerung durchgesetzt. Der eingewechselte Ibrahim Kanaté besorgte in der 120. Minute das Tor des Tages.

Die Brisanz des Spiels war schon vor dem Anpfiff zu spüren - und einige benahmen sich daneben. Aus dem Heimblock wurden Sitzschalen in den Fünfmeterraum von FCK-Keeper Julian Krahl geschleudert. Dann rollte der Ball - aber nur kurz. Bereits in der 3. Minute musste Schiedsrichter Robert Schröder die Begegnung unterbrechen, nachdem die FCK-Fans Pyrotechnik gezündet hatten und dichter Rauch durchs Carl-Benz-Stadion zog.

Waldhof hat die erste Chance gegen den FCK

Die Anfangsphase fiel dann unter die Kategorie "Abtasten". Mannheim überließ dem FCK den Ball, der um Ruhe im Spielaufbau bemüht war. Die erste gute Chance gehörte den Gastgebern: Julian Ulbricht steckte für Kushtrim Asallari durch, der wuchtig abschloss und Krahl zu einer ersten Parade zwang (12.).

Fünf Minuten später glichen die Roten Teufeln nach Chancen aus. Paul Joly brachte einen Diagonalball direkt in die Mitte, wo Marlon Ritter freistehend das Tor verfehlte. Kurz darauf zog der Kapitän einen Freistoß von der linken Seite direkt auf den Kasten, wo Waldhof-Keeper Thijmen Nijhuis im kurzen Eck zur Stelle war (19.).

Tazemetas Schuss landet am Pfosten

Der FCK war nun etwas besser im Spiel, aber die Mannheimer blieben gefährlich. Julian Rieckmann ließ Jan Elvedi im Strafraum stehen, seinen Abschluss aus zehn Metern konnten Joly und Krahl im Verbund in höchster Not klären (31.). Kurz vor der Pause kam dann der Zweitligist nochmal auf. Mergim Berisha bediente Startelf-Debütant Thierry Tazemeta im Zentrum, dessen Schuss aus elf Metern am Pfosten landete. Auch Nijhuis hatte da seine Finger noch mit im Spiel (40.). Letztlich ging es mit einem leistungsgerechten 0:0 in die Kabinen.

Mannheim kommt hellwach aus der Kabine

Der Anpfiff zum zweiten Durchgang verzögerte sich, weil erneut Feuerwerkskörper abgeschossen wurden - dieses Mal aus dem Block der Mannheimer. Die erste Gelegenheit gehörte wieder dem agilen Asallari, der sich am Strafraum durchsetzte, seinen Schlenzer aber ein wenig zu hoch ansetzte, nachdem er am Trikot gehalten worden war (47.). Dann kam mal richtig Feuer rein. Asallari ging gegen Ritter rustikal zu Werke, stocherte nach und sah die Gelbe Karte. Die aufkommende Rudelbildung erstickte Schiedsrichter Schröder dann aber im Keim (55.). Die Intensität in den Zweikämpfen nahm immer weiter zu. Dann wurde es mal wieder sportlich. Krahl verschätzte sich, nachdem ein Eckball abgewehrt und wieder hoch vors Tor gebracht wurde. Maximilian Thalhammer spitzelte die Kugel am FCK-Keeper vorbei, doch Jacob Rasmussen rettete in letzter Sekunde (61.).

Mannheim

Südwest-Derby im DFB-Pokal Raketen, Platzsturm, Unterbrechung: Eskalation bei Waldhof Mannheim gegen den FCK

Pyrotechnik, Unterbrechung und ein Platzsturm: Das Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern geriet beim Übergang in die Verlängerung außer Kontrolle.

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Die ganz großen Chancen waren auf beiden Seiten nicht dabei - bis zur 74. Minute. Der eingewechselte Mannheimer Goncalo Gregorio wurde am Strafraum angespielt, drehte sich und nagelte den Ball an den rechten Pfosten. Krahl wäre wohl chancenlos gewesen. In der Schlussphase hatten zwei Joker die Führung auf dem Fuß. Zunächst zwang Mannheims Vincent Thill Krahl mit seinem abgefälschten Schuss zu einer unkonventionellen Fußabwehr, den anschließenden Konter setzte Ibrahim Kanaté am Waldhof-Tor vorbei (86.). In der Nachspielzeit schickte Ritter nochmal Kanaté auf die Reise, der zunächst gehalten, dann aber von Diego Michel sauber vom Ball getrennt wurde (90.+2). Vier Minuten später rettete Nijhuis die Mannheimer mit seiner Glanztat gegen Ritter in die Verlängerung.

Schlimme Szenen im Mannheimer Stadion

Im Anschluss an die folgende Ecke pfiff Schröder die reguläre Spielzeit ab - Schluss war aber noch nicht. Ritter geriet mit Goncalo Gregorio aneinander, es folgte eine Rudelbildung, zu deren Teilnahme sich fast die beiden kompletten Teams eingeladen sahen. Als sich die Gemüter beruhigt hatten, bereiteten sich die Teams auf die Verlängerung vor.

Dann aber die Eskalation: Weil Feuerwerkskörper aus dem Gästeblock auf den Platz geschossen wurden, wollten Teile des Mannheimer Anhangs den Platz stürmen. Schiedsrichter Schröder schickte die Teams in die Kabinen, in Sekunden füllte sich der Innenraum mit zahlreichen Polizeibeamten. Anschließend setzten die Beamten Pfefferspray ein, es waren beängstigende Bilder. Die Waldhof-Anhänger ließen sich lange nicht beruhigen. Es war nicht klar, ob das Spiel fortgesetzt wird. Nach über einer halben Stunde holte Schröder die Mannschaften zurück aufs Feld. In der Verlängerung übernahm der FCK die Initiative, die Mannheimer verteidigten aber weiter leidenschaftlich.

Es dauerte bis zur 110. Minute, als Fabian Kunze den Ball nach einer Ecke aufs Tor köpfte und Keumo auf der Linie klärte. Mannheim brachte für die letzten acht Minuten den Ex-Lautrer Terrence Boyd, der direkt mal für Präsenz im Strafraum sorgte. Als alle sich schon aufs Elfmeterschießen einstellten, schlug der FCK zu. Kanaté wurde 18 Meter vor dem Tor freigespielt und schlenzte den Ball stark ins rechte Eck. Sekunden vor dem Ende hielt Keeper Krahl den Sieg für Kaiserslautern fest.

Das Tor zum 1:0 im Spiel FCK vs. SVW am 22.10.1983
Der Ursprung der Derby-Rivalität: Am 22. Oktober 1983 trafen der 1. FC Kaiserslautern und Waldhof Mannheim im Bundesliga-Duell erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander. Nach einer torlosen ersten Hälfte bezwangen die Lauterer den Aufsteiger auf dem Betzenberg mit 2:0. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Das Tor zum 2:2 im Spiel FCK vs. SVW am 27.09.1986
Eines der packendsten Duelle zwischen den Erzrivalen fand am 27. September 1986 in Kaiserslautern statt. Der FCK ging nach 45 Minuten mit einer knappen 1:0-Führung durch einen Treffer von Harald Kohr in die Kabine. Kurz nach der Pause konterte der SV Waldhof mit einem Doppelschlag. Wenig später flog der Torschütze der Lauterer nach einer Tätlichkeit vom Platz. Die Roten Teufel bestritten fast die gesamte zweite Hälfte in Unterzahl, schafften aber noch den Ausgleich und drehten die Partie in der 89. Minute zum 3:2-Sieg. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Gerald Ehrmann pariert einen Elfmeter von Fritz Walter am 25. Spieltag der Saison 198687
Der 15. April 1987 und das wohl populärste Duell in der Derby-Geschichte zwischen dem FCK und dem SVW. Ein Aufeinandertreffen geprägt von der Zahl vier: Vier Elfmeter für den Waldhof, wovon Gerald "Gerry" Ehrmann zwei parierte. Fritz Walter erzielte alle vier Treffer für die Mannheimer (das entscheidende Tor zum 4:3-Endstand schoss er in der 89. Minute). Kurz vor Schluss fiel sogar noch der Ausgleichstreffer zum 4:4, der aber wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. picture alliance / dpa | Marcus Thelen Bild in Detailansicht öffnen
Der damalige Waldhof-Trainer Günter Sebert
Die bislang letzte Bundesliga-Begegnung zwischen Mannheim und Kaiserslautern fand am 24. Februar 1990 im damaligen "Stadion am Alsenweg" statt. Damit ist es die einzige Ausgabe des Nachbarschaftsduells, die tatsächlich im Stadtteil Waldhof ausgetragen wurde. Mannheim demontierte den Erzrivalen in der Partie mit 4:0, nie gewann die Mannschaft im Derby deutlicher. Nach dem Spiel sagte der damalige Waldhof-Coach Günter Sebert (s. Foto) über den Gegner: "Wir haben heute den ersten Absteiger gesehen." Am Saisonende stiegen allerdings die Waldhöfer ab und nicht der FCK. Die Roten Teufel holten in der Folgesaison sogar die Deutsche Meisterschaft. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Otto Rehhagel mit verschränkten Armen
Am 26. Mai 1997 feierte Atilla Birlik sein Zweitliga-Debüt für den Waldhof. Das dauerte jedoch nur wenige Minuten. Nachdem der Stürmer FCK-Torhüter Gerry Ehrmann einen Wischer verpasst hatte, flog er vom Platz. Bis heute wird Birlik von den Mannheimer Anhängern dafür gefeiert. Viel mehr zu feiern gab es für den Waldhof an diesem 32. Spieltag allerdings auch nicht. Der FCK siegte im Derby so deutlich wie nie: Unter Trainer Otto Rehhagel (s. Foto) gewannen die Roten Teufel daheim mit 5:0. Am Saisonende stieg die Mannschaft als Zweitliga-Meister auf, der Waldhof musste in die 3. Liga. picture alliance / dpa | Werner Baum Bild in Detailansicht öffnen
Stürmer Olaf Marschall trifft per Kopfball zum 3:2
Verkehrschaos, Prügeleien und Rauchschwaden im Stadion: Am 28. November 2001 standen sich der damalige Zweitligist aus Mannheim und der Bundesligist aus Kaiserslautern in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegenüber. In einer packenden Partie durfte der Waldhof lange an die Sensation im eigenen Stadion glauben. Doch in der Nachspielzeit traf FCK-Stürmer Olaf Marschall für die Gäste zum entscheidenden 3:2. picture-alliance / dpa | Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Das Tor zum 1:1-Endstand für den FCK
Nach 22 Jahren spielten der FCK und Aufsteiger Waldhof Mannheim am 01. September 2019 erstmals wieder in der gleichen Liga. Ein lang ersehntes Derby im Südwesten - zwar nur in der 3. Liga, ordentlich Zündstoff gab es trotzdem. Nachdem die Partie auf dem Betzenberg verspätet angepfiffen und wegen Pyrotechnik kurzzeitig unterbrochen wurde, nutzten die Mannheimer ihre erste Chance zur frühen Führung. Der FCK traf eine gute halbe Stunde später zum 1:1-Endstand. picture alliance / Fotostand | Fotostand / Schmitt Bild in Detailansicht öffnen
Das war mal ein Einstand. Der 1. FC Kaiserslautern siegte beim Debüt von Trainer Marco Antwerpen am 06. Feburar 2021 mit 2:0 in Mannheim. Die Treffer für die Roten Teufel erzielten Hendrick Zuck und Marius Kleinsorge.
Das ist mal ein Einstand. Der 1. FC Kaiserslautern siegt beim Debüt von Trainer Marco Antwerpen mit 2:0 in Mannheim. Das bislang letzte Derby. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Schiedsrichter Florian Heft zeigt Kaiserslauterns Marvin Senger im Spiel gegen Waldhof Mannheim die Rote Karte.
Am 11.09.2021 fand das bislang letzte Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Waldhof Mannheim statt. In einem wilden Drittliga-Spiel haben sich die Teams mit 0:0 getrennt. Dabei gab es wenige Chancen, aber insgesamt vier Platzverweise. Schiedsrichter Florian Heft zeigte neben Kaiserslauterns Senger auch Redondo, Dick und Mannheims Kientz die Rote Karte. imago images/Werner Schmitt Bild in Detailansicht öffnen

DFB-Pokal: Auslosung im September

Die zweite Runde des DFB-Pokals wird am 27. und 28. Oktober ausgetragen. Die Auslosung findet am 5. September im Rahmen der ARD Sportschau im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund statt.

Am kommenden Wochenende kehren beide Teams in den Liga-Alltag zurück. Der FCK will am Sonntag (30. August) bei Erstliga-Absteiger FC St. Pauli den ersten Sieg einfahren (13:30 Uhr). Drei Stunden später tritt Waldhof Mannheim beim TSV Havelse an.