Fußball

"Es ist ein Opfer..." - TSG-Coach Christian Ilzer zwischen Fußball und Familie

In wenigen Wochen startet Christian Ilzer in seine dritte Saison als Hoffenheim-Coach. Im SWR-Interview spricht er über seine Ziele und gibt seltene Einblicke ins Privatleben.

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SWR: Christian Ilzer, super Wetter in Ihrer Heimat Österreich. Wie schön ist es mal wieder zu Hause zu sein?

Christian Ilzer: Ich bin ja aus dem Osten Österreichs, hier sind wir im Westen von Österreich, ein wunderschönes Ambiente - die Berge... Es sind natürlich schon Top-Bedingungen, um uns hier auf die Saison vorzubereiten.

SWR: Wir wollen Sie ein bisschen besser kennenlernen. Man redet ja so oft übers Sportliche, aber Sie als Mensch... Ihre Familie lebt in der Nähe von Wien, Sie arbeiten in Hoffenheim. Warum haben Sie sich dazu entschieden?

Ilzer: Ich bin ja jetzt viele, viele Jahre schon als Fußballtrainer unterwegs und anfänglich haben wir natürlich versucht, immer gemeinsam als Familie den Standort auch als Wohnort zu wählen. Aber wir sind irgendwann zu dem Entschluss gekommen, dass es vor allem im Sinne der Kinder besser ist, denen die Stabilität zu geben und nicht Jahr für Jahr ihren Freundeskreis, ihre Schule usw. wechseln zu müssen. Und der Job eines Fußballtrainers ist einfach nicht vorhersehbar - das kann sehr schnell in alle Richtungen weitergehen.

Man kann seinen Job verlieren, man kann Angebote von neuen Vereinen wahrnehmen, dieser Job ist einfach sehr variabel. Deshalb haben wir versucht, uns so einzurichten, dass meine Familie einen sehr, sehr stabilen Standpunkt hat und ich bin der, der außen herum kreist. Meine Frau kümmert sich um Familie und um den inneren Kreis. Wir haben uns mittlerweile sehr gut aufeinander abgestimmt. Wir freuen uns dann alle immer sehr auf gemeinsame Zeit und haben, so wie es in Deutschland dann üblich ist, einen sehr guten, langen Sommerurlaub, den wir natürlich in vollen Zügen genießen.

SWR: Wie schwierig ist es für Sie, auch länger von der Familie weg zu sein? Oder ist es eher so, dass Sie nach Hause kommen und Fußball dann überhaupt keine Rolle mehr spielt?

Ilzer: Grundsätzlich kann ich das sehr, sehr gut trennen. Ich glaube, meine Familie hat nie einen Unterschied gemerkt, ob ich als Sieger bei der Haustür reingekommen bin oder als Verlierer. Das war mir wichtig, dass ich da als Chris reinkomme und der Mensch bin, der sich im Kreise der Familie zurückzieht, dort runterfahren kann und eine gute Balance gewinnen kann. Das ist einfach ein Ort, den ich sehr schätze.

Außen herum ist Wettkampf, außen herum ist Challenge. Da gibt es dann Gefühle, Emotionen. Die richtig zu koordinieren und richtig einzusetzen, das bringt der tagtägliche Job mit sich. Aber ganz klar, es ist ein Opfer, wenn du nicht Tag für Tag bei deiner Familie sein kannst.

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Es geht wieder los. Am Wochenende startet die 2. Liga in die neue Saison. Studiogast in SWR Sport ist Maximilian Senft, der neue Trainer des Karlsruher SC.

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SWR: Ihr ältester Sohn ist Mixed Martial Arts Kämpfer, ich sehe es manchmal auf ihrem Instagram-Profil. Sie teilen auch mal, wenn er einen Kampf hat. Wie kam er dazu? Und wie traurig sind Sie, dass er kein Fußballer geworden ist?

Ilzer: Grundsätzlich ist Familie einfach privat bei mir, das versuchen wir gemeinsam mit meiner Frau aus der Öffentlichkeit rauszuhalten. Der ältere Sohn, der Romeo, ist volljährig. Er ist bald 20 Jahre alt, geht seinen eigenen Weg und hat sich für diese Sportart entschieden. Das ist auch das, was er im Herzen fühlt. Es ist immer wichtig, wenn du eine Lebenserfüllung erfahren willst, dass du entdeckst, was deine Mission ist, was in dir drinnen ist, was du fühlst. Er hat als Kind viele Sportarten gemacht, unter anderem auch Fußball gespielt, war Torwart, aber hat sich dann immer mehr für den Kampfsport interessiert. Mittlerweile macht er das auf professionellem Level und man wird sehen, wohin ihn sein Weg führt. Ich versuche, ihn als Vater einfach gut zu unterstützen, seinen Weg wird er selber gehen.

SWR: Sie haben in einem "Kicker"-Interview mal gesagt, dass Sie irgendwann in der Bundesliga in ein paar Jahren um die Meisterschaft spielen wollen. Glauben Sie, dass es möglich ist, mit Hoffenheim Meister zu werden?

Ilzer: Zum einen war das damals eine ganz schwierige Zeit der TSG und ich habe einfach, nachdem ich mehrmals auf unmittelbare Ziele angesprochen worden bin, den Blick weit in die Zukunft gelegt. Da ist aber schon klar von Visionen gesprochen worden und Visionen sind Dinge, die trägt man in seinem Kopf, die gibt man dann aber auch seinem Team weiter. Es sind Dinge, die man intern platziert, an die man sich intern dann Schritt für Schritt annähert. Und klar, je größer die Vision ist, umso mehr gehört dann auch die Bereitschaft für die tagtägliche Arbeit des gesamten Teams dazu und das ist dann auch der Fokus.

Hoffenheim

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Mit Platz fünf und der Qualifikation für die Europa League war die TSG Hoffenheim die Überraschung der vergangenen Bundesliga-Saison. Darauf aber wollen sich die Kraichgauer nicht ausruhen.

Wir wollen eine Mannschaft entwickeln, wir wollen die Spieler zu internationalen Spielern machen. Uns ist das jetzt aus eigener Kraft im Klub gelungen. Es werden immer mehr Spieler von uns Teil ihrer Nationalteams und das hilft uns, den Kader und die Jungs dementsprechend weiterzuentwickeln. Diese Weiterentwicklung wird sich am Ende auch in der Tabelle widerspiegeln.

SWR: Wie zufrieden sind Sie mit den Neuzugängen bis jetzt und was ist mit ihnen möglich?

Ilzer: Sehr zufrieden - wie sie sich integrieren, wie sie die Dinge, die wir ihnen hier mit auf den Weg geben, annehmen. Es war für uns auch wichtig, dass wir sehr früh mit der Kaderplanung fertig sind, da wir dann einfach eine längere Zeit haben, um die Jungs an unsere Identität, an unseren Spielstil, an unsere Teamkultur heranzuführen, ihnen all das so klar darzustellen, dass es in Fleisch und Blut übergeht.

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Die TSG Hoffenheim bereitet sich im österreichischen Seefeld auf die neue Saison vor. Für Neuzugang Patrick Wimmer ist es ein Trip in die geliebte Heimat.

Was die Einführung der Neuzugänge betrifft, kann man immer zwei Wege gehen. Man kann den einfacheren, den Weg der Harmonie gehen und sagen, man versucht, alle über einen Kamm zu scheren. Die erste Aufgabe für mich ist aber, ihnen zu helfen. Die Jungs einmal zu ermutigen, der zu sein, der sie sind. Ermutigen zu ihrer Qualität, ihrer Eigenart. Mit verschiedensten Spielertypen versuchen, wirklich eine Hochleistungsmaschine, ein Hochleistungssystem zu bauen, und da sind wir gerade mittendrin.

SWR: Vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Stefan Sander
Onlinefassung
Pirmin Styrnol