"Ich war viele Wochen und Monate am Ende, als meine Mutter gestorben ist." Alexander Wehrle war kürzlich in einem Talk der "Ludwigsburger Kreiszeitung" gefragt worden, wie sehr er mit der Region noch verbunden sei. Daraufhin erzählte der 51 Jahre alte Fußballmanager davon, dass seine Mutter im November 2025 verstorben sei. Dann beschrieb er eindrücklich, wie ihn dieser Verlust getroffen habe.
Wehrle über den Tod seiner Mutter: "Der Fels in der Brandung war weg"
Eigentlich, sagte er, habe er "ein ganz gesundes Verhältnis zum Thema Sterben und Tod", schließlich sei er nach seiner Schulzeit im Rettungsdienst, im Altenheim und in einem Bestattungsunternehmen tätig gewesen. Trotzdem: "Das zieht dir die Füße weg, denn der Fels in der Brandung war weg. Dieser Mensch kommt nicht mehr zurück." In dieser Phase seien neben seinen Geschwistern vor allem Freunde wichtig gewesen – viele von ihnen hätten selbst bereits Eltern verloren. Wehrle betonte, wie hilfreich der Austausch war: Freunde, die sagen, "es ist völlig in Ordnung, wenn du nach vier Wochen wieder einen Heulkrampf kriegst. Das ist okay, das musst du zulassen."
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Die Bedeutung von echten Freunden
Mit seinen Freunden verbringt Wehrle seine Freizeit. Mit ihnen muss er nicht über Transfers oder Tabellenplätze sprechen. Im Gegenteil: "Meine Freunde sagen mir nicht jeden Tag, was sie an mir gut finden. Die sagen mir in der Regel, was sie an mir blöd finden, denn dann sind es auch echte Freunde." Leeres Lob brauche niemand, findet Wehrle. Wichtiger seien Menschen, "die einen unterstützen, wenn es mir mal total schlecht geht." Die Trauer um seine Mutter habe ihn emotional stärker getroffen, als er rational erwartet hätte. "Ich habe mich da auch wieder neu kennenlernen dürfen", sagt er. Menschliche Nähe scheint für ihn kein Widerspruch zu einem professionellen Spitzenjob als Fußballmanager zu sein.
Bundesliga VfB Stuttgart hadert: "Nervig ist eine ganz gute Beschreibung"
Der VfB Stuttgart lässt sich gegen den FC Bayern taktisch mal wieder etwas einfallen. Der Plan ging im Eröffnungsspiel auch eine ganze Zeit gut. Doch dann schlugen die Münchner gnadenlos zurück.
Seit März 2022 führt Alexander Wehrle als Nachfolger von Thomas Hitzlsperger den schwäbischen Traditionsverein. Der 51 Jahre alte Schwabe verbindet eine ungewöhnliche Biografie mit klarem Führungsstil, offener Homosexualität und einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte, die den VfB zu einer Topadresse im deutschen Fußball gemacht hat. Wehrle sitzt zudem in anderen wichtigen Gremien: DFB-Aufsichtsrat, Bundesliga-Präsidium (ehemals DFL) und Aufsichtsrat Bundesliga Digital Sports GmbH.
Kindheit, Rettungsdienst und Verwaltungsstudium
Wehrle, der im schwäbischen Möglingen aufwuchs, hatte offenbar schon frühzeitig eine soziale Ader. In den Jahren nach der Schule arbeitete er während des Zivildienstes im Altenheim, später im Rettungsdienst und, während seines Studiums der Verwaltungswissenschaften, bei einem Bestattungsinstitut. All diese Erfahrungen hätten ihm gezeigt, "was wirklich wichtig ist im Leben" und ihn "geerdet". Diese bodenständige Perspektive nutzt er heute, um den Profifußball richtig einzuordnen: Im Vergleich zu echten Schicksalsschlägen seien viele vermeintliche "Probleme" im Fußball relativ.
Wehrles Erfahrungen prägen sichtbar das soziale Profil des VfB Stuttgart. Er versteht den Verein als "Motor einer ganzen Region" und betont Verantwortung, Toleranz und Unterstützung für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Dadurch stärkt er Projekte wie die VfB‑Stiftung "Brustring der Herzen", Bildungs- und Inklusionsprogramme sowie Engagement für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jährlich unterstützt er gemeinsam mit Vorstandskollegen, Cheftrainer Hoeneß und einigen Profis die Obdachlosenarbeit in der Stuttgarter Vesperkirche.
Wehrle ist derzeit auch die einzige offen homosexuelle Führungskraft im deutschen Profifußball. Er spricht darüber ohne große Gesten oder Kampagnen. Für ihn ist es Teil seiner Identität, nicht sein Hauptthema. 2025 war er Schirmherr des CSD Stuttgart PRIDE.
Coming Out an Heiligabend
Seit über 25 Jahren lebt Wehrle mit seinem Partner zusammen, im August 2024 heirateten beide auf der Insel Mainau am Bodensee. Mit seinem Lebensstil setzt Wehrle ein Zeichen in einer Branche, die immer noch als eher konservativ gilt. Der Schwabe outete sich vor 28 Jahren gegenüber seinen Eltern – ausgerechnet an Heiligabend. "Es war ein sehr emotionaler Moment", erinnerte Wehrle in dem Talk-Format "Bembel & Gebabbel". Für seine Mutter, die einen schwulen Bruder hatte, sei dies kein Problem gewesen. Eher für seinen Vater. "Das Schöne war," erzählte Wehrle, dass sein Vater ihn am nächsten Tag umarmte – obwohl dieser wie viele Männer seiner Generation kein körperlicher Mensch gewesen sei. Dabei sagte er: "Alexander, es ist völlig egal. Du wirst immer mein Alexander bleiben."
Die Steilvorlage für Wehrles Coming Out hatte der erfolgreiche TV-Moderator Alfred Biolek (verst. 2021) gegeben. Wehrles Vater fand diesen immer großartig, auch, als Biolek sich öffentlich zu seinem Schwulsein bekannt hatte. Bioleks Bekenntnis förderte Wehrles Mut, sich auch zu offenbaren.
Starke wirtschaftliche Entwicklung des VfB Stuttgart unter Wehrle
Während Wehrle offen über seine persönliche Geschichte erzählt, ist seine berufliche Bilanz beim VfB Stuttgart klar in Zahlen sichtbar. Der Klub steht wirtschaftlich so stark da wie seit Jahrzehnten nicht. Die offiziellen Kennzahlen aus dem Geschäftsjahr 2025 zeigen Rekordwerte.
Der Gewinn nach Steuern lag bei 22,5 Millionen Euro, das Eigenkapital erreichte mit 83,4 Millionen Euro einen historischen Höchststand. Das Umsatzwachstum betrug 79 Prozent gegenüber der Vorsaison. Der Zuschauerschnitt von durchschnittlich 59.441 Fans pro Heimspiel war der höchste der Klubgeschichte. Auch international hat der VfB deutlich aufgeholt. In der Deloitte Football Money League 2024/25 belegte der Verein Rang 18 und gehörte damit zu den 20 umsatzstärksten Fußballklubs der Welt.
Wehrles Führungsstil: Analytisch und strukturiert
Alexander Wehrle wird oft als Manager beschrieben, der nicht laut sein muss, um Wirkung zu erzielen. Sein Führungsstil gilt als analytisch und strukturiert. Auch wenn er über seine Zukunft spricht, klingt Wehrle klar und bodenständig. Große Lebenspläne jenseits des Fußballs formuliert er nicht. "Ich würde gerne noch ein paar schöne Jahre gesund erleben und dann vielleicht irgendwie mit 98 einschlafen", sagte er kürzlich. Den Zeitpunkt des eigenen Todes sieht er als "vom lieben Gott organisiert".
Das alles passt zu einem Mann, der sich schon viel mit Vergänglichkeit beschäftigt hat – und der gleichzeitig sehr erfolgreich in einer Branche arbeitet, die sich an jedem Wochenende von Ergebnissen und kurzzeitigen Emotionen abhängig macht.