Es sind bedrückende Bilder, die Volker Gerdesmeier von Caritas International aus dem Hohen Norden, der nördlichsten Provinz Kameruns, mitgebracht hat. Der schmale Landzipfel grenzt an Nigeria und von dort kommen auch die Geflüchteten, die im Hohen Norden Schutz suchen. Sie sind auf der Flucht vor den Kämpfern der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram nach Kamerun gekommen.
Der Hohe Norden ist die ärmste Region Kameruns und mit der Versorgung der Geflüchtete aus dem Nachbarland Nigeria vollkommen überfordert. Caritas International hilft in Kamerun beispielsweise mit Nahrungsmitteln, stellt Saatgut bereit und übernimmt Schulgebühren. Auch in weiteren afrikanischen Ländern wie Sudan, Südsudan, der zentralafrikanischen Republik und Kenia hilft Caritas International mit verschiedenen Projekten, sagt Volker Gerdesmeier im Gespräch mit dem SWR. Nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen, sondern auch der Klimawandel sei eine immense Bedrohung für viele Menschen in diesen Ländern.
Weniger Menschen werden versorgt
Die deutsche Bundesregierung hat jedoch die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit und die humanitäre Hilfe deutlich gekürzt. Mit verheerenden Auswirkungen, wie Gerdesmeier im Gespräch berichtet: Zahlreiche Hilfsprogramme sind bereits ausgelaufen oder werden in 2026 auslaufen. In Nord-Kamerun beispielsweise konnte Caritas International in den vergangenen Jahren rund 70.000 Menschen versorgen. Das wird so nicht mehr möglich sein. Gerdesmeier geht von künftig 10-15.000 Menschen aus, die Caritas International noch erreichen wird.
Kürzungen auch in Deutschland
Unter immer größerem Spardruck stehen auch die Kirchen. Weniger Mitglieder bedeuten sinkende Einnahmen durch die Kirchensteuer. Es ist ein schleichender Prozess, der über weite Strecken von der Öffentlichkeit noch nicht so stark wahrgenommen wird, etwa wenn Stellen nicht neu besetzt werden, Immobilien abgestoßen werden müssen, Tarife nicht erhöht oder Seelsorgeeinheiten zusammengefasst werden.
Einige Bistümer und Landeskirchen mussten aber auch schon wenig populäre Einsparungen vornehmen. So hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau eine Bahnhofsmission geschlossen, das Bistum Mainz die Trägerschaft von Kindertagesstätten und Schulen abgegeben. Im Sommer 2025 musste das Kirchenparlament der pfälzischen Landeskirche darüber entscheiden, ob die Trägerschaft für das Trifels-Gymnasium in Annweiler abgegeben wird. Nach Protesten von Schülern und Lehrer soll noch einmal über alternative Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht werden.
Einsparungen treffen Studierende
Sparmaßnahmen könnten in ähnlicher Form auch die neun Hochschulgemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland treffen. Das geht aus einem internen Schreiben der evangelischen Studierendenpfarrer, das dem SWR vorliegt, hervor. Danach gibt es einen Vorschlag der weitreichenden Folgen hätte und die Arbeit mit Studierenden und an den Hochschulen weitestgehend beenden würde. Auf der kommenden Synode soll darüber abgestimmt werden. In Trier, Koblenz und anderen Städten im Rheinland protestieren die Studierenden dagegen. Die rheinische Landeskirche will bis 2030 mindestens 33 Millionen Euro einsparen.
SWR 1 Sonntagmorgen Mitmach-Aktion MEIN STÜCK VOM GLÜCK
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