The Rolling Stones auf heimlicher Mission
Im November 1969 touren The Rolling Stones erfolgreich durch die USA. Gegen Ende der Tournee wollen sie neue Stücke aufnehmen. Es gibt nur ein Problem: Sie sind Engländer und brauchen zum Arbeiten eine Genehmigung der amerikanischen Musikergewerkschaft. Die gibt es aber entweder für Live-Auftritte oder für Aufnahmen – beides zu kombinieren war ausländischen Bands verboten.
Doch solche Regeln waren den Stones egal, also versuchen sie irgendwo heimlich ein Studio zu buchen. In den Hotspots wie Memphis, wo es die perfekten Bedingungen gibt, funktioniert das aber nicht. Sie würden direkt auffliegen.
Schließlich kommen sie auf "Muscle Shoals", ein kleines Studio in einem winzigen Nest im tiefen Süden der USA, das in einer ehemaligen Sargfabrik untergebracht ist.
Der Coup gelingt
Nur wenige Personen werden eingeweiht. Doch eine kleine Schrecksekunde hat der Manager, als die Stones mit dem größten Flugzeug einfliegen, das jemals dort gelandet ist. Das fällt doch auf. Doch ohne Handy-Kameras und Internet klappt der heimliche Coup – und so beginnen die dreitägigen Aufnahmen in einem ziemlich kleinen Kreis.
So schrieb Mick Jagger "Brown Sugar"
In den drei Tagen zeichnet die Band drei Songs auf, darunter "Wild Horses", "You Gotta Move" und einer der größten Rocksongs aller Zeiten: "Brown Sugar".
Bei "Brown Sugar" gibt es bisher nur die Musik, also setzt sich Mick Jagger an den Text. Jim Dickinson, der als Musiker und Techniker bei den Aufnahmen dabei ist, berichtet später von diesem Moment: "Es war kaum zu fassen! Er schrieb den Text einfach runter".
Verwirrung um die Bedeutung des Songs
Der Song bekommt drei Strophen und dann wurde aufgenommen. Inspiriert von der Atmosphäre des amerikanischen Südens entsteht ein ziemlich vieldeutiger Text. Steht "Brown Sugar" nun für Heroin, dass diese Farbe aufgelöst im Löffel über einer Kerze annimmt? Oder meint es eine Sängerin aus der Band von Ike Turner, mit der Jagger eine Affaire hatte?
Irritierend ist vor allem die erste Strophe, in der ein Sklavenschiff von der Goldküste kommt und Nachschub für die Baumwollfelder bringt. Für den narbigen alten Sklaventreiber läuft es wie am Schnürchen und gegen Mitternacht ist zu hören, wie er die Frauen auf dem Schiff auspeitscht.
Yeah, gold coast slave ship bound for cotton fields,
Sold in a market down in New Orleans,
Scarred old slaver know he's doin' alright,
Hear him whip the women just around midnight.
Brown sugar,
How come you taste so good?
Brown sugar,
Just like a young girl should, ah yeah.
In USA und Kanada auf Platz 1
1971 erscheint der Song auf dem Album "Sticky Fingers" und schießt in den Charts schnell nach oben. Trotz oder genau wegen des polarisierenden Textes wird "Brown Sugar" in den USA, Kanada, der Schweiz und in den Niederlanden ein Nummer-1-Hit und gehört fest ins Live-Repertoire der Band.
Als Mick Jagger später über den Song spricht, sagt er: "Gott weiß, worum es mir in diesem Song geht. Es ist ein Mischmasch. Alle fiesen Themen auf einmal. Ich würde dieses Lied jetzt nie schreiben. Ich würde mich wahrscheinlich selbst zensieren."