The Proclaimers starten jung
Die Proclaimers sind die eineiigen Zwillinge Charlie und Craig Reid, die schon als Schüler gemeinsam in Punkbands spielen. Ihre eigene Band gründen sie 1983 im Alter von 21 Jahren. Ihr Markenzeichen: Eine Mischung aus Folk, Punk und Pop, gesungen mit ihrem starken schottischen Akzent.
Sie geben viele kleine Konzerte, vor allem rund um ihre Heimatstadt Inverness. Richtig leben können sie davon allerdings nicht. Sie haben kein Geld und sind – wie viele junge Schotten in der Zeit – arbeitslos.
Der Weg zum Durchbruch
Doch das Schicksal meint es gut mit ihnen: Ein Demotape landet bei der englischen Band The Housemartins, die prompt angetan sind und die beiden als Vorband engagieren. Dieser Auftritt öffnet ihnen die Türen zur Musikindustrie und kurz darauf unterschreiben sie ihren ersten Plattenvertrag.
1987 erscheint schließlich ihr Debütalbum, auf dem sie mutig gesellschaftliche Brennpunkte ihrer Heimat thematisieren – vom industriellen Niedergang, bis hin zur tiefen regionalen Spaltung in Großbritannien.
Ein Song daraus wird in England eine Top-Ten-Single und ist auch bei uns kurz in den Charts: "Letter from America". Ein Song, der die lange Auswanderungs- und Vertreibungs-Geschichte Schottlands Richtung USA thematisiert.
Der große Hit: "I’m Gonna Be (500 Miles)"
Der große Wurf folgt aber ein Jahr später mit der Single "I’m Gonna Be (500 Miles)" von ihrem zweiten Album. Diesmal ganz unpolitisch: Im Song geht es um die totale Liebe und Hingabe:
Ich würde 500 Meilen laufen und dann weitere 500, um der Mann zu sein, der nach 1.000 Meilen vor deiner Tür landet."
Allzu kitschig ist der Text (aber) nicht, ein bisschen englischer Humor ist immer dabei:
If I get drunk, well, I know I’m gonna be, I’m gonna be the man who gets drunk next to you. //
Wenn ich mich betrinke, nun, ich weiß, ich werde der Mann sein, der sich neben dir betrinkt.
Der Song landet in England in den Charts, bei uns interessiert sich zunächst keiner dafür. Doch 1993 kommt der US-Film "Benny & Joon" in die Kinos, ein Liebesdrama um zwei psychisch kranke Menschen. In einer der Hauptrollen ist Johnny Depp und in einer wichtigen Szene mit ihm wird "I’m Gonna Be (500 Miles)" verwendet. Jetzt will (ganz) Amerika den ultimativen Lovesong hören. Die Single wird neu veröffentlicht und ist nun weltweit in den Charts.
Mehr als ein One-Hit-Wonder
Danach gelingt der Band kein großer internationaler Hit mehr. Aber sie sind seitdem trotzdem über Jahrzehnte erfolgreich im Geschäft. Ihre Alben haben in Großbritannien Gold- und Platin-Status, sie spielen erfolgreiche Tourneen. Bei Konzerten in ihrer Heimat Schottland kommt man kaum an Karten.
Also: Der Stempel "One-Hit-Wonder" passt nur bedingt. Und wenn schon: Sie nehmen den Stempel des One-Hit-Wonders gelassen. Besser ein One-Hit-Wonder als ein No-Hit-Wonder.