Inspiration durch Surrealismus
Als Jugendlicher hat ihn der Surrealismus besonders angesprochen: sich in phantastische Welten versetzen zu können, gab ihm den Anstoß, erste Gedichte zu schreiben. Die Musik spielte immer eine wichtige Rolle in der Familie – so wichtig, dass Frank Witzel nach der Schule zuerst das Wiesbadener Konservatorium besuchte. Er spielt Klavier, Cello und Gitarre.
Das Schreiben bekam eine immer größere Bedeutung für mich. Die Musik, habe ich gedacht, habe ich ja sowieso.
Die ersten Gedichte
Doch dann wandte er sich dem Schreiben zu. Am Anfang stehe dabei immer ein Impuls, sagt Frank Witzel. Das kann ein Satz sein, eine Figur oder eine kurze Szene. Zuerst veröffentlichte er Gedichte in Literaturzeitschriften, 1978 erschien dann sein erster Gedichtband „Stille Tage in Cliché“ mit eigenen Illustrationen.
Der erste Roman „Blue Moon Baby“
Nach weiteren Gedichten folgte 2001 der erste Roman: „Blue Moon Baby“, in dem so unterschiedliche Personen wie ein Gymnasiallehrer, eine Professorin für Gender Studies und alternde Schlagersänger aufeinandertreffen. Ein ebenso intelligenter wie komischer Roman. Das Unwahrscheinliche, das Skurrile und das Erdachte zu einem dichten Text gewebt - diesem Prinzip ist Frank Witzel treu geblieben.
Die Erfindung der Roten Armee Fraktion: Witzels preisgekröntes Meisterwerk
In seinem bekanntesten Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ geht es um eben jenen Teenager, der neben seinem Aufwachsen versucht, sich die Bundesrepublik der 60er-Jahre zu erklären. Dabei wird viel gedacht, erfunden und nicht chronologisch erzählt.
Ein im besten Sinne maßloses Romankonstrukt
Die Jury des Deutschen Buchpreises konnte Frank Witzel damit überzeugen. In „seiner Mischung aus Wahn und Witz, formalem Wagemut und zeitgeschichtlicher Panoramatik“ sei der Roman „einzigartig in der deutschsprachigen Literatur“, urteilte sie.
Schreiben, Zeichnen, Komponieren: Das Multitalent Frank Witzel
Der Erfolg für das Werk hielt an: Die Hörspielfassung, die Frank Witzel gemeinsam mit dem Regisseur Leonhard Koppelmann umsetzte und für die er sowohl die Musik komponierte als auch das Booklet illustrierte, gewann den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie „Bestes Hörspiel“.
Mir sind die Tage am liebsten, wo keine Termine anstehen, wo ich mich mit dem Schreiben beschäftigen kann.
Nun war Frank Witzel schlagartig bekannt, was offenbar eine große Produktivität freisetzte: Fast jährlich veröffentlichte er weitere Geschichten, Erzählungen, Romane. Schreibblockaden kennt er nicht, sagt Frank Witzel. Höchstens Phasen, in denen ein Projekt stockt.
Autobiografie und Erzählungen: „Inniger Schiffbruch“ und „Die fernen Orte des Versagens“
Im Jahr 2020 erzählte Frank Witzel in seinem autobiographischen Roman „Inniger Schiffbruch“ von Erinnerungen an seine Kindheit, ausgelöst vom Nachlass seines Vaters.
Mit „Die fernen Orte des Versagens“ folgte 2023 ein Band mit Erzählungen, die aber doch aufeinander Bezug nehmen. Alltagssituationen treffen auf unterschiedliche Lebensentwürfe und ergeben ein Labyrinth aus Geschichten, in denen sich höchstens die Lesenden verirren - nicht aber der Erzähler.
Neues Werk 2025: „Komplexe Strukturen“ – die Enzyklopädie des Zufalls
Im Oktober 2025 erscheint ein neuer Band mit Erzählungen, wenn man das so nennen kann: Achtzig Texte, die sein Verlag eine „Enzyklopädie des Zufalls“ nennt. „Komplexe Strukturen“ heißt das Werk, das beim Erscheinen das Buch des Joseph-Breitbach-Preisträgers 2025 sein wird.