Buchkritik

Welche Farbe hat das Universum? Neues Buch vom Astronom Florian Freistetter

Der Wiener Astronom Florian Freistetter feiert die Schönheit unseres Kosmos – und bringt das Weltall in seiner betörenden Farbkraft zum Leuchten.

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Von Autor/in Günter Kaindlstorfer

Ödes Beige

Sie denken, die Farbe des Universums sei schwarz? Da irren Sie. Es ist ein fades, weißliches Beige. Woher wir das wissen? 

Nun, zu Beginn der 2000er-Jahre haben Astronomen das Licht von hunderttausenden von Galaxien statistisch gemittelt, um die „Farbe des Universums“ zu bestimmen.

Heraus kam ein ödes Beige, farblich angesiedelt irgendwo zwischen Milchkaffee und Rentnerhose. Die Forschenden verpassten der Farbe, um das Ganze etwas aufzumotzen, den Namen „Cosmic Latte“. 

Florian Freistetter hält das ganze Projekt für irreführend. In Wirklichkeit, so erklärt er in seinem Buch, schillert das Universum in tausend Farben. 

Das Universum ist so viel mehr und so viel bunter als der schwarze Hintergrund mit seinen wenigen leuchtenden Punkten, den wir typischerweise sehen, wenn wir in der Nacht zum Himmel schauen.

Florian Freistetter
Florian Freistetter Florian Freistetter (c) Imago, Funke Foto Services, Kerstin Bögeholz

Die Farben des Regenbogens 

Vom rostigen Rot der Marsoberfläche zum gläsernen Grün des planetarischen Nebels IC 1295: Florian Freistetter durchmisst das Weltall in seinem populärwissenschaftlichen Buch mit bemerkenswerten Entertainment-Qualitäten.

Die einzelnen Kapitel hat der Wiener Astronom nach den Farben des Regenbogens benannt, was Freistetter Gelegenheit zu allerlei Ausflügen in die Kuriosologie unseres Kosmos gibt. 

Wir leben in einem bunten Universum, und jede einzelne Farbe darin erzählt ein anderes Kapitel der großen kosmischen Geschichte.

Er sei zwar Wissenschaftler, so Florian Freistetter, einen gewissen Sinn für die Poetik des Universums habe er sich aber trotzdem bewahrt: 

„Für mich ist der Anblick des Himmels nicht weniger schön oder ästhetisch-romantisch als für andere Menschen. Nur, weil ich weiß, was im Universum vor sich geht, wird es nicht weniger schön. Das Wissen bringt immer nur mehr Schönheit dazu.“ 

Unsere Sinne täuschen  

Mithilfe moderner Technologie kann die Astronomie heute Farben und Phänomene sichtbar machen, die uns sonst verborgen geblieben wären. Dazu gehören etwa alle Arten von Infrarot-, Röntgen- und Ultraviolettstrahlung. 

„Man glaubt ja immer: das, was man mit eigenem Auge sieht oder mit den eigenen Sinnen wahrnimmt, das ist die beste Informationsquelle – was nicht der Fall ist. Es gibt kaum etwas Schlechteres als unsere eigenen Sinne“ , so Freistetter.

„Unsere Sinne täuschen uns auf so viele verschiedene Arten, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass wir überhaupt ein halbwegs vernünftiges Leben führen können.“ 

Florian Freistetter ist ein exzellenter Schreiber und ein noch exzellenterer Erklärer. Im Nebenberuf als Wissenschafts-Kabarettist bei den „Science Busters“ tätig, versteht der 49-Jährige, selbst die kompliziertesten Sachverhalte so zu beschreiben, dass auch naturwissenschaftlich Minderbemittelte sie verstehen können. 

Freistetter lockert seine Ausführungen immer wieder mit kleinen Jokes und verblüffenden Alltagsvergleichen auf, das erhöht das Lesevergnügen. 

Elon Musk würde die Puste ausgehen 

In seinen Einlassungen zum Mars, unserem roten Nachbarplaneten, beschäftigt sich der Autor auch mit den Möglichkeiten einer Mars-Besiedelung – bekanntlich einem der feuchten Träume Elon Musks und Co. 

„Das Problem ist, dass es nicht so einfach ist, zum Mars zu kommen. Das ist eine Umwelt, die komplett lebensfeindlich ist. Da gibt es keine Atmosphäre, die wir atmen können. Es gibt kein Magnetfeld, das die Menschen vor kosmischer Strahlung schützt. Und es gibt kein Wasser, mit dem man etwas anpflanzen könnte.“ 

Die Atmosphäre auf dem Mars besteht so gut wie ausschließlich aus CO2, zudem herrscht auf dem „Roten Planeten“ eine Durchschnittstemperatur von minus 60 Grad. Da dürfte selbst einem Elon Musk rasch die Puste ausgehen.  

Florian Freistetter freilich atmet die frische, klare Luft des wissenschaftlichen Erkenntnishungers in seinem Buch. Macht Spaß, das zu lesen. „Die Farben des Universums“: ein Band, der erhebliche Leuchtkraft entfaltet. 

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Günter Kaindlstorfer