Josef Winkler, geboren 1953 in Kärnten, gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern. Seit seinem Debüt, dem Roman „Menschenkind“ im Jahr 1979, hat der Österreicher sich mit einer Reihe von Romanen in seine Heimat eingeschrieben, die es ihm nicht selten mit Wut und Verachtung gedankt hat.
Katholizismus, Homosexualität, familiäre Gewalt, die Spuren des Nationalsozialismus – um all diese Themen kreist Josef Winkler unermüdlich. Auf diese Weise ist ein literarischer Kosmos entstanden, in dem alles miteinander zu tun hat und in dem Motive und Geschichten permanent weitergeschrieben werden.
Dafür wurde Josef Winkler bereits im Jahr 2008 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Dreh- und Angelpunkt von Winklers Schreiben ist sein Geburtstort, das Dorf Kamering in Kärnten.
Sein neuer Roman, einer der umfangreichsten in Winklers Werk überhaupt, ist eine Liebeserklärung an seine fünf Jahre ältere Schwester Maria. Sie starb im Jahr 2023. Ihre Schizophrenie trat bereits im jungen Erwachsenenalter auf.
Maria war es, die sich, wie Winkler im Roman beschreibt, schützend vor den jüngeren Bruder stellte, den der Vater früh als Versager und Nichtsnutz, als „Nullkommajosef“, abgestempelt und mit all seiner Verachtung und all seinem Zorn belegt hatte.
Maria macht im Klagenfurter Betrieb ihrer Tante eine Ausbildung zur Konditorin und zieht anschließend unstet durch die Lande, arbeitet in Hotels oder als Hausmädchen.
Später kommt sie zurück auf den elterlichen Hof und verbrachte ihre letzten Lebensjahre in einem psychiatrischen Pflegeheim. Winkler schreibt in diesem Buch nicht nur um sein eigenes Überleben; er erzählt auch auf zärtliche Weise von einer Außenseiterin in einer feindlichen Welt.