Christoph Peters ist einer der renommiertesten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Und einer der vielseitigsten.
Das beweist er auf eindrückliche Weise auch mit seinem neuen Buch, das die Leser mitnimmt in die Abgründe des Lebens. Christoph Peters ist Alkoholiker. Das bleibt man ein Leben lang, auch wenn man trocken ist.
Peters nennt „Entzug“ einen Roman mit „großen Erlebnis-Äquivalenzen“ zu sich selbst. 100 Seiten lang erzählt er von alldem, was ein Süchtiger durchmachen muss:
Das Versteckspiel gegenüber Frau und Kind, die peinlichen Schnapskäufe im Supermarkt, die misslungenen Camouflage-Aktionen bei Eltern, Freunden, Bekannten, wenn er wieder die halbe Wodkaflasche leergetrunken und mit Wasser wieder aufgefüllt hat.
Von Zitteranfällen, von der langsam versagenden Leber, von den Taubheitsgefühlen in den Beinen und von der drohenden Trennung.
Dann die Erkenntnis:
Ich muss einen Entzug machen.
Keine Zeit, so sagt es Peters, habe sich in ihm so eingebrannt wie die knapp drei Wochen in der Berliner Entzugsklinik. Er beschreibt diese Zeit Szene für Szene, Detail für Detail. Er wusste nicht, ob er je wieder aufhören würde zu zittern, ob er seinen Namen ordentlich schreiben könne oder eine Kaffeetasse zum Mund führen könne.
„Entzug“ ist Trinker- und Künstlerroman zugleich. Denn Christoph Peters erzählt auch von seiner Sehnsucht nach Entgrenzung, die ihn angetrieben hat, seit er ein Jugendlicher war. Am Ende gelingt der Entzug. Das ist der Durchbruch. Auch zu einer Kunst, die frei ist.