Die irische Schriftstellerin Molly Keane starb 1996 im Alter von 91 Jahren und hinterließ ein Werk von knapp 20 Theaterstücken und Romanen, ein Großteil davon unter dem Pseudonym M.J. Farrell, von denen die wenigsten bislang überhaupt ins Deutsche übersetzt worden sind.
„Das gute Benehmen“ wurde im Original 1981 publiziert, Keanes erstes Buch nach 20 Jahren Pause. Der Roman erschien zu Beginn der 1990er-Jahre zum ersten Mal auf Deutsch.
Nun hat die versierte Übersetzerin Bettina Abarbanell das Werk, das nach seinem Erscheinen auf der Shortlist für den Man Booker Prize stand, in eine neue, geschmeidige Fassung gebracht.
Dass der Roman viele Jahre nach dem Erscheinen des Originals große Aufmerksamkeit bekommt, hat vor allem damit zu tun, dass junge Leserinnen die Hauptfigur und Ich-Erzählerin Aaron St. Charles als Role Model eines lauten, nicht fügsamen weiblichen Charakters entdeckt haben.
Die Influencerin und Autorin Tara-Louise Wittwer schreibt in ihrem Vorwort:
Das Korsett in Kleidern sitzt eng, aber das Korsett der gesellschaftlichen Verpflichtung sitzt enger, es schnürt einem den Atem ab, und das Weglächeln von peinlichen und unangenehmen Situationen wird zum Luftholen. Wir schämen uns fremd für Aroon und fühlen mit ihr, und die Gleichzeitigkeit all dieser Emotionen ist das, was diese Geschichte so fesselnd macht.
Aroon wächst im Irland der 1920er-Jahre auf einem Anwesen namens Temple Alice auf. Es ist eine Epoche des Niedergangs; die Eltern halten mühsam die Fassade aufrecht.
Aroon verliebt sich in Richard, bis sie entdeckt, dass der eine Affäre mit ihrem Bruder hat. Klassendünkel, verdrängte Sexualität, Schweigen. Und eine junge Frau, die auf Rache sinnt. Stoff für eine Netflix-Serie.