Es war wieder einmal eine Entscheidung, mit der nur Insider gerechnet, auf die aber nicht wenige in der Literaturszene gehofft hatten: Der Literaturnobelpreis des Jahres 2025 ging an den 1954 geborenen Ungar László Krasznahorkai, einen wahrhaftig großen Autor, dessen Romane aber eine – vorsichtig formuliert – gewisse Übung in der Erfassung komplexer Zusammenhänge und Satzstrukturen verlangen. Anders ausgedrückt: Krasznahorkai ist ein eleganter literarischer Stilist, aber beileibe kein einfacher Autor.
Sein als Meisterwerk gefeierter Roman „Herrscht 07769“, erschienen im Jahr 2021, spielt in einer thüringischen Kleinstadt, die nach und nach von Neonazis übernommen wird. Die Titelfigur Florian Herrscht glaubt allerdings daran, dass das Gute im Menschen mit Hilfe der Musik Johann Sebastian Bachs herauszukitzeln sei. Der Roman hat rund 400 Seiten und besteht aus einem einzigen Satz.
Bei seiner Nobelpreisrede im Dezember sprach Krasznahorkai über Engel, Würde und Rebellion, und sein deutscher Verlag hat das Erscheinungsdatum seines neuen Romans „Zsömle ist weg“ in der kongenialen Übersetzung von Heike Flemming um einige Wochen nach vorne verlegt.
Zsömle ist ein Hund. Das Tier ist sehr alt und stirbt auf Seite 59, weswegen das kein Spoiler ist. Außerdem kommt schnell ein neuer Zsömle. Sein Besitzer ist Onkel Jószi, dessen Stammbaum bis zu Dschingis Khan zurückreicht. Im Grunde könnte er der König von Ungarn sein. Das denkt sich auch eine Horde von Monarchisten und Umstürzlern, die dem dahinsiechenden Ungarn der Gegenwart neuen Glanz verleihen wollen.
Es wird absurd, es wird wirr, es wird komisch. Krasznahorkai blickt mit Sarkasmus auf die Gegenwart und zeigt, dass unsere Zeiten etwas Surreales haben.