Ozan Zakariya Keskinkılıç hat – was für einen Debütroman stets ein starkes Zeichen ist – prominente Fürsprecher, die Blurbs beigesteuert haben: Mit Dinçer Güçyeter, der Buchpreisträgerin Martina Hefter und der Autorin Mithu Sanyal haben gleich drei Kolleginnen und Kollegen für „Hundesohn“ geworben. Es geht um Verletzlichkeit, Sehnsucht, Zärtlichkeit, Begehren, das die Ländergrenzen sprengt.
Keskinkılıç, Jahrgang 1989, veröffentlichte mit dem Lyrikband „Prinzenbad“ vor drei Jahren sein literarisches Debüt. Seinem ersten Roman merkt man die starke Durchrhythmisierung an. Es ist die Geschichte von Zeko, der in Berlin lebt und auf Männer steht. Er streift durch Dating-Apps und durch die Stadt, um seine Bedürfnisse zu stillen.
Doch „Hundesohn“ ist auch eine postmigrantische Sehnsuchtsgeschichte. „Hundesohn“, so hat Zekos Großvater immer den Nachbarsjungen Hassan in Adana genannt, jener Stadt in der Türkei, in der Zeko stets seine Ferien verbracht hat.
Nun ist der Großvater überraschend an einem Herzinfarkt gestorben, und Zeko plant eine Reise nach Adana. Er zählt den Countdown herunter, doch zugleich, während in Berlin das Leben weiterläuft zwischen Prinzenbad, Dates und Therapiesitzungen, wird deutlich, dass die Dinge nicht mehr so sein können, wie sie einmal waren.
„Hundesohn“ ist ein ungeschminktes, gradliniges Buch. Man erfährt von Filzläusen und liest Sätze wie „Beschnittene Penisse habe ich gerne im Mund“. Nicht nur dafür steht der Roman auf der Shortlist für den „aspekte“-Literaturpreis.