„Trophäe“, der im Original bereits 2020 erschienene Roman der Belgierin Gaea Schoeters, war im deutschsprachigen Roman einer der Überraschungserfolge des vergangenen Jahres: eine moralisch aufgeladene Geschichte um einen reichen Amerikaner, der als passionierter Jäger in Afrika auf Nashornpirsch geht und in eine dunkle Geschichte verwickelt wird.
„Das Geschenk“, der Nachfolgeroman, beruht auf einer wahren Begebenheit, von der die Autorin durch Zufall während einer Zugfahrt aus einer herumliegenden Zeitung erfuhr: Im Frühjahr 2024 wollte der Präsident von Botswana der deutschen Bundesregierung 20.000 Elefanten schenken – unter der Bedingung, dass diese hier frei herumlaufen dürfen. Ein Akt des Protests gegen als ungebührlich empfundene Einmischungen und das von europäischen Ländern angestrebte Importverbot von Jagdtrophäen. Schoeters bleibt also nahe beim Thema ihres Erfolgsromans, mit dem sie eigentlich schon abgeschlossen hatte.
Aus der ohnehin absurden Grundkonstellation macht Schoeters eine Politsatire mit ernstem Hintergrund, aber gespickt mit komischen Szenen. Die Elefanten laufen durch Berlin; der Bundeskanzler gerät unter Druck; ein Krisenstab wird gebildet. Schoeters zeigt zum einen, wie sehr der europäische Blick noch immer kolonial geprägt ist. Zum anderen führt sie aber die Mechanismen von Hilflosigkeit angesichts populistischer Tendenzen vor: Wahlen stehen vor der Tür, und die Rechtsextremisten nutzen die Elefantenkrise zu ihren Zwecken: Die braven deutschen Bürger müssen afrikanischen Dreck aus ihren Straßen schaufeln. So kann es gehen.