Cuttermesser, Lineal und Schere sind wesentliche Werkzeuge für den Künstler Marc Dittrich. Doch bevor er damit an seinen ganz eigenen Architekturentwürfen arbeitet, geht er zunächst auf Motivsuche, zum Beispiel in Stuttgart-Fasanenhof.
Mit seiner Kamera steht der Künstler aus Plochingen vor einem mehrstöckigen Wohnkomplex aus zwei Türmen. Besonders auffällig sind die gelben Rolläden – mal auf, mal zu, mal irgendwas dazwischen.
Die beiden Zwillingstürme hätten einen besonderen Charme, der ihn interessiert, sagt Marc Dittrich. „Es ist ganz formal: der Fassadenrhythmus, die Farbigkeit und dann auch die Markisen, die unterschiedliche Höhen haben. Da entsteht durch die Bewohner so eine Vielfalt in so einer Monotonie“, so der Künstler. Ausgedruckte Fotos solcher Fassaden sind die Basis für seine Arbeit.
In Budapest entdeckt er seine Faszination für Plattenbauten
Marc Dittrich hat in Stuttgart und Budapest studiert und fotografiert seitdem in ganz Europa präzise gerasterte Fassaden. Anschließend zerschneidet er die Ausdrucke mit dem Rollermesser zu Streifen, aus denen er dann neue Fassaden webt.
Es ist immer Ordnung und Chaos, die Hand in Hand gehen und das finde ich wirklich schön.
Dabei arbeitet er mit verschiedenen Techniken, mit Wiederholung und Abweichung. Er verändert Breite und Höhe der Fassaden, indem er einzelne Elemente kopiert und neu zusammensetzt, sodass Teile des Motivs, wie Balkone, Wäscheständer oder Stühle, immer wieder auftauchen.
Marc Dittrich schafft eigene architektonische Entwürfe
„Lustigerweise entstehen dann auch Stellen, die eigentlich völlig deckungsgleich wirken, obwohl da Motivteile aufeinandertreffen, die nie zusammengehören“, erklärt der Künstler.
„Das Tolle ist, dass ich eigentlich das Motiv ja mit dem, was ich da mache, zerstöre. Der Charakter des Motivs ist aber immer noch da“, sagt Marc Dittrich. Immer wieder gebe es sogar Leute, die sagen, sie sähen die Gebäude mit ganz anderen Augen, nachdem sie seine Kunstwerke gesehen hätten.
„Flechthäuser“: Falscher Name für die Werkserie
Die erste Serie von Arbeiten, die so entstanden ist, hatte Marc Dittrich „Flechthäuser“ genannt. Genau genommen sei das aber ein Fehler, denn die Arbeiten seien ja nicht geflochten, sondern gewoben.
Bei „Webbilder“ würden wohl die meisten aber eher an das englische Wort „Web“ denken und damit an digitale Bilder aus dem Internet. „Das ist ja genau das Gegenteil von dem“, sagt Dittrich. „Deswegen habe ich es eigentlich falsch benannt.“
Pixelartige Oberflächen aus Beton
Faszinierend sind Marc Dittrichs Werke in jedem Mal. Durch die vielen Ebenen von Papier entstehen pixelartige Oberflächen voller optischen Irritationen.
Und auf einmal wirken die gesichtslosen Betonburgen neu und schwebend leicht. „Dass die wegfliegen könnten, dass die gar nicht unbedingt verankert sind, das finde ich eigentlich eine schöne Idee“, sagt der Künstler.
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