"Friede sei mit Euch", sagte der Pontifex, der den Namen Leo XIV. angenommen hat, zu Zehntausenden jubelnden Menschen auf dem Petersplatz in seiner ersten Ansprache auf dem Balkon der Sankt Peter Basilika am frühen Donnerstagabend.
Große Herausforderungen und große Chancen
Freiburgs Erzbischof Stephan Burger zeigte sich erleichtert über die rasche Wahl des neuen Papstes Leo XIV., sie dauerte lediglich rund 24 Stunden. "Für viele Katholikinnen und Katholiken weltweit, aber auch bei uns in der Erzdiözese Freiburg, waren die vergangenen Wochen seit dem Tod von Papst Franziskus aufwühlend", sagte Burger. Der Papst stehe vor großen Herausforderungen, habe aber auch große Chancen, den christlichen Glauben zu verkünden. "Der neue Papst wird Brücken innerhalb der Kirche und in die Gesellschaft hinein bauen."
"Lasst uns eine synodale Kirche sein"
In seiner ersten Ansprache rief Papst Leo XIV. dazu auf, eine synodale Kirche zu sein, "eine Kirche, die unterwegs ist, eine Kirche, die immer den Frieden sucht, die immer die Nächstenliebe sucht, die immer die Nähe vor allem zu denen sucht, die leiden."
Viele Hoffnungen und Erwartungen
Er sei sehr dankbar, dass der neue Papst bereits in seiner ersten Ansprache auf der Loggia des Petersdoms den Begriff der "synodalen Kirche" aufgegriffen habe, sagte der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann laut einer Erklärung des Bistums. "Dies stimmt mich zuversichtlich, dass er auf dem von seinem Vorgänger begonnenen Weg der synodalen Erneuerung der Kirche entschieden und mutig weitergehen will." Auf Leo XIV. ruhten "viele Hoffnungen und Erwartungen", so Wiesemann.
Freude über die Wahl von Robert Francis Prevost
"Gerade seine klaren Worte zu einer synodalen Kirche, die voranschreitet und für alle Menschen da sein will, sind eine Aussage, die uns auch als Kirche in Deutschland den Rücken stärkt“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und bezeichnete die Wahl als "hervorragend". Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sprach von einer "klugen Wahl" und beschrieb den neuen Papst als "unprätentiös und herzlich". Er habe sich über die Wahl gefreut, sagte Ackermann.
Den neuen Papst erwarten viele Herausforderungen
Papst Franziskus hatte einige Veränderungen angestoßen, vollzog aber in vielen Fragen keine revolutionären Umbrüche, sondern ließ die grundlegende Doktrin unangetastet. Dennoch gingen die Reformschritte vielen Traditionalisten bereits zu weit. Viele Reformer wünschen sich hingegen, dass die Kirche unter dem neuen Papst weiter auf dem Weg des Vorgängers voranschreitet. Papst Leo XIV. erwartet die schwierige Aufgabe, die verschiedenen Strömungen zusammenzuführen.
Streitthema Weihe von Frauen
Die Öffnung von Leitungsfunktionen im Vatikan für Frauen war ein bedeutsamer Schritt von Franziskus. So wurde im Januar mit Schwester Simona Brambilla erstmals eine Frau zur Leiterin eines sogenannten Dikasteriums - also einer Vatikan-Abteilung - ernannt. Gleichwohl blieb die Frauenfrage unter Franziskus bestehen, da er das Thema der Weihe von Frauen zu Diakoninnen vertagte.
Streitthema gleichgeschlechtliche Paare
Franziskus erlaubte zwar die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, doch von da bis zur möglichen katholischen Trauung von Homosexuellen ist es ein sehr weiter Weg. Die Ehe blieb unter Franziskus strikt als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert.
Streitthema Zölibat
Die katholische Kirche leidet unter einem Mangel an Priestern. Viele sehen eine Lockerung des Zölibats - also des Ehe- und Sexualverbots für Geistliche - als Mittel gegen diese Krise. Geschehen könnte dies über die Zulassung von sogenannten viri probati - bewährten verheirateten Männern - zum Priesteramt. Die mögliche Aufweichung des Zölibats gehört zu den heißesten Eisen im Richtungsstreit der Katholiken.