SWR1 Sonntagmorgen am 02.08.2026

Ferien-Freizeiten: Was Kinder und Jugendliche davon haben

Endlich Sommerferien in Baden-Württemberg. Viele Kinder fahren ins Zeltlager oder Waldheim. Der Ludwigsburger Professor Wolfgang Ilg verrät, wie man gute Angebote erkennt.

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Von Autor/in Leonore Kratz

Weiße Zelte, Kinder mit bunten Rucksäcken und lange Tische voll mit Toastbrot und Tee. 55 Kinder und Jugendliche sind beim Zeltlager der katholischen Gemeinde St. Martin aus Mainz-Finthen dabei. In Rheinland-Pfalz sind schon ein paar Wochen Sommerferien. Die Kinder werden von rund dreißig ehrenamtlichen Leiterinnen und Leitern betreut. 

Unter ihnen Carlos und Franzi, sie beide sind mit 21 und 26 Jahren die Haupt-Verantwortlichen. Sie wissen noch genau, wie sie das Zeltlager als Kind erlebt haben. "Ich bin einmal mit ins Zeltlager gefahren und kam dann mit strahlenden Augen wieder und hab zu meinen Eltern gesagt: Mama, Mama bitte nächstes Jahr wieder", erzählt Carlos.   

Das Zeltlager im Sonnenlicht

Viele Ehrenamtliche sind von Kindheit an dabei

So eine Erfahrung ist typisch. Zeigt eine neue Studie zu Kinder-Freizeiten, veröffentlicht von Professor Wolfgang Ilg. Der Psychologe und Theologe lehrt an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Im Interview mit SWR1 Sonntagmorgen berichtete er, dass 80 Prozent der Ehrenamtlichen selbst als Kinder bei Freizeiten gewesen seien. Und mehr als die Hälfte der Jugendlichen hätten nach einer Freizeit Lust, später als Ehrenamtliche mitzumachen:

Freizeiten-Arbeit ist ein Motor für die Zivilgesellschaft und für die Steigerung des Ehrenamts.

Neue Freunde und manchmal Heimweh

Für die Studie wurden Kinder und Teenager in ganz Deutschland befragt, berichtet Wolfgang Ilg. Für die meisten seien Ferien-Freizeiten ein positives und prägendes Erlebnis: "Jugendliche berichten zu 88 Prozent, dass sie neue Freunde gefunden haben." Abseits von Schule und Familie könnten Heranwachsende intensive Erfahrungen machen. Bei der Heimkehr erlebten Eltern oft ein neues, reiferes Kind.

Ein Problem, das die Studie deutlich zeigt, sei Heimweh. Da gebe es einen sehr deutlichen Zusammenhang mit dem Alter: "Die Hälfte aller Achtjährigen erzählt von Heimweh, und ab so elf Jahren ist das überhaupt kein Thema mehr, nur noch für ganz wenige."

Hoher Bedarf bei Eltern

Die Sicht der Eltern auf Freizeiten sei kaum erforscht, so der Ludwigsburger Professor. Er ist nach eigener Aussage einer von wenigen Menschen in Deutschland, die zum Feld Freizeiten forschen. Aber: "Man bekommt einen Eindruck, wenn man sieht, wie viele Waldheime und Ferien-Freizeiten schon Monate im Voraus ausgebucht sind." Da sei eine große Zufriedenheit und ein hoher Bedarf bei den Eltern.

Ein Schild mit der Aufschrift Evangelisches Jugendheim
Rund 90.000 Kinder aus Baden-Württemberg sind jährlich mit der evangelischen Jugendarbeit unterwegs Funke Foto

Für Eltern von (jüngeren) Schulkindern in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist es eine organisatorische Höchstleistung: Rund 13 Wochen Schulferien im Jahr. So viel Urlaub hat kein Mensch, auch nicht als Paar zusammen. Die Ferien-Angebote können eine Entlastung sein. Das zeigen die Studien-Ergebnisse, so Professor Ilg: Rund 90.000 Kinder pro Jahr sind allein in Baden-Württemberg mit der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit unterwegs.

Drei Tipps für Eltern

Worauf muss ich als Mutter oder Vater achten, wenn ich mein Kind zur Freizeit schicke? Woher weiß ich, dass es dort gut aufgehoben ist? Wolfgang Ilg hat für uns in SWR1 Sonntagmorgen drei Tipps. Der letzte ist mit einem Augenzwinkern zu lesen, sagt er.

Erstens: "Fragen Sie Ihre Nachbarn." Qualität spreche sich rum. Nachbarn könnten berichten, wo frühere Generationen gute Erfahrungen gemacht haben.

Zweitens: "Schauen Sie auf den Betreuungsschlüssel." Das ist die Anzahl der Teilnehmenden, die im Schnitt von einem Mitarbeiter betreut werden. Gut sei alles bis zu eins zu sechs, also eine Ansprechperson auf sechs Kinder.

Und drittens: "Achten Sie auf die Öffentlichkeitsarbeit." Je schlechter die sei, desto besser sei meistens das Angebot. "Weil die ihre Kraft nicht in Instagram legen, sondern in die Pädagogik."