Charles Spencer veröffentlicht „Swan Song“

Lady Diana und die Medien: Ein Trauma, das bis heute nachwirkt

Die Memoiren von Charles Spencer holen einen alten Konflikt zurück in den Fokus: Wie viel Macht sollen die Medien über das Leben der Royals haben? Die Wunde reicht von Diana bis zu Harry und Meghan.

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Stand

Von Autor/in Lydia Huckebrink

Lady Diana (1961-1997)
Ihr tragischer Unfalltod am 31. August 1997 sorgte für eine der größten Krisen des britischen Königshauses: Lady Diana, erste Ehefrau des heutigen Königs Charles. ZUMA Press Wire

Dianas Bruder klagt die Royals an

Auch 29 Jahre nach ihrem Tod bleibt Lady Diana eine schmerzhafte Wunde für das britische Königshaus. Dianas Bruder Charles Spencer legt nun mit „Swan Song“ seine persönlichen Erinnerungen an seine Schwester vor und spart nicht mit Vorwürfen gegen die Königsfamilie.

Rücksichtslos und boshaft, so stellt Spencer den damaligen Kronprinzen und heutigen König Charles im Umgang mit seiner Exfrau dar. Nach Dianas Tod soll Charles wie ein „Lottogewinner“ geklungen haben und am Telefon gesagt haben: „Wir werden sie bald genug vergessen.“

Von links nach rechts: Prinz Phillip, Prinz William, Charles Spencer, Prinz Harry, Prinz Charles folgen dem Sarg von Diana
Er habe verhindern wollen, dass William und Harry hinter dem Sarg der verstorbenen Mutter durch London laufen müssten, schreibt Dianas Bruder (Mitte) in seinem Buch. Avalon.red

Vorwürfe reißen alte Wunden auf

Das britische Klatschblatt Daily Mail hatte schon vor Veröffentlichung des Buches einen Auszug verbreitet. Seitdem schlagen die Wellen hoch. Die Reaktion des Britischen Königshauses kam ungewöhnlich deutlich: Seine Majestät sei sich bewusst, „dass der Schmerz brüderlicher Trauer das Urteilsvermögen trüben, die Vernunft beeinträchtigen und die Erinnerung färben kann.“

Dass der Palast sich überhaupt öffentlich zu einer solchen Debatte äußert, ist bemerkenswert und widerspricht der gängigen Maxime des „Never complain, never explain“. König Charles will die schweren Vorwürfe nicht unkommentiert stehen lassen, offensichtlich reißen sie alte Wunden auf.

Dianas Tod war PR-Schaden für den Palast

Der tragische Unfalltod von Diana war nicht nur ein emotionaler Einschnitt, sondern auch ein massives Reputationsdesaster für das Königshaus. Während Großbritannien in eine nationale Trauerwelle stürzte, wirkte die Reaktion der Königsfamilie kühl und abweisend. Die Royals blieben abgeschirmt auf Schloss Balmoral und kümmerten sich um Harry und William, damals 12 und 15 Jahre alt, die gerade ihre Mutter verloren hatten.

In der Öffentlichkeit kam das schlecht an. Die Boulevardpresse warf der Königsfamilie vor, sich in einen Elfenbeinturm zurückzuziehen. Schlagzeilen wie „Where is our Queen? Where is her flag?“ („Wo ist unsere Königin? Wo ist ihre Flagge?“) prägten die Berichterstattung.

Königin Elisabeth II. und Prinz Philipp vor dem Blumenmeer am Buckingham Palace
Too little, too late: Die königliche Familie tat sich zunächst schwer, ihre Anteilnahme am Tod Dianas öffentlich zu zeigen. Avalon.red

Die Medien verehrten und verfolgten Diana

Doch die Medien haben die Krise der britischen Monarchie nicht nur kommentiert, sie waren ein Teil von ihr. Diana war einerseits Opfer, andererseits geschickte Akteurin in diesem Mediensystem. Sie stand im Zentrum einer aggressiven Boulevardpresse, die sie gleichzeitig verehrte und unerbittlich verfolgte.

Besonders nach der Trennung von Charles war sie zum Freiwild der sogenannten „Königsjäger“ geworden. Exklusive Fotos der Prinzessin ließen sich an die britischen Boulevardblätter teuer verkaufen. In der Nacht des Unfalls verfolgten Paparazzi Dianas Wagen auf Motorrädern. Für ihren tragischen Unfalltod sind sie mitverantwortlich.

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Diana inszenierte sich als verletzliches Opfer

Der britische Presserat hat als Reaktion auf diesen Unfall seine Regeln verschärft. Das Verhalten der Paparazzi in Bezug auf Diana wurde zum Symbol für die Auswüchse des Sensationsjournalismus. Die Privatsphäre von Prominenten ist heute besser geschützt, der Einsatz von Teleobjektiven nicht mehr ohne Einverständnis erlaubt – ebenso wenig die Veröffentlichung von Bildern Minderjähriger.

Andererseits wusste Diana, wie sie die Medien für sich nutzen konnte. Als ihre Ehe mit Charles kriselte, nutze sie ihre öffentlichen Auftritte, um Botschaften zu platzieren. Sie trat nicht nur als selbstbewusste Schönheit in Erscheinung, sie zeigte sich verletzlich, schwach und zweifelnd und nährte so ihre Rolle als Opfer der Königsfamilie.

Lady Diana und ihr kleiner Bruder Charles
Diana und ihr jüngerer Bruder Charles Spencer hatten seit Kindheitstagen ein enges Verhältnis zueinander. ZUMA Press Wire

Royals können nicht ohne die Medien

Diana hat gezeigt, dass die Royals die Medien nicht kontrollieren können. Aber auch, dass sie ohne Medien nicht funktionieren. Denn eine Königsfamilie, die vom Volk akzeptiert sein will, braucht Journalisten, die fotografieren, filmen und Geschichten über sie verbreiten.

Nach Dianas Tod hat die Königsfamilie erkannt, dass sie ihr öffentliches Narrativ zurückzugewinnen musste. Ihr Umgang mit den Medien hat sich grundlegend verändert. Das heutige, hochprofessionelle Newsmanagement entstand als direkte Reaktion auf das PR-Desaster um Dianas Tod.

Die Royals bestimmen seither stärker, was über sie erzählt wird. Man begann, aktiv Geschichten zu streuen, exklusive Einblicke zu gewähren und vor allem die sozialen Medien zu nutzen, um die Boulevardpresse zu umgehen.

Prinzessin Diana
„Swan Song. Diana, meine Schwester“: Knapp 30 Jahre nach ihrem Tod packt Dianas Bruder über King Charles aus. ZUMA Press Wire

„Mexit“ markiert neuen Tiefpunkt der medialen Berichterstattung

Die letzten 30 Jahre wurde auch daran gearbeitet, das Image von Charles und seiner zweiten Frau, Königin Camilla, zu verbessern. Mühsame PR-Arbeit, die jetzt durch die Anschuldigungen von Charles Spencer erneut Schaden nimmt.

Der legte in einem Interview mit der BBC nochmal nach: „Diana war nur eine Ware“. Zugleich spannt er den Bogen in die Gegenwart: Die Art, wie die Medien Diana damals behandelt hätten, erinnere ihn an deren Umgang mit seinem Neffen Harry und dessen Frau Meghan.

Es stimmt, dass mit dem „Mexit“ das Verhältnis zwischen Königshaus und Medien im Jahr 2020 einen neuen Tiefpunkt erreichte. Britische Boulevardmedien berichteten äußerst kontrovers über das Paar. Harry und Meghan machten den aggressiven Rassismus der Presse für ihren Rückzug aus der ersten Reihe der Royals verantwortlich. Harry ging sogar gerichtlich gegen illegale Methoden vor, mit denen Medienhäuser ihre Informationen beschafften.

Prinzessin Diana
Harry und Meghan erhoben 2021 im Interview Oprah Winfrey schwere Vorwürfe gegen das britische Königshaus. ZUMA Press Wire

Parallelen zwischen Diana und Meghan?

Auch Harry hat seinen Vater und die Royals scharf kritisiert. Sie hätten ihn und Meghan nicht ausreichend vor der Presse geschützt. Immer wieder sprach er über die Folgen des Todes seiner Mutter und seine Angst, dass die Geschichte sich wiederholen könnte. Er habe seine Familie „in Sicherheit“ bringen wollen.

In dem Interview mit der BBC stellt sich Charles Spencer ausdrücklich an die Seite seines Neffen. Die mediale Berichterstattung habe „krebsartige Auswirkungen auf ihr Leben“ gehabt, sagt er über Harry und Meghan. Für Spencer sind das deutliche Parallelen zu der Geschichte seiner Schwester Diana.

Spencers Memoiren holen die alte Debatte um Diana nun wieder in die Gegenwart. Die Verwerfungen zwischen Harry und seinem Vater zeigen, dass der alte Konflikt zwischen Royals und Medien keineswegs gelöst ist.

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