Regina Seelos arbeitet in Flein, in der Nähe von Heilbronn, als Übersetzerin und Dolmetscherin für Englisch und hat sie sich auf die Fachgebiete Recht und Wirtschaft spezialisiert. Ihrer Erfahrung nach versuchen immer mehr Menschen einfache Übersetzungen mit Übersetzungsprogrammen aus dem Internet selbstständig zu lösen. "Wir professionellen Übersetzer müssen deshalb auf unseren Fachgebieten noch besser sein", sagt Seelos im Interview mit SWR 1 Feiertagsmorgen. Sie ist Mitglied im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer. Aus ihrer Sicht können "die Maschinen" vieles bereits ohne menschliche Hilfe übersetzen, mit Programmen aus dem Netz, die auch auf dem Smartphone zur Verfügung stehen.
Spüren, was Menschen wirklich meinen
Doch für die Feinheiten und für ein besonders gutes Textverständnis und die Vermittlung des wirklich Gemeinten seien professionelle Übersetzer weiterhin unverzichtbar. Seelos stellt in ihrem Arbeitsalltag immer wieder fest, dass sich Sprache verändert, deshalb sei es wichtig, am Ball zu bleiben, viel in der jeweiligen Sprache zu lesen, Podcasts zu hören und zu erfahren, wie genau sich Sprache auch verändern kann. Auch das Reisen sei wichtig für Dolmetscher. Als Übersetzer muss man ihrer Ansicht nach immer auch erspüren, was die Menschen wirklich meinen, was sie in der jeweiligen Originalsprache tatsächlich ausdrücken wollen – um es dann richtig ins Deutsche übersetzen zu können.
Herz für Manga
Dass die Menschheit durch die Arbeit von Übersetzern und Dolmetschern immer stärker zusammenwächst, erlebt auch Anja Truong, Übersetzerin und Dometscherin aus Heidelberg seit Jahren in ihrem Bereich. Truong ist spezialisiert auf japanische Manga und Anime. Dabei handelt es sich aus deutscher Sicht um kunstvolle Erzählweisen in Bild und Schrift, die einem ganz anderen Kulturbereich entspringen, dem asiatischen Lebensraum. Truong arbeitet seit vielen Jahren schon als Übersetzerin, um Manga-Arbeit für den deutschen Kunstmarkt zu erschließen. Da Manga immer beliebter in der Welt geworden ist, erlebt der Markt dafür sehr lebendige Zeiten.
Mehrere Tausend Schriftzeichen im Japanischen
Während es im Japanischen tausende von Schriftzeichen gibt, die verwendet werden, kommt das Alphabet für die Deutsche Sprache mit 26 Grundstufen aus. Das bedeutet einen sehr aufwändigen Lernprozess für Dolmetscher, die diese beiden Kulturkreise miteinander verknüpfen müssen. Aber es macht die Arbeit auf diesem Gebiet aus Sicht von Anja Truong aber auch besonders interessant. Vor jeder neuen Übersetzungsarbeit überlegt sich Anja Truong, was dem deutschen Publikum inzwischen an japanischer Kultur bekannt ist und was noch nicht. Die Dinge verändern sich ihrem Eindruck nach – sehr dynamisch zum Teil, sagt Truong: „Während vor 10, 15 Jahren kaum jemand bei uns in Deutschland wußte, was "Ramen" ist, gibt es in deutschen Städten inzwischen fast an jeder Ecke ein Lokal, das Ramen anbietet. Deshalb müsse man diese japanische kulinarische Besonderheit nicht mehr groß erklären, kann Wissen darüber beim Übersetzen voraussetzen.
Die Bedeutung von Worten und Inhalten ist wichtig
Eine große Herausforderung sei, dass, eine sehr wörtliche Übersetzung oft nicht wirklich funktioniere. "Wir Übersetzer müssen uns deshalb um die genauen Bedeutungen von Wörtern kümmern, übersetzen also oft Inhalte im Kontext." Und das sei schon anspruchsvoll. Wer Manga kennenlernen will, hat inzwischen in Deutschland eine gute Auswahl in vielen Buchläden – und wird dabei oft auf den Namen Anja Truong stoßen.
Kulturelle und sprachliche Barrieren überwinden
Wenn Dolmetscher nicht weiterkommen, weil das Problem tiefer liegt, können sich Institutionen an den Verein „Kultur und Sprachmittler“ in Mainz wenden. Gegen eine Gebühr können sie einen Kultur- und Sprachmittler buchen. Bei ihren Einsätzen geht es meistens nicht nur um die sprachliche Vermittlung, sagt die Vereinsmitgründerin Sima Hosseini. Sie koordiniert einen Pool von rund 170 Übersetzern mit 70 verschiedenen Sprachen. Wenn Hilfe nicht angenommen wird, liege ihrer Erfahrung nach meistens ein Problem dahinter, das auf den ersten Blick nicht sofort sichtbar sei. Doch wenn es gelinge, das anzusprechen und zu überwinden, dann sei das sehr erfüllend.