SWR1 Sonntagmorgen am 09.08.2026

Hitzewelle: Soziale Unterschiede werden spürbarer

Die Hitzewelle trifft die Menschen unterschiedlich hart. Im Straßenbau und in der Landwirtschaft herrschen ganz andere Arbeitsbedingungen als im klimatisierten Büro.

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Von Autor/in Utku Pazarkaya

Die finanzielle Situation und die Arbeit haben Einfluss darauf, wie stark Menschen der Hitze ausgesetzt sind. Ärmere Haushalte wohnen eher in schlechter isolierten Gebäuden in dicht bebauten Stadtvierteln - ein Problem bei Hitze. Und Berufe, die körperlich belastend sind, können bei Hitze noch viel anstrengender sein.

Die meisten Menschen in der Bauwirtschaft arbeiteten im Außenbereich und hätten die direkte Sonneneinstrahlung, erklärt Karten Berlin von der Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt. Ob Asphaltbauer oder Saisonarbeiter in der Landwirtschaft - sie alle hätten kaum eine Rückzugsmöglichkeit vor der Hitze. Daher seien Schutzbekleidung, ausreichende Trinkpausen und zusätzliche Erholungspausen wichtig.

Soziales Problem

"Ich finde schon, dass das ein großes soziales Problem ist, wenn wir uns mal die unterschiedlichen Arbeitswelten angucken, zum Beispiel in der Bauwirtschaft, in der Landwirtschaft, aber auch im Büroarbeitsplatz", meint Karsten Berlin.

Gefahren durch die Hitze

Je länger Menschen den körperlichen Belastungen bei Hitze ausgesetzt seien, desto höher sei auch die Unfallgefahr durch Konzentrationsverlust, warnt Berlin, Fachreferent für Arbeits- und Gesundheitsschutz. Außerdem könnten langfristige Gesundheitsschäden entstehen. Herz-Nieren-Stoffwechselerkrankungen würden auch ausgelöst durch extreme Hitzeereignisse, sagt Karsten Berlin.

Dachdecker arbeiten unter der sengenden Sonne bei über 30 Grad auf dem Dach eines Hauses.
Dachdecker arbeiten unter der sengenden Sonne bei über 30 Grad auf dem Dach eines Hauses. picture alliance/dpa | Benjamin Westhoff

Gewerkschaft fordert Sommerausfallgeld

Karsten Berlin fordert angesichts des Kilmawandels Sommerausfallgeld für alle Branchen seiner Gewerkschaft. "So wie wir es ja schon bei den Dachdeckern und im Gerüstbau implementiert haben." Arbeitgeber hätten außerdem dafür zu sorgen, dass genügend Pausen gemacht werden könnten und dass genügend verschattete Plätze vorhanden seien und dass Klimaanlagen in Baucontainern verbaut seien. "Das ist kein Luxus, sondern das ist überlebenswichtig für die Beschäftigten am Bau und in der Landwirtschaft."

Am Ende geht es genau darum: Wer morgens gesund zur Arbeit geht, muss auch bei 35 oder 40 Grad abends wieder gesund nach Hause kommen dürfen.

Klimaziele einhalten

Die Klimaziele müssten dringend eingehalten werden, fordert Berlin. Dafür brauche es wiederum viele Bauarbeiter und auch Menschen aus dem landwirtschaftlichen und gärtnerischen Bereich. "Es geht darum, die Innenstädte besser klimaresilient zu machen. Das heißt, wir brauchen mehr Stadtgrün, wir brauchen Dach- und Fassadenbegrünung, wir brauchen mehr verschattete Plätze. Ganz viele Maßnahmen, die alle mit dem Klimawandel zusammenhängen, um in Zukunft noch in den Städten vernünftig leben zu können."

Care-Arbeit und Hitzestress

Auch die Mehrfachbelastung durch Erwerbs- und Sorgearbeit ist bei Hitze herausfordernd. Das Kümmern um die Kinder, Abliefern in der Kita, vielleicht noch der Bürojob und das Kochen zu Hause, sei eine zusätzliche soziale Komponente zum Hitzestress, die noch mal erschöpfender sei, sagt Prof. Hanns-Christian Gunga von der Charité.

SWR Aktuell-Team Vanja Weingart

Vanja Weingart

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Utku Pazarkaya
Porträt Utku Pazarkaya
Redakteur/in
Michael Lehmann