Großer Eklat
1974 kam es zum Eklat. Sogar Außenminister Genscher schaltete sich ein und rügte das Goethe-Institut. Das hatte mit 10.000 Mark den Katalogdruck zu einer Londoner-Ausstellung unterstützt, die unter anderem Werke des Plakatkünstlers Klaus Staeck zeigte. „Der Kalte Krieg macht uns erst richtig heiß“ war da zum Beispiel zu lesen und darunter der messerwetzende Franz-Josef Strauß, damals CSU-Vorsitzender.
Was erlaubt sich das Goethe-Institut?
Er halte die Plakate für „diffamierend“, ließ Genscher verlauten. Und er werde in Zukunft unterbinden, dass ähnliche Ausstellungen durch deutsche Steuergelder gefördert würden. Das Goethe-Institut sei schließlich zu parteipolitischer Neutralität verpflichtet.
Diese Episode ist über 50 Jahre alt, man kann sich aber gut vorstellen, sie wäre erst gestern geschehen. Die Diskussion um die (vermeintliche) Neutralität staatlich geförderter Institutionen ist ja auch gegenwärtig sehr lebhaft. Und damit verbunden natürlich auch die Frage nach der Unabhängigkeit dieser Einrichtungen.
Verlängerter Arm der deutschen Außenpolitik
„Mal ist die Leine länger, mal kürzer“, bemerkt Carola Lentz dazu trocken. Die deutsche Ethnologin war zwischen 2020 und 2024 Präsidentin des Goethe-Instituts, setzte damals wichtige Akzente in puncto Dekolonialisierung und Erinnerungspolitik, musste aber auch ein – aus Sicht der Politik – „ehrgeizges“ Sparprogramm umsetzen, inklusive vieler Institutsschließungen.
Generalsekretär des Goethe-Instituts Johannes Ebert | 13.7.2026 Das Goethe-Institut: deutscher Kulturbotschafter in Krisenzeiten
75 Jahre Goethe-Institut: Mit zahlreichen Veranstaltungen blickt das weltweit tätige Kulturinstitut 2026 auf seine Geschichte zurück. Wir tun das mit Generalsekretär Johannes Ebert.
Der Versuch politischer Einflussnahme, vor allem durch das Auswärtige Amt, ziehe sich durch die nun 75-jährige Geschichte des Instituts, sagt sie. Es komme immer wieder vor, dass man den Verein als verlängerten Arm deutscher Außenpolitik betrachte. Das sei schon zu Kohl-Zeiten so gewesen, aber spürbar auch in der Amtszeit von Annalena Baerbock. Und die Finanzierung ist hier natürlich der entscheidende Hebel.
Aktiv an 154 Standorten
Dabei handle es sich beim Goethe-Institut gerade nicht um eine staatliche Einrichtung, sondern um eine sogenannte „Mittlerorganisation“, wie der Kulturwissenschaftler Julius Heinicke betont. Auch er macht die Eigenverantwortung des Vereins stark. Der widmet sich seit der Gründung am 6. August 1951 vor allem drei Aufgaben: Sprachunterricht, die Vermittlung eines aktuellen Deutschlandbildes und Kulturaustausch vor Ort.
Gesche Joost, Präsidentin Goethe-Institut | 18.11.2024 Das Goethe-Institut: Deutsche Kultur im Ausland in schwierigen Zeiten
Die Goethe-Institute repräsentieren weltweit die deutsche Kultur im Ausland. Jetzt müssen sie massiv sparen. Welche Folgen das hat, fragen wir die neue Präsidentin Gesche Joost.
154 Institute in 100 Ländern widmen sich dieser Arbeit aktuell. Unter anderem in Tel Aviv, wo Meron Mendel einst Deutsch gelernt hat. Später ging er nach München, um zu studieren, und seit 2010 leitet er die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt und ist einer der wichtigsten öffentlichen Intellektuellen hierzulande, engagiert vor allem im interreligiösen Dialog. Sein Beispiel zeigt gut, welche Biografien das Goethe-Institut (mit-)ermöglicht.
Sichtbarer als die Botschaften
„Dass Deutschland hauptsächlich durch das Goethe-Institut sichtbar wird, ist in vielen Ländern gang und gäbe“, meint Mendel, und ergänzt: „Das Sparen am Goethe-Institut wird Deutschland nicht helfen, so viel kann ich aus eigener Erfahrung sagen.“