In diesem Beitrag geht es um das Thema Essstörung.
Mit Essstörung im Ernährungsbereich arbeiten?
Mit 15 Jahren erkrankt Karin an einer Essstörung, die sich zu einer Bulimie entwickelt. Mit 18 Jahren macht sie eine Ausbildung zur Diätassistentin. Damit wolle sie ihre Essstörung bewältigen, erklärt sie. Sechs Jahre später soll sie dort die Leitung in einer Diätküche übernehmen, aber sie kündigt ihren Job: „Nach einer Therapie war klar, dass ich in dem Beruf mit meiner Situation nicht gut passe.” Im Rückblick erzählt die 63-Jährige: „Du bist toll, wie du bist, und mehr braucht es nicht. Das würde ich mir gerne sagen.” Eine Diätküche ist meist ein abgegrenzter Teil in einer Großküche, oft auch in Krankenhäusern, in dem Mahlzeiten für eine besonders angepasste Ernährung zubereitet werden.
„Da ist noch etwas, das mich ruft.”
Danach wechselt sie ihr Berufsfeld und ist 20 Jahre als Industriekauffrau und Betriebswirtin tätig. Eigentlich wollte Karin bald in den Ruhestand gehen. Während der Corona-Zeit hatte sie jedoch den Eindruck, dass Essstörungen wieder zunehmen, erklärt sie. Daher fängt Karin mit 59 Jahren noch einmal neu an und macht sich als Anti-Diät-Ernährungstherapeutin selbstständig. Die Entscheidung, beruflich wieder in den Bereich Ernährung zurückzukehren, trifft sie nach einer persönlichen Erfahrung aus ihrem Umfeld: „Weil eine junge Frau, mit der ich sehr eng verbunden bin, einen ähnlichen Weg entwickelt hat wie ich, und ich konnte sie da gut unterstützen durch offene Gespräche.” Als Ernährungstherapeutin unterstützt sie unter anderem Betroffene dabei, therapeutische Hilfe zu finden.
Intuitiv essen statt Diät
Karin beschäftigt sich heute mit dem Konzept des intuitiven Essens. Dabei wird der Fokus auf das persönliche Wohlbefinden beim Essen gesetzt. Das Konzept stellt das Gegenteil einer Diät dar. „Frieden mit dem Essen schließen”, rät Karin heute aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus.
Essstörungen haben viele Gesichter. Wenn du merkst, dass du selbst oder jemand in deinem Umfeld unter einer Essstörung leidet, bekommst du anonym Unterstützung beim Beratungstelefon des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit: 0221 892031.
Früher hatte sie eine Essstörung, jetzt ist sie Ernährungstherapeutin
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