Ich war 14 Jahre alt, aber ich musste Entscheidungen treffen wie ein 25-Jähriger.
Ardawan wächst nahe dem Sindschar-Gebirge mit seinen vier Geschwistern im Nordirak auf. Er sagt, er hatte eine sehr schöne Kindheit: „Ich bin zur Schule gegangen, hatte Freunde, ein Fahrrad, ein tolles Elternhaus.“ Er und seine Familie sind Jesiden.
IS-Angriff auf die Jesiden und Jesidinnen im Irak
Am 3. August 2014 greift die terroristische Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) die Region an, in der Ardawan mit seiner Familie lebt. Tausende Jesidinnen und Jesiden werden verfolgt, verschleppt oder getötet. Auch Ardawans Familie muss fliehen. „Wir haben 14 Jahre in diesem Haus gelebt. Und in einer Stunde mussten wir raus. Das werde ich nie vergessen.“ Die Familie flieht ins Gebirge. Ihre Fahrzeuge bleiben liegen, sie gehen zu Fuß weiter, doch sie werden von IS-Kämpfern gefasst.
Sieben Monate IS-Gefangenschaft
Kurz darauf wird Ardawan von seiner Familie getrennt. Sieben Monate ist er in Gefangenschaft. Er berichtet von Hunger, Gewalt, Missbrauch und Zwangsarbeit.
Ich habe in sieben Monaten sehr viel Ungerechtigkeit gesehen. Plötzlich musst du Dinge sehen und erleben, die ein Mensch nicht ertragen kann.
Die Kämpfer sagen zu ihnen, sie müssen den Islam annehmen oder werden getötet, berichtet Ardawan. Er stellt klar: „Ich habe kein Problem mit dem Islam. Terroristen haben die Religion missbraucht.“
Tag der Befreiung: „An an dem Tag bin ich wieder neugeboren worden“
Am 28. Februar 2015 wird er befreit. Er nennt diesen Tag seinen „zweiten Geburtstag“. Über ein Sonderkontingent für besonders schutzbedürftige Kinder kommt er nach Baden-Württemberg. „Ich bin dankbar für diesen Tag und für das Land, das mich aufgenommen und mir ein neues Leben geschenkt hat. Hier konnte ich mir Schritt für Schritt einen neuen Lebensweg aufbauen.“ Heute lebt er in Freiburg und arbeitet bei der Bundesagentur für Arbeit. „Mir ist egal, welche Religion oder Herkunft jemand hat. Ich begegne allen Menschen auf Augenhöhe.“
Ardawan wünscht sich für Frieden. „Es tut mir sehr leid und weh, dass es irgendwo auf der Welt Krieg und Leid gibt. Die Welt ist so schön: Wir sollten uns mit mehr Liebe begegnen.”
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