Vor 20 Jahren baute sich Hans (77) eine alte Schwimmhalle zu seiner Wohnung um. Ausschlaggebender Grund für den Kauf war die Scheidung von seiner damaligen Frau. Hans musste ausziehen und entdeckte hinter einer unscheinbaren Fassade das alte Hallenbad in Krumbach, in der Nähe von Ulm.
Altes Wohnhaus von Hallenbad getrennt
„Ich bin dann schon das ein oder andere Mal dort vorbeigelaufen und hab mir gedacht: Meine Güte, das ist schon was Besonderes.“ Hans kannte die Besitzer und konnte für knapp 200.000 Euro das gesamte Gebäude mit Schwimmbad erwerben und den Umbau finanzieren. Ursprünglich bestand das Haus aus einem großzügigen Wohnbereich und dem Freizeitbereich mit Pool und Badeanlagen. Hans unterteilte das Haus in diese Bereiche und lebt selbst nun ausschließlich im ehemaligen Schwimmbad. Der klassische Wohnbereich des Hauses wird von einer anderen Familie bewohnt.
Wohnen in einem alten Schwimmbad
Hans gefiel der lichtdurchflutete Schwimmbadraum. Deshalb ließ er die Komplettverglasung zweier Seiten mitsamt den damals schon vorhandenen gelben Vorhängen bestehen. Die Vorhänge schließt er allerdings nie, Blicke von außen stören ihn nicht.
Hans selbst ist studierter Maschinenbauer und seine handwerklichen Fähigkeiten sind überall zu erkennen: Auf den ersten Blick ist kaum ersichtlich, dass in diesem Raum einmal ein Schwimmbad gewesen sein soll. Über das Pool-Becken baute Hans ein großes Holzpodest. In diesem sind an den Seiten mit Bastkörben gefüllte Schubfächer untergebracht, ein idealer Stauraum. Auf dem Podest selbst stehen größtenteils recycelte Möbel vom Trödelmarkt, die Hans günstig erstand und danach aufpolierte. Auch hier wird Hans’ Tüfteltalent deutlich: Aus einem alten Rad baute er zum Beispiel einen Heimtrainer.
Leidenschaft für alte Möbel und Sammlerautos
Eine alte Sammlung an kleinen, sorgsam gepflegten und hinter einer Glasscheibe sicher verwahrten Sammlerautos verrät eine weitere Leidenschaft von Hans: „Ich verstecke sie dahinter, weil ansonsten schon längst eines meiner vielen Enkelkinder gekommen wäre und mir meine Sammlung entwendet hätte.” Hans ist Vater von vier Söhnen, die alle wiederum Kinder haben. Daher ist oft viel los im alten Schwimmbad.
Auch das ehemalige Schwimmbecken ist als Wohnraum eingerichtet
Am Einstieg zum Schwimmbecken baute Hans eine Luke in das Podest ein, die sich hochklappen lässt. So kann man abtauchen ‘ins Badevergnügen’, wie Hans immer sagt. Das Becken ist 4 Meter breit und 7 Meter lang. Darin steht nun ein Tisch, auf dem fein säuberlich gezeichnete Pläne für Hans nächste Projekte liegen. Er denkt gerade über ein Sonnendeck auf dem Dach und eine Solaranlage nach.
Ein besonderes Highlight seiner Schwimmbad-Wohnung ist das „Tiefbeet“. Mitten im Wohnbereich befindet sich im Boden ein ganzes Beet voller großer Pflanzen, das in die Fliesen eingelassen ist. Dahinter versteckt sich eine große Auswahl an Fitnessgeräten. Hans war sein Leben lang Fußballtrainer, spielt auch heute noch selbst und trainiert sogar den Nachwuchs. Auf die Frage hin, ob seine Liebe zum Sport ihn auch zum Kauf des Schwimmbades gebracht hat, erwidert er nur: „Eigentlich nicht. Ich schwimme nicht gerne.”
Der eigentliche Pool ist noch funktionsfähig
Rein theoretisch könnte das Becken aber jederzeit wieder befüllt werden. Alle dafür nötigen Gerätschaften und Leitungen sind noch vorhanden. Aber Hans entschied sich relativ schnell dagegen: „Das wäre heute auch viel zu teuer!” Wenn Hans dann doch mal von der Badelust gepackt wird, versteckt sich unter den Liegeflächen seiner ebenfalls nicht genutzten Sauna eine alte Zink-Badewanne. Diese kann er sich mit einem eigens in die Sauna gelegten Zufluss aus der Dusche befüllen.
70er-Jahre-Design und -Einrichtung erhalten
Die 70er-Jahre-Toilette mit verspielten Schnörkelfliesen und magentafarbenen Trockenblumen hat er wie eine Art ironischen Kommentar aus alten Zeiten erhalten. Auch die Dusche ist ungewöhnlich und noch im Schwimmbad-Stil der 70er erhalten geblieben. Einen Warmwasserzufluss kann Hans sich zur Dusche zuleiten, aber meistens duscht er kalt.
Moderate Heizkosten trotz Vollverglasung
Die Heizkosten von Hans‘ Glasbau werden maßgeblich von äußeren Einflüssen wie der Sonne bestimmt. Wenn die Sonne scheint, erwärmt sich das Hallenbad durch die großen Glasfronten selbst im Winter auf recht angenehme Temperaturen. An besonders kalten Tagen wird dann auch mal der Holzofen im rustikal anmutenden Aufenthaltsraum oberhalb des Poolraums angeworfen und die Vorhänge zum offenen Raum hin zugezogen. „Meine Eltern haben immer zu mir gesagt: Junge du verfriersch doch! Aber mir gehts super! Ich frier nie!”
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