Scheingeschäfte für Öl-Deals?

Niedersächsische Volksbank wegen Iran-Geschäften in der Kritik

Die Volksbank in Schaumburg und Nienburg hat jahrelang Iran-Geschäfte abgewickelt. Dies zeigen zahlreiche interne Unterlagen, die REPORT MAINZ vorliegen. Experten kritisieren.

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Text der Pressemeldung:

Die Volksbank in Schaumburg und Nienburg hat jahrelang Iran-Geschäfte abgewickelt. Dies zeigen zahlreiche interne Unterlagen, die REPORT MAINZ vorliegen. Experten kritisieren, ein Verdacht auf Scheingeschäfte liege nahe.

So hat die Volksbank in den Jahren 2024 mehrere Pistaziengeschäfte abgewickelt. Dabei hat eine iranische Firma laut Unterlagen Pistazien an ein chinesisches Unternehmen verkauft, das Geschäft lief allerdings über ein verschachteltes Konstrukt, an dem zwei deutsche Unternehmen als angebliche Zwischenhändler beteiligt waren.

Dieses Konstrukt bewerten Experten als sehr fragwürdig: “Wenn man das gesamte Schema sieht, müsste man sofort das Geschäft stoppen, weil es eine klassische Verschleierungstaktik ist”, sagt Rebecca Schönenbach. Die Expertin berät Sicherheitsbehörden zum Thema Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Auch Viktor Winkler, früher Leiter der Abteilung Sanktionen bei der Commerzbank, kritisiert die Geschäfte: “Die Struktur, die ich gesehen habe, würde durch keine Außenwirtschaftsprüfung durchgehen. Sie schreit geradezu danach, dass dort eine Organisation gewählt worden ist und eine Verteilung der Transaktionen, die sehr häufig für Sanktionsumgehungen genutzt wird.”

Insider: Scheingeschäfte für Öldeals

Ein Insider, der die Details des Pistaziendeals kennt, erzählt REPORT MAINZ: Die beteiligten Firmen hätten nur Scheingeschäfte getätigt, um reale Öltransaktionen mit dem Iran zu verschleiern. Auch die Finanzaufsicht BaFin warnt generell davor, dass Pistazien häufig im Zusammenhang mit sanktionierten Waren wie Ölprodukten auftauchten, es sich oft um Umgehungsgeschäfte handele, abgewickelt über umständliche Zahlungswege.

Insgesamt sollen über angebliche Pistazien- und Zuckerdeals Transaktionen in Höhe von jeweils mehreren Millionen Euro über die Volksbank Schaumburg und Nienburg und eine iranische Bank in den Iran getätigt worden sein. Recherchen von REPORT MAINZ zeigen mehrere Ungereimtheiten in den Dokumenten. So stimmen die angegebenen Mengen nicht mit Exportstatistiken überein. Ein angegebenes Frachtschiff war am angegebenen Tag der Verladung gar nicht im Hafen. Auch ein am Geschäft beteiligter Berater räumt gegenüber REPORT MAINZ zahlreiche “Auffälligkeiten und Unstimmigkeiten” ein. Die Überweisungen über die Volksbank in Schaumburg und Nienburg wurden trotzdem durchgeführt.

Volksbank steigt aus Iran-Geschäft aus

Auf Anfrage von REPORT MAINZ teilt die Volksbank mit, dass für Geschäfte mit Iran-Bezug „kein grundsätzliches aufsichtsrechtliches Verbot“ bestanden habe. Allerdings hätten die Geschäfte „über die Jahre hinweg stetig steigenden Prüf- und Überwachungsanforderungen“ unterlegen. Hinweise auf mögliche Unstimmigkeiten würden „strukturiert und sorgfältig“ geprüft. Zu einzelnen Geschäftsbeziehungen, Transaktionen oder internen Bewertungen könne man sich nicht äußern. Im Frühjahr 2025 habe der Vorstand die Entscheidung getroffen, sich aus dem Iran-Geschäft zurückzuziehen. Man habe die Risikosituation neu bewertet.  

Private Großbanken hatten die Iran-Geschäfte schon vor etlichen Jahren eingestellt. Mehrere Volksbanken aber gingen weiter das Risiko ein. 

Erstmals publiziert am
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Autor/in
SWR