2025 war ein Jahr, in dem sich viele der Verwerfungen und Unsicherheiten der vergangenen Jahre weiter zugespitzt haben. Geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Bruchlinien, gesellschaftliche Polarisierung und der Trend zur Radikalisierung im Netz greifen ineinander. Die Selbstverständlichkeit, mit der unsere Demokratie über Jahrzehnte angenommen und gelebt wurde, ist ins Wanken geraten. Vertrauen in Institutionen wird in Frage gestellt – auch in die Medien.
Gleichzeitig verändert sich die digitale Welt mit enormer Geschwindigkeit. Künstliche Intelligenz prägt, wie wir arbeiten, kommunizieren und Informationen wahrnehmen. Immer mehr Menschen beziehen ihre Nachrichten über individualisierte Feeds, algorithmisch sortierte Timelines oder KI-basierte Assistenten.
Gerade in einem solchen Umfeld ist unser Auftrag als öffentlich-rechtlicher Rundfunk klar: Wir geben Orientierung, bieten verlässliche Informationen, erklären und ordnen ein – und schaffen Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven respektvoll aufeinandertreffen.
Struktur-Update: Der SWR stellt sich neu auf
Mit dem neuen SWR Staatsvertrag haben wir eine historische Chance genutzt, unseren Sender strukturell neu zu denken. 2025 war ein Jahr des Aufbruchs: Im November haben wir eine neue Organisationsverfügung verabschiedet, mit der wir unsere Strukturen schlanker, effizienter und zukunftsfähiger aufstellen.
Unser „Struktur-Update“ bedeutet mehr als nur organisatorische Umbauten: Es ist ein umfassender Transformationsprozess, mit dem wir unsere Arbeitsweise konsequent an den Bedürfnissen unseres Publikums ausrichten. Regionalität bleibt dabei unser Markenkern. Auch in einer digital geprägten Medienwelt ist die Nähe zu den Menschen im Südwesten unser größtes Kapital: lokale Berichterstattung, regionale Identität, Inhalte aus der Lebenswelt der Menschen – im linearen Programm und in den non-linearen Angeboten.
Gemeinsam stärker: ARD, StreamingOS und Kooperationen
Der SWR steht mit dieser Transformation nicht allein da. Als Teil der ARD gestalten wir den Wandel des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aktiv mit. Die Arbeitsgemeinschaft ist in den vergangenen Jahren enger zusammengerückt: Wir bündeln Kompetenzen, teilen Ressourcen und entwickeln gemeinsame technische Lösungen, etwa bei Produktion, IT und Verwaltung. So erhöhen wir Effizienz und Transparenz – und schaffen Spielräume für Inhalte.
Ein Schlüsselprojekt dieser digitalen Neuausrichtung ist das gemeinsame Plattformprojekt „StreamingOS“, das der SWR federführend mit ZDF und Deutschlandradio vorantreibt. Ziel ist ein technisches Fundament, das öffentlich-rechtliche Inhalte auffindbar, vernetzt und nutzerfreundlich macht – und langfristig auch Kooperationen mit kommerziellen Medien und zivilgesellschaftlichen Akteuren ermöglicht. Wichtig sind uns dabei offene Standards, transparente Algorithmen und ein fairer Umgang mit Daten.
In einer Welt, in der große Plattformkonzerne die Spielregeln bestimmen, wollen wir eine Alternative sein: ein Ort, an dem Vielfalt, journalistische Qualität und Gemeinwohlorientierung im Mittelpunkt stehen – nicht allein Reichweite und Klicklogik.
Den Menschen im Südwesten verpflichtet
Die tiefgreifenden Veränderungen, die wir durchlaufen, wären ohne die Mitarbeitenden des SWR nicht möglich. Sie haben auch 2025 Herausragendes geleistet – in Redaktionen, Studios, Technik, Verwaltung und Produktion. Sie stellen sich auf neue Arbeitsweisen ein, entwickeln innovative Formate und tragen unsere journalistischen, technischen und kreativen Standards in eine digitale Zukunft. Wir wissen, dass Veränderung anstrengend ist und Verunsicherung auslösen kann. Umso mehr ist es unsere Aufgabe, diesen Prozess transparent zu gestalten, zuzuhören, mitzunehmen – und gemeinsam Lösungen zu finden.
Der SWR wird auch in den kommenden Jahren ein verlässlicher Begleiter sein: für alle Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, für alle Generationen, in der Stadt wie auf dem Land. Wir wollen ein Ort sein, an dem sich Menschen informiert, ernst genommen und verbunden fühlen. Wir wollen zuhören, begleiten, Orientierung bieten und Räume für Dialog schaffen. In einer Zeit, in der sich viele fragen, wem sie noch glauben können, arbeiten wir jeden Tag daran, uns dieses Glauben-Können zu verdienen.
Der Geschäftsbericht 2025 dokumentiert, wie wir diesen Anspruch konkret einlösen: programmlich, strukturell, wirtschaftlich.