Diskussion und Debatte sind nicht gleich Streit, und man muss auch andere als die erwarteten Perspektive zulassen. Dafür plädierte SWR-Intendant Kai Gniffke bei „Handwerk trifft SWR“ im Mainzer Funkhaus. Und er brachte gleich selbst so eine Perspektive mit – die seines Schwagers, Mittelständler in Ochtendung, der mutmaßlich wegen des Bürgergelds keine Lagerarbeiter finde.
Diese Offenheit belebte die Diskussion zwischen den mehr als 70 Handwerkerinnen aus Rheinland-Pfalz und den SWR-Programmverantwortlichen, so dass sich Handwerkskammern-Chef Axel Bettendorf am Ende begeistert über den Austausch zeigte – und dass er Twitch kennen gelernt hat.
„Work hard, play hard“ auf dem ARD Twitch-Channel stellt Handwerksberufe anhand der Simulatoren-Games vor. Und auf der Plattform geht es vor allem um den Dialog – da meldet sich schon mal ein Feuerwehrmann, der ein Gebäude in der Simulation kennt und hilft in der Kommentarspalte mit Tipps an die Spieler aus, berichtet Host Ilyas Buss.
Dass es auch Spaß machen kann, Protagonistin einer Fernsehproduktion zu sein, schilderte Sattlermeisterin Alexandra Funk. Dass die 24jährige in einem bislang von Männern dominierten Handwerk Chefin ist, fand SWR-„Heimat“-Reporterin Inga Köberich fesselnd.
Kultstatus in der Handwerker-Community hat die „Handwerkskunst“ mit mittlerweile 800.000 Abonnentinnen auf Youtube. „Wir wollten auch Appetit machen aufs Handwerk“, sagt Redaktionsleiter Rolf Hüffer zur Entstehungsgeschichte. Die mit viel Liebe zum Detail produzierten Filme seien Bildung und Unterhaltung, „wie die Sendung mit der Maus für Erwachsene“. Prompt bedankte sich eine Ausstatterin im Publikum: Der Handwerkskunst-Film über ihre Arbeit habe bewirkt, dass Kunden mehr Verständnis für die aufwändige und dann auch mal teure Dienstleistung aufbringen.
Die Gäste aus dem Handwerk fanden es fesselnd, zu erfahren, wie ein Nachrichtenfilm entsteht – und brachten zugleich Themenideen ein. Der Installateur, der nur 5kg heben darf, und trotzdem Heizungen einbauen kann, plädierte für das Thema Inklusion im Handwerk.
Auch mutmaßliche Klischees wurden diskutiert – etwa, warum das Friseurgewerbe so oft für die Illustration von Mindestlohnthemen verwendet werde. Oder, dass Handwerkerinnen immer noch „am Wochenende Bürokram machen“ müssen – das sei in Zeiten von KI nicht mehr so.
Ein offener Austausch, der mit erhellenden Erkenntnissen auf beiden Seiten endete und dem Vorsatz, den konstruktiven Dialog fortzusetzen.