Ökologische Standards der Medienproduktion als Maßstab
Um der ökologischen Verantwortung als zweitgrößte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in der ARD gerecht zu werden, haben beim SWR Produktionsmethoden, mit denen der Ressourcenverbrauch und die Treibhausgasemissionen reduziert werden können einen hohen Stellenwert. Erklärtes Ziel dabei ist die Umsetzung der „Ökologischen Standards der Medienproduktion“ für die Auftrags- und Eigenproduktionen des SWR. Diese Standards wurden entwickelt vom Arbeitskreis Green Shooting und sind ein branchenweit einheitlich verwendeter Maßnahmenkatalog, mit dem Ziel den CO2-Ausstoß von Medienproduktionen zu senken. Als Gründungsmitglied dieses Arbeitskreises, hat der SWR maßgeblich an der Erarbeitung dieser Standards für deutsche Kino-, TV- und Online-/VOD-Produktionen mitgewirkt.
Der SWR leistet einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, indem wir Filme nachhaltiger produzieren. Wir wollen auf diesem Weg weiter vorangehen und den CO2-Fußabdruck in der Filmproduktion noch stärker verringern.
Bilanzierung der CO2 Emissionen & Einsatz von Green Consultants
Eine wesentliche Veränderung im Herstellungsprozess ist der Einsatz eines eigens ausgebildeten Green Consultants, der die Produktion von Anfang an bei der Umsetzung der ökologischen Standards begleitet und berät, sowie die abschließende CO2-Bilanzierung aller Produktionen
Henning Kröger, verantwortlicher Produktionsleiter beim SWR: „Die Bilanzierung identifiziert die wesentlichen CO2-Treiber und hilft uns, Maßnahmen zur Verringerung der CO2-Emissionen abzuleiten. Mit jeder Produktion gewinnen wir neue Erkenntnisse, die uns bei künftigen Produktionen helfen. Dabei waren die fiktionalen Produktionen wie etwa unsere „Tatort“-Produktionen erst der Anfang. Das erste Tool für die Bilanzierung der CO2-Emissionen haben wir gemeinsam mit der MFG Filmförderung Baden-Württemberg entwickelt. Mittlerweile gibt es mehrere CO2-Rechner, die branchenweit genutzt werden.“
In Fortbildungen und Workshops werden die Produktionsmitarbeitenden zunehmend für Produktionsmethoden sensibilisiert, die dazu beitragen können, Ressourcen zu schonen und Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Hierzu wird ihnen das richtige Werkzeug zur Umsetzung ihrer Produktion nach den ökologischen Standards der Medienproduktion an die Hand gegeben.
Ökologische Standards bei allen Auftragsproduktionen des SWR
Seit dem Jahr 2022 verpflichtet der SWR seine Produzent:innen, sämtliche fiktionalen Produktionen nach den ökologischen Standards des AK Green Shooting umzusetzen – das gilt sowohl für Eigen- als auch für Auftrags- und Koproduktionen.
Eine flächendeckende Ausrichtung auf diese Standards wurde von den Intendanten der ARD für sämtliche Bewegtbild-Auftragsproduktionen beschlossen. Auch für Eigenproduktionen ist diese Umstellung geplant. Der SWR hat die Verpflichtung auf die einheitlichen Kriterien daher in allen Auftragsproduktionsverträgen zum Standard gemacht.
Der SWR hat diese Verpflichtung daher in allen Auftragsproduktionsverträgen zum Standard gemacht.
„Tatort“ als Vorreiter
Bereits 2018 hat der SWR begonnen, das ARD-Flaggschiff unter nachhaltigen Kriterien zu produzieren und es werden umfangreiche Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen umgesetzt. Selbstverständlich sind dabei die Nutzung von möglichst viel natürlichem Tageslicht, der konsequente Einsatz von LED-Set-Beleuchtung, die Bereitstellung von Ökostrom auch bei Außendrehtagen aber auch eine effiziente Motiv- und Drehortplanung und -nutzung sowie Reiserichtlinien, mit Vorgaben zur Nutzung von ressourcenschonenden Verkehrsmitteln und entsprechenden Vorgaben für das Catering. Durch Beachtung dieser Parameter und Umsetzung der ökologischen Standards konnten bei Tatort-Drehs die CO2-Emmissionen um bis zu 40 % (gegenüber konventionellen Methoden) reduziert werden.
Events emissionsbewusst gestalten – Mitarbeitende sensibilisieren
Viele dieser Maßnahmen greifen in ähnlicher Weise auch im Bereich der Veranstaltungen.
Wie bei der Medienproduktion wurden auch für die Durchführung von Events über das eigens entwickelte E-Learning-Tool „Let’s go green“ zahlreiche Mitarbeitende für die Durchführung von Events unter Einhaltung der definierten Kriterien geschult – nach Erprobung im SWR wird das Schulungsmodul seit einiger Zeit auch ARD-weit eingesetzt. Um fortlaufend Erkenntnisse zu erhalten und Verbesserungspotentiale zu identifizieren, soll zudem ein Bewertungsmodul eingesetzt werden, mit dem die Einhaltung der Standards bei der Umsetzung einer Veranstaltung überprüft und bewertet werden kann.
Ein Vorreiter im Eventbereich ist bereits seit mehreren Jahren das SWR3 New Pop Festival, das für sein Konzept bereits zweimal mit dem „A Greener Festival Award“ ausgezeichnet wurde. Geachtet wird nicht nur bei dieser Veranstaltung auf eine gute Erreichbarkeit mit ÖPNV, einen ressourcenschonenden Einsatz von Arbeitsmaterial, Vermeidung von Müll und den Einsatz emissionsarmer Fahrzeuge.
Effiziente IT als Basis von Geschäftsprozessen
Zum Planen, Produzieren und Ausstahlen unserer Programme aber auch zum Einkauf von Waren und Dienstleistungen, zum Bezahlen von Rechnungen, zum Rekrutieren unserer Mitarbeiter – in allen Bereichen wird IT benötigt. Unter dem Stichwort Green IT arbeitet der SWR daran, auch in diesem Bereich Energie- und Ressourcenverbrauch zu reduzieren. So werden z.B. Rechenzentren laufend modernisiert und optimiert, Kalt-/Warmgang-Konzepte umgesetzt und wo räumlich möglich, wird über die Lüftungsanlagen die Abwärme der Rechenzentren effizient genutzt. Durch Bündelung und Nutzung moderner Cloud-Technologie sollen mögliche Effizienzpotentiale erschlossen werden. Daher setzt der SWR auch auf diese Hebel.
Unsere Geräte- und Drucker-Policies machen Vorgaben zum Einsatz von IT bei den Mitarbeitenden und selbstverständlich werden bei der Beschaffung von neuer Ausstattung auch Umweltkriterien wie z.B. Energieeffizienzklassen, zertifizierte Lieferketten und Lebensdauer angemessen berücksichtigt. Die Reinvestitionszyklen in neue IT sind so gewählt, dass eine langjährige Nutzung erfolgen kann und zum Zeitpunkt der Wiederbeschaffung optimierte und energieeffizientere Geräte zum Einsatz kommen können. Nicht zuletzt wird gebrauchte, nicht mehr benötigte IT-Hardware zum Recycling und ggf. zur Wiederaufbereitung an eine gemeinnützige GmbH übergeben – so können noch nutzbare Geräte weiterverwendet und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung unterstützt werden.
Gebäudeinfrastruktur, Mobilität und Mitarbeiterverpflegung
Die Verbesserung der Energieeffizienz steht auch beim Betrieb unserer verschiedenen Standorte, von Bürogebäuden bis zu klassischen Sendern von Hörfunk- und Fernsehstudios bis hin zu Archivräumen im Fokus. LED-Technik ist bereits vielfältig umgesetzt, an vielen Stellen kommt moderne Regelungs- und Steuerungstechnik zum Einsatz, die die Energieverbräuche senkt und bei Sanierungsmaßnahmen werden, soweit technisch und wirtschaftlich sinnvoll, energieeffiziente Lösungen berücksichtigt. Mit dem Umstieg auf 100% Ökostrom hat der SWR seine bilanzierten CO2-Emissionen (GHGP-Standard) aus dem Strombezug um rund 99% (2024 gegenüber 2019) reduzieren können und auch Photovoltaik gewinnt an Bedeutung. 2026 werden an den drei Hauptstandorten je nach den baulichen Gegebenheiten Photovoltaikanlagen unterschiedlicher Größe installiert, um Strom für den Eigenverbrauch zu liefern.
Vielfach kommen E-Fahrzeuge zum Einsatz und zu funkhausnahen Drehorten können Reporter mit dem Fahrrad oder Pedelec fahren, um schnell und emissionsarm vor Ort zu sein. Mit Unterstützung des NABU wurden am Standort Stuttgart Insektenhotels installiert, um trotz der innerstädtischen Lage die natürliche Vielfalt zu stärken. Auch in der täglichen Versorgung der Mitarbeitenden in den Kantinen werden Umwelt- und Regionalitätsaspekte berücksichtigt: so ist die Kantine in Stuttgart Teil der Initiative „Schmeck den Süden“ und auch an den anderen Standorten wird regional eingekauft. Vegetarische und vegane Gerichte sind Bestandteil der Speisepläne und Lebensmittelreste und -abfällen werden nach Möglichkeit wieder verwertet.
Nachhaltigkeit als wichtiges Thema in der gesamten ARD
Die ARD entwickelt über den Bereich der Medienproduktion hinaus ihr Engagement für mehr Nachhaltigkeit weiter: Übergeordnetes Ziel ist ein systematisches Management ökologischer Auswirkungen in allen betrieblichen Bereichen – von Einkauf über Kantinenversorgung bis Programmverbreitung. 2023 hat die ARD ihren zweiten Bericht über ökologische, ökonomische und soziale Kennzahlen und Maßnahmen vorgelegt und 2024 das ARD Kompetenzcenter Klima (Federführung HR, MDR und SWR) auf den Weg gebracht. Auch das Programm des SWR und der ARD befasst sich auf vielfältige Weise mit dem gesellschafts- und zukunftsrelevanten Thema Nachhaltigkeit. So informieren die Rundfunkanstalten kontinuierlich im Fernsehen, im Hörfunk und online zu aktuellen Entwicklungen und bieten spezifische Programmformate zu den Themen Klima und Umwelt.